Das Bundesliga-Zeugnis: Borussia Mönchengladbach

„Sechs, setzen!“ Wer hat als Schüler diesen Satz nicht schon einmal gehört? Goal.com stellt Borussia Mönchengladbach das Zwischenzeugnis aus. Klassenziel erreicht?

Von Patrick Niedel

Lucien Favre und Dante tauschen sich aus
Bongarts
Verein: Borussia Mönchengladbach
Bundesliga: Platz 4
DFB-Pokal: Viertelfinale

Zielsetzung: Nach der katastrophalen Saison mit wunderbarer Rettung wollte man bei der Borussia zunächst einmal froh, weiterhin zur „Beletage“ des deutschen Fußballs zu gehören. Nur nicht wieder ums Überleben kämpfen, nur nicht wieder im Abstiegssumpf versinken. So lauteten die Ziele der Borussen zu Saisonbeginn. Optimisten hofften auf eine sorgenfreie Spielzeit.

LIGA & POKAL- Note: sehr gut (1)

Die Hoffnungen wurden erfüllt, die Erwartungen übertroffen. Borussia spielte eine formidable Hinrunde. Die Euphorie des Last Minute-Klassenerhaltes wurde in die neue Spielzeit mitgenommen. Gleich am ersten Spieltag ein Paukenschlag mit dem 1:0 beim FC Bayern. Platz vier kommt einer Sensation gleich. Dazu überwintert man erstmals seit Jahren wieder im DFB-Pokal. Mit dem Abstieg wird man tatsächlich nichts zu tun haben. Die internationalen Plätze zu verteidigen, ja vielleicht sogar in die Königsklasse vorstossen: schwere aber durchaus realistische Zielsetzungen für die Borussia im Winter 2011.



UNTERHALTUNG - Note: befriedigend (3)

Borussia in der Hinrunde 2011/2012, das ist taktisch ausgeklügelter Fußball mit Disziplin in der Defensive und Lust in der Offensive. Die Mannschaft zeigte sich teilweise wie eine Neugeburt der legendären Fohlenelf aus den siebziger Jahren. Tolle Spiele wie das 4:1 gegen Wolfsburg oder das 5:0 gegen Bremen zeigten, dass Lucien Favre eben nicht in das Klischee des „1:0-Trainers“ passt. Die junge Mannschaft zeigte sich aber auch enorm abgeklärt und taktisch gefestigt, zu sehen beim 3:0 in Köln oder dem 2:1 in Berlin. Rückschläge, wie die Niederlagen in Freiburg, Hoffenheim oder Augsburg wurden schnell verarbeitet und die daraus gezogenen Lehren sofort umgesetzt.

TRANSFERMARKT- Note: ausreichend (4)

Es gab keinen großen Umbruch im Sommer. Mit Oscar Wendt kam nur ein international erfahrener Spieler. Ansonsten setzten Favre und Sportdirektor Max Eberl darauf, den Kader in der Breite zu erweitern. Junge Talente wie Lukas Rupp, Matthias Zimmermann oder Matthew Leckie sollten den Konkurrenzkampf schüren. Mit dem Japaner Yuki Otsu wurde ein Perspektivspieler verpflichtet, der, wenn er sich an die Bundesliga gewöhnt hat, durchaus Potential hat. Mit dem von Manchester United ausgeliehenen Joshua King wurde ein robuster Nachwuchsstürmer geholt, der aber aufgrund vieler Verletzungen nicht bewertet werden kann. Das es noch keiner der Neuen in die Startelf geschafft hat, liegt an der Eingespieltheit der Mannschaft und daran, dass sich vermeintliche Wackelkandidaten wie Filip Daems oder Tony Jantschke festgespielt haben.



TRAINER & UMFELD- Note: sehr gut (1)

Was Lucien Favre in seiner bisherigen zehnmonatigen Amtszeit gelungen ist, schaffen viele Trainer erst nach einigen Jahren. Zuerst rettete er eine verunsicherte Mannschaft vor dem Absturz in die zweite Liga. Mit seiner Detailversessenheit schaffte es der Schweizer, eine defensivstarke und taktisch klug spielende Mannschaft zu formen. In der neuen Saison kamen Kreativität und Effizienz im Offensivspiel hinzu.
Sportdirektor Max Eberl ließ sich, trotz Rückschlägen, nicht von seinem Weg und nicht von der Vereinsphilosphie abbringen. Aus begangenen Fehlern lernte er und auch, als verbale Heckenschützen und vermeintliche Fans der Borussia in Form der unsäglichen „Initiative Borussia“ versuchten, den Klub zu übernehmen, bewahrte Eberl Ruhe und Souveränität. Mit dem Einbinden von Hans Meyer ins Präsidium gelang es zudem, weitere Fußballkompetenz ins oberste Vereinsgremium zu holen.
Finanziell steht Borussia solide da. Man ist nicht wie früher gezwungen, Stützen der Mannschaft zu verkaufen. Geschäftsführer Stephan Schippers fasste die wirtschaftliche Lage mit den Worten „gesund, aber nicht reich“ treffend zusammen.

GESAMTNOTE- Note: gut (2)

Borussia spielte die beste Hinrunde seit 16 Jahren. Es wird schwer sein, die Punkteausbeute in der Rückrunde zu wiederholen. Gelingt es der Mannschaft aber, halbwegs stabil zu bleiben, und bewahrt das Umfeld weiterhin Ruhe und Realismus, dann kann aus einer bisher sehr guten Saison eine große Saison werden.

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