Das Bundesliga-Zeugnis: Hertha BSC

„Sechs, setzen!“ Wer hat als Schüler diesen Satz nicht schon einmal gehört? Goal.com stellt dem Klub aus der Hauptstadt das Zwischenzeugnis aus. Konnte Hertha überzeugen?

Von Andreas Becker

Kobiashvili und Raffael jubeln gemeinsam
Bongarts
Verein: Hertha BSC

Bundesliga: Platz 11

DFB-Pokal: Viertelfinale

Zielsetzung: Hertha BSC ging ohne große Erwartungen in die Saison. Die Berliner wussten, dass sie es als Aufsteiger schwer haben werden. Doch nach der Hinrunde steht man mit 20 Punkten auf Platz 11 und damit als Aufsteiger gut da. Der Abstand zu einem Europa-League-Rang, über den in der Hauptstadt nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird, beträgt sechs Punkte - es ist nach oben hin also noch alles offen. Allerdings beträgt der Abstand zu den Abstiegsrängen auch nur vier Punkte. Hertha muss aufpassen und einen guten Start in die Rückrunde schaffen, um sich aller Abstiegssorgen so schnell wie möglich zu entledigen. Im DFB-Pokal hat man zum ersten Mal nach fünf Jahren wieder das Viertelfinale erreicht, wo man im Februar zu Hause auf Borussia Mönchengladbach trifft.

LIGA, POKAL – Note: voll befriedigend (3+)

Wirklich einfach waren die letzten Wochen für die Spieler von Hertha BSC nicht. In der Bundesliga wartet Hertha seit sechs Spielen auf einen Sieg, und zu der sportlichen Misere gesellte sich zusätzlich die Trainer-Posse um Markus Babbel, die am Sonntag nach dem Hoffenheim-Spiel in der Entlassung Babbels mündete. Ein insgesamt sehr gutes Jahr 2011, drohte einen hässlichen Ausgang zu nehmen. Umso erleichterter waren alle Beteiligten, dass Hertha nach dem 3:1-Sieg am Mittwochabend gegen den 1. FC Kaiserslautern mit dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals doch noch einen versöhnlichen Abschluss fand. Dort trifft Hertha mit dem neuen Trainer, Michael Skibbe, nun auf Borussia Mönchengladbach.

Noch mehr zu Hertha BSC: Zur Teamseite

UNTERHALTUNG – Note: voll ausreichend (4+)

Als Hertha-Fan muss man starken Nerven haben, vor allem im heimischen Olympiastadion. Bis auf den klaren und schön herausgespielten 3:0-Sieg gegen den 1. FC Köln und den Sieg im Pokal-Achtelfinale gegen Kaiserslautern, kamen die Zuschauer nur selten auf ihre Kosten. Das 3:3 gegen Leverkusen war mit Sicherheit spektakulär, doch am Ende fehlten einmal mehr die Punkte. Gegen Spitzenteams, wie Gladbach und Schalke, wurde verloren. Nach 17 Spieltagen stehen nur zwei Siege aus acht Heimspielen. Auswärts ist die Bilanz ausgeglichen (2-5-2); große Spektakel oder viel Unterhaltung gab es aber auch hier nicht.

TRANSFERMARKT – Note: gut (2)

Viele Bundesligisten jagten im Sommer Thomas Kraft, am Ende bekam Hertha BSC den Zuschlag für den Keeper. Der 23-Jährige ist eine Top-Verpflichtung, konnte sich in der Hinrunde mehr als einmal auszeichnen. Kraft rettete Hertha einige Punkte und wird dafür von allen Seiten gelobt. In der Abwehr kam Maik Franz dazu, er konnte sich jedoch nicht wie erhofft durchsetzen. Wegen eines Kreuzbandrisses fällt er wohl bis Saisonende aus, Hertha sucht nach Ersatz. Andreas Ottl hat sich als Stabilisator im Mittelfeld erwiesen, machte alle 17 Hinrunden-Spiele mit. Änis Ben-Hatira und Tunay Torun deuteten an, dass sie noch zu einer richtigen Verstärkung werden können.

Transfermarkt: Alle Bundesliga-Wechsel im Überblick

TRAINER & UMFELD – Note: noch mangelhaft (5-)

Hier gab Hertha BSC zum Hinrunden-Ende ein ganz schlechtes, peinliches Bild ab, dabei hatte sie Saison so harmonisch begonnen. Mit Ex-Trainer Markus Babbel und Manager Michael Preetz schienen die Berliner in eine ruhigere Zukunft gehen zu können, doch weit gefehlt. Nur wenige Wochen nach Saisonstart gingen die Diskussionen um eine vorzeitige Vertragsverlängerung von Babbel los, dessen Vertrag im Sommer 2012 ausgelaufen wäre. Babbel wollte sich in der Winterpause äußern, tat das dann, auch auf Druck des Vereins hin, schon im November, durfte sich aber nicht öffentlich äußern, sollte es geheim halten. So ist zumindest Babbels Version, der über den Sommer hinaus nicht weitermachen wollte in Berlin. Preetz äußerte sich ganz anders, beide bezichtigten sich der Lüge, nach dem 1:1 gegen Hoffenheim am 17. Spieltag wurde Markus Babbel entlassen. Die Ruhe im Verein ist erst mal dahin, auch wenn mit Michael Skibbe schon ein Nachfolger präsentiert wurde. Der Klub aus der Hauptstadt hat mit der Trainer-Posse - mal wieder - einige Sympathien verspielt.

GESAMTNOTE: noch befriedigend (3-)

Mit dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals fand das Jahr 2011 für Hertha BSC, nach einer Sieglos-Serie in der Bundesliga und dem Trubel um Markus Babbel, doch noch ein versöhnliches Ende. Die Berliner wurden Zweitliga-Meister, stiegen souverän in die Bundesliga auf und finden sich derzeit auf einem guten elften Platz wieder. Im Januar beginnt mit Michael Skibbe eine neue Zeitrechnung. Der Verein muss es unbedingt schaffen, bis dahin Ruhe in den Klub zu bekommen. Nur dann kann man seine gesteckten Ziele erreichen.

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