Ex-Bundesliga-Profis im Land des EM-Gastgebers: Ljuboja trumpft auf - Wichniarek und Smolarek enttäuschten

Es sind noch genau 174 Tage bis zum EM-Start in unserem Nachbarland Polen. Goal.com wird euch Woche für Woche den EM-Gastgeber vorstellen.

Von Kornel Pracki

Ebi Smolarek und der BVB Borussia Dortmund zitterte sich zum 2:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern (AFP)
Warschau. Immer wieder verlassen talentierte polnische Spieler wie zum Beispiel Tomasz Hajto ( Schalke 04), Jakub Blaszczykowski oder Robert Lewandowski (beide aktuell Borussia Dortmund) ihre heimische Liga um das ganz große Glück in der Bundesliga zu suchen. Einige dieser zahlreichen Legionäre kehrten zum Ende ihrer Spielerkarriere in ihr Heimatland zurück, um in der Ekstraklasa die Laufbahn ausklingen zu lassen. Anders sieht es bei Aktueren aus, die in der Bundesliga entweder gescheitert sind oder einfach keine weiteren Perspektiven besitzen und sich somit für den Schritt nach Polen entscheiden. Danijel Ljuboja, ehemaliger Spieler beim Hamburger SV, VfB Stuttgart und VfL Wolfsburg, ist nun bei Legia Warschau unter Vertrag und überzeugt seit dem Sommer mit grandiosen Leistungen.

Ljuboja elektrisiert die Massen

Der Hauptstadtklub Legia Warschau will mit dem neuen Stadion, vor allem aber mit den großen Kader-Investitionen für erfolgreiche Zeiten sorgen. Der prominenteste Zugang ist der extravagante Danijel Ljuboja, der mit seiner speziellen Art und Weise und seiner spielerischen Klasse Woche für Woche für eine Show während der Legia-Partien sorgt. In der Hinrunde gelangen dem ehemaligen Bundesliga-Spieler neun Treffer und sechs Assists - davon drei Scorerpunkte in der Europa League. Die polnischen Medien schwärmen von der Spielintelligenz und Torgefahr des Serben. Der Angreifer wurde neben dem Lech-Stürmer Artjoms Rudnev zum besten Spieler der Hinrunde in der Ekstraklasa gewählt. Legia gelang es mit Ljuboja einen Star zu verpflichten, der auch mit seinen 33 Jahren weiterhin große Klasse zeigt.

Palijc Top - Iliev Flop

Der frühere Hoffenheimer Dragan Palijc wechselte im Sommer des letzten Jahres vom 1.FC Kaiserslautern (47 Einsätze) zum polnischen Giganten Wisla Krakau. Der Mittelfeldspieler entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der Meisterelf Wislas aus der letzten Spielzeit. In der laufenden Saison kann er, wie das gesamte Team aus Krakau, an seine guten Leistungen aus dem Meisterjahr nicht anknüpfen. Sein jetziger Klubkollege Ivica Iliev erlebte ein einjähriges Intermezzo bei Energie Cottbus - der Stürmer erzielte für die Lausitzer lediglich drei Treffer (30 Einsätze). Nach den Zwischenstationen Maccabi Haifa und Partizan Belgrad wechselte der Serbie im Sommer schließlich zu Wisla und konnte dort bislang nicht über die Reservistenrolle hinauskommen.

Union-Flucht nach Zabrze

Michael Bemben entschied sich im letzten Jahr nach über 100 Partien für den VfL Bochum und seinem Abentuer bei Union Berlin für den Wechsel nach Polen. Der Verteidiger spielt nun bereits seine zweite Saison bei Gornik Zabrze. Es gelang ihm in dieser Zeit zu einer festen Größe beim Klub aus Oberschlesien zu avancieren. Zu Beginn dieser Saison konnte Gornik zudem mit dem Halb-Polen Paul Thomik einen weiteren Union-Spieler unter Vertrag nehmen - ablösefrei! Thomik konnte sich in der Hinrunde jedoch nicht entscheidend durchsetzten - es wird mit seinem Abgang im nächsten Jahr gerechnet.

Die drei Legionäre - Ljuboja, Bemben und Iliev

Leistungsträger... Verstärkung... Enttäuschung...


