Japaner in der Bundesliga: Leistungsträger, Mitläufer oder Totalausfälle?

Die Bundesliga hat den japanischen Fußball entdeckt. Immer mehr Japaner wechselten in die obersten beiden Spielklassen Deutschlands. Aber konnten sie sich auch durchsetzen?

Von Alexander Brinkmann

Sorgt für Schwung beim VfB Stuttgart: Japaner Shinji Okazaki
Bongarts
Bochum. 350.000 Euro Ausbildungsentschädigung überwies Borussia Dortmund vor etwa eineinhalb Jahren an Cerezo Osaka für den damals in Deutschland noch völlig unbekannten Shinji Kagawa. Mittlerweile liegt sein Marktwert laut transfermarkt.de bei 13 Millionen Euro und ohne die Leistungen seiner Landsmänner wie Makoto Hasebe (seit Januar 2008 beim VfL Wolfsburg) oder Atsuto Uchida (seit Beginn der Saison 2010/11 bei Schalke 04) schmälern zu wollen, ist er sicherlich einer der Hauptgründe dafür, dass die Bundesliga-Klubs vermehrt auf dem japanischen Transfermarkt aktiv geworden sind.

Der Traum vom ganz großen Schnäppchen

Viele Bundesligisten hofften darauf, einen Spieler zu bekommen, der bei ihnen genau so einschlagen würde, wie es Shinji Kagawa in Dortmund getan hatte. Einige Vereine wie Stuttgart und Leverkusen verpflichteten bereits in der Winterpause der Saison 2010/11 einen japanischen Spieler. Andere Vereine wie etwa Borussia Mönchengladbach warteten bis zur neuen Saison mit ihren Transferaktivitäten in Fernost. Und sogar die Bayern aus München beteiligten sich beim Transfer von Spielern aus Japan. Doch wer von ihnen konnte sich durchsetzen? Wer von ihnen fristet sein Dasein als Reservist? Goal.com wirft einen Blick auf die japanischen Spieler, die nach Shinji Kagawa in die 1. und 2. Bundesliga kamen.

Shinji Okazaki, Sturm, VfB Stuttgart

Mit dem Titel „Asienmeister 2011“ im Gepäck wechselte Shinji Okazaki in der letzten Winterpause ablösefrei zum VfB und stand ab dem 23. Spieltag stets in der Startelf. Sein erstes Bundesligator allerdings sollte ihm erst am 33. Spieltag der letzten Saison beim 2:1-Sieg über Hannover gelingen. Auch in dieser Saison war er in 14 der bisher 15 Spiele mit von der Partie (davon drei Einwechslungen). Seine Torausbeute ist dabei mit drei Toren allerdings verbesserungswürdig. Auch wenn seine Leistungen eher durchschnittlich sind, hat er sich in Stuttgart gut integriert.

Fazit:
Bekommt viele Einsätze, sollte aber seine Trefferquote hochschrauben. Hat sicherlich noch Luft nach oben.

Hajime Hosogai, defensives Mittelfeld, FC Augsburg (ausgeliehen von Bayer 04 Leverkusen)

Der zweite fernöstliche Wintertransfer in der letzten Saison: Hajime Hosogai. Der seit 2010 japanische Nationalspieler und ebenfalls „Asienmeister 2011“ wurde von Bayer Leverkusen sofort an den damals noch in der 2. Liga spielenden FC Augsburg ausgeliehen. Dort kam er sieben Mal zum Einsatz (null Tore). Nun spielt er mit Augsburg in der Bundesliga und kann dort 14 Einsätze und drei Tore verbuchen. Leverkusens Taktik, Hosogai Spielpraxis sammeln zu lassen, bevor seine Leihfrist Ende dieser Saison ausläuft, scheint momentan aufzugehen. Wenn Michael Ballack Leverkusen zum Saisonende verlässt, könnte Hosogai für ihn in der nächsten Saison nachrücken.

Fazit:
Auch wenn Augsburg momentan Tabellenletzter ist, werden ihm die Erfahrungen, die er in dieser Saison macht, sicherlich weiterhelfen, um sich in der nächsten Saison in Leverkusen zu empfehlen.



Kisho Yano, Sturm, SC Freiburg


Kisho Yano wechselte kurz nach Beginn der letzten Saison am 27.08.2010 ablösefrei von Albirex Niigata zum SC Freiburg. Von seinen 15 Einsätzen spielte er dabei aber nie über die vollen 90 Minuten (13 Einwechslungen, zwei Auswechslungen), sondern musste sich stets mit Kurzeinsätzen zufrieden geben. Neben seinem ersten Bundesligator wartet er in dieser Saison zudem noch auf seinen ersten Einsatz für die Breisgauer; falls es überhaupt noch dazu kommt und er nicht schon in der Winterpause den SC Freiburg verlässt.

Fazit: Kam in der letzten Saison nie über die Reservistenrolle heraus und scheint unter Trainer Marcus Sorg keine Rolle mehr zu spielen. Abgang und Rückkehr nach Japan in der Winterpause wahrscheinlich.

Tomoaki Makino, Innenverteidigung, 1. FC Köln

Der dritte, ebenfalls ablösefreie Wintertransfer der letzten Saison. Tomoaki Makinos erster (Startelf-) Einsatz am 20. Spieltag der letzten Saison endete mit einer 0:3-Niederlage gegen den FC St. Pauli. Bis zum Ende der Saison kam Makino nur noch zu vier Kurzeinsätzen. Auch in dieser Saison ist er bisher erst zweimal eingewechselt worden.

Fazit:
Fasste in seinem einen Jahr in Köln nie richtig Fuß. Ein Wechsel im Winter (auf Leihbasis) gilt als äußerst wahrscheinlich.

Yuki Otsu, Offensives Mittelfeld, Borussia Mönchengladbach

Mit einer Ablösesumme von 400.000 Euro war Yuki Otsu sogar „teurer“ als Shinji Kagawa. Otsu sammelte nach seinem Wechsel im Juli 2011 zunächst Spielpraxis in der zweiten Mannschaft der Borussia in der Regionalliga West (sieben Startelfeinsätze). Sein erster und bisher einziger Bundesligaeinsatz war am 10. Spieltag gegen die TSG Hoffenheim, wo er in der 83. Minute eingewechselt wurde. In Gladbach sieht man ihn als einen Spieler für die Zukunft.

Fazit: Es wird schwer für Yuki Otsu, sich für die momentan bestens funktionierende Gladbacher Mannschaft zu empfehlen. Ein Wechsel im Winter scheint aber ausgeschlossen. Es bleibt nur abzuwarten, wie die weitere Saison verläuft.

Takashi Usami, Offensives Mittelfeld, FC Bayern München

Bevor er überhaupt richtig in München ankam, eilte dem erst 19-jährigen Takashi Usami schon der Ruf voraus, das „ momentan größte Talent im japanischen Fußball“ zu sein. Nun ist er bis Ende der Saison von Gamba Osaka für 300.000 Euro an Bayern München ausgeliehen. Doch bei der Konkurrenz, die ihm beim Rekordmeister gegenübersteht, ist es eher unwahrscheinlich, dass er noch zu vielen Einsätzen in der ersten Mannschaft kommen wird. Bereits am zweiten Spieltag gab er gegen den VfL Wolfsburg sein Ligadebüt und wurde in der 69. Minute für Thomas Müller eingewechselt. Allerdings folgte noch im selben Spiel in der zweiten Minute der Nachspielzeit seine Auswechslung. Danach wurde er in die zweite Mannschaft in die Regionalliga Süd versetzt und kommt dort mittlerweile auf 13 Spiele und 6 Tore.



Vergangenen Mittwoch gegen Manchester City kam Usami zudem zu seinem Champions League-Debüt, als er in der 81. Minute eingewechselt wurde. Seine fußballerischen Qualitäten werden in München zwar bestätigt, aber bei der dort herrschenden Konkurrenzsituation fällt es schwer zu glauben, dass er sich durchsetzen wird, sollte Bayern die existierende Kaufoption nutzen. Besonders dann, wenn Bayern tatsächlich ernsthaft über eine Verpflichtung weiterer Mittelfeldakteure zur nächsten Saison wie zum Beispiel Marco Reus nachdenkt.

Fazit:
Es könnte sicherlich Schlechteres geben, als in Bayern Münchens zweiter Mannschaft zu spielen. Aber entsprechend seines Rufes als „größtes japanisches Talent“ sollte Usami offen für andere (Bundesliga-)Klubs bleiben, bei denen er mehr Chancen auf Einsätze in der ersten Mannschaft hat. Für einen jungen Spieler wie ihn wird die Situation bei Bayern München nämlich nicht leichter.

Takashi Inui, Offensives Mittelfeld, VfL Bochum

Der einzige Japaner, der seit dieser Saison in der Zweiten Bundesliga spielt. Takashi Inui kam vom gleichen Verein wie Shinji Kagawa, Cerezo Osaka, und kostete Bochum 500.000 Euro Ablöse. Er bestritt alle seiner bisherigen 13 Spiele von Beginn an, erzielte bereits 4 Tore und verbucht 3 Torvorlagen für sich. Allerdings sind seine gezeigten Leistungen recht schwankend.

Fazit: Ist auf jeden Fall zur Stammkraft in Bochum geworden und wird sicherlich in der Zweiten Bundesliga noch mehr von sich hören lassen, wenn sich seine Leistungen stabilisieren.

Nicht jeder kann einschlagen wie eine Bombe

Während Shinji Okazaki, Hajime Hosogai und Takashi Inui fleißig Einsätze bei ihren Vereinen sammeln, haben es Takashi Usami und Yuki Otsu wesentlich schwerer, sich bei ihren Klubs durchzusetzen. Für Kisho Yano und Tomoaki Makino sieht es dafür bald nach einem Ende ihres Kapitels „Bundesliga“ aus. Nicht jeder Japaner, der seit dem Durchbruch Shinji Kagawas in die Bundesliga kam, konnte die Erwartungen erfüllen. Bei einigen war hierbei vielleicht auch das Problem, dass sie immer wieder an ihrem Dortmunder Kollegen gemessen wurden. Genauso wie es bei Südamerikanern und Osteuropäern, die lange Zeit bevorzugt in die Bundesliga geholt wurden, eine ganze Menge Transferflops gab, gibt es auch bei Japanern keine todsichere Erfolgsgarantie.

Japan und der Rest Ostasiens sind im Trend


Dennoch ist es kein Zufall, dass Japan und andere ostasiatische Länder wie China, Südkorea und sogar Nordkorea die Aufmerksamkeit des deutschen Fußballs auf sich ziehen. Betrachtet man die Entwicklung des Fußballs in den dortigen Ländern, die letzten internationalen Turniere der A-Nationalmannschaften und vor allem aber auch die Turniere der Jugendmannschaften, sind sowohl im Herren- als auch im Damenfußball in Ostasien bemerkenswerte Fortschritte zu sehen. Dementsprechend kann man davon ausgehen, dass die deutschen Vereine weiterhin einen genauen Blick nach Japan und Co. werfen werden.

Eure Meinung: Worin seht ihr die Gründe, dass die Bundesligavereine vermehrt auf Spieler aus Ostasien und vor allem aus Japan setzen?



 
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