Hajto und Reiss mit negativen Schlagzeilen

Tomasz Hajto und sein Landsmann Tomasz Waldoch avancierten Anfang des Jahrtausends bei Schalke zu den Stabilisatoren in der Defensive. Waldoch war insgesamt sieben Jahre lang bei den Königsblauen unter Vertrag und übernahm sogar über einen längeren Zeitraum die Kapitänsbinde bei den Schalkern (2000 - 2004). Im Alter von 35 Jahren kehrte der Defensivmann nach Polen zurück und beendete dort bei Jagiellonia Bialystok erfolgreich seine Spielerkarriere. Hajto wurde nach seiner Schalker Zeit mit mehreren Affären (zum Beispiel Zigaretten-Schmugel) in Verbindung gebracht. Nach einem Jahr beim 1.FC Nürnberg entschied sich der WM-Teilnehmer von 2002 für ein Abentuer auf der Insel - seine Fußballschuhe hängte er schließlich bei LKS Lodz endgültig an den Nagel. Piotr Reiss ist ein weiterer polnischer Bundesliga-Spieler, der mit unschönen Aktionen für Schlagzeilen sorgte: Der ehemalige Hertha-Stürmer (19 Einsätze, zwei Treffer) wurde während seiner Polen-Rückkehr in einen Manipulationsskandal verwickelt. Sein damaliger Arbeitgeber Lech Posen löste daraufhin den Vertrag mit dem Stürmer auf - Reiss heuerte anschließend beim Stadtrivalen Warta Posen an.

Wichniarek und Smolarek scheitern kläglich

Der Stürmer Artur Wichniarek konnte weder bei der Hertha, noch bei Arminia Bielefeld konstant gute Leistungen bringen. Seine gewünschte Rückkehr nach Posen stellte sich für ihn als ein noch größerer Flop, als das Engagement an der Spree dar. Wichniarek traf zwar bei seinem Pflichtspiel-Debüt für Lech in der Champions League-Qualifikation, konnte aber in den restlichen 14 Partien keinen weiteren Treffer mehr nachlegen - die Lech-Verantwortlichen reagierten schnell und lösten nach der Hinrunde den Vertrag mit dem formschwachen Ex-Bielefelder auf. Ein ähnliches Schicksal musste auch Euzebiusz Smolarek erleiden. Der ehemalige Dortmund-Stürmer, der mit seinem immens wichtigen 2:0-Treffer in der Saison 2006/2007 den Schalkern die Tabellenführung nahm, wechselte nach seinem gescheiterten Versuch bei Racing Santander und Bolton Wanderers zu der ambitionierten Polonia Warschau. Der ehemalige Nationalspieler konnte jedoch in den zwei Jahren nie zu seiner Topform finden - im Sommer wechselte Smolarek nach Katar.

                                    Die polnischen Rückkehrer

Zurück nach Polen | Meisterschaft und Horrorsaison
Hajto
Wichniarek
Smolarek
Bosacki


Gornik Zabrze
Lech Posen
Polonia Warschau
Lech Posen

Bosacki und Bandrowski feiern Meistertitel

Bartosz Bosacki und Tomasz Bandrowski sind die beiden einzigen Akteure, die nach ihrer Rückkehr nach Polen den Meistertitel bejubeln konnten. Bosacki nahm die Offerte aus Posen direkt an, nachdem er sich in den zwei Jahren beim 1.FC Nürnberg nie ins Rampenlicht stellen konnte. Bandrowski versuchte es ebenfalls glücklos in Deutschland bei Energie Cottbus. Kurios: Beide Akteure sind seit einem halben Jahr auf Klubsuche, weil Lech die Verträge mit ihnen nicht verlängern wollte. Stürmer Marcin Mieciel war insgesamt zwei Jahre lang beim VfL Bochum unter Vertrag und erzielte für den Ruhrpott-Klub sechs Treffer in 37 Partien. Bei seiner Rückkehr zu Legia blieb er unter seinen Erwartungen und verließ den Hauptstadtklub nach einem Jahr.



Kuba zu Wisla?

Bald könnte auch eventuell der polnische Nationalmannschaftskapitän Jakub Blaszczykowski seinen derzeitigen Klub Borussia Dortmund für den amtierenden polnischen Meister Wisla Krakau ändern. Der Mittelfeldspieler kommt unter Jürgen Klopp nur noch sporadisch zum Einsatz und sieht deshalb seine Reservistenrolle als Gefahr für den Einsatz bei der Heim-EM. Der BVB-Coach will Kuba aufjedenfall behalten, doch ein Wechsel des Polen ist im Januar durchaus möglich. In den letzten Wochen bekundete sein ehemaliger Klub Wisla Krakau das Interesse an dem Offensivspieler. Allerdings ist es sehr fraglich, ob die Weiß-Roten die Gehaltsvorstellungen des Bundesliga-Spielers erfüllen könnten.

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