|
|
Die Bayern im internationalen Vergleich: Finale in München mehr als nur ein Traum
Der FC Bayern ist nach langen Jahren endlich wieder zurück in der Weltspitze. Nach dem Finale 2010 ist auch in diesem Jahr das Endspiel wieder möglich. Nur zwei sind noch besser.
von Nikolai Mende
Der Absturz ins Mittelmaß
Nach dem Abgang von Kapitän Effenberg fiel der FC Bayern international in eine dunkle Zeit. Während man bis zur WM 2002 noch zu den Top-3 im Fußball zählte - neben Madrid und Manchester - erlebte der Rekordmeister praktisch über Nacht einen gewaltigen Absturz in die zweite Reihe der Top-Vereine. In der Saison 01/02 brauchte der spätere Sieger Real Madrid noch einen Kraftakt, um den damals amtierenden CL-Sieger zu besiegen und die Betonabwehr um Thomas Linke, Bixente Lizarazu und Co. zu knacken. Nur ein halbes Jahr später verabschiedeten sich die Roten bereits in der Gruppenphase, ohne Sieg und mit einer Abwehr, die scheinbar alles verlernt hatte. Bis heute ein Tiefpunkt. 03/04 zitterte sich das Team in Hitzfelds vorerst letzter Saison bis ins Achtelfinale, nach schwachen Auftritten in einer Gruppe mit Lyon, Celtic und Anderlecht. Die Mannschaft war nervös, die Mannschaft war nicht mehr souverän. Sie war anfällig und instabil. In der K.O.-Phase war schließlich gegen das ebenso leblose Real Madrid Feierabend, welches anschließend von Monaco eliminiert wurde.

Saison 2004/2005: Frank Lampard im Duell mit Michael Ballack
National Top, international Flop
Unter Felix Magath wurde das Team zwar wieder kompakter, doch zog man in der Gruppe gegen Juventus Turin zwei mal den Kürzeren, war am Ende einfach taktisch unterlegen. Das Jahr 2005 war ein zwischenzeitiges Hoch, Arsenal geschlagen, überzeugend, und Chelsea zu Hause an die Wand gespielt und mit viel Pech ausgeschieden. In der Gruppenphase 05/06 klappte es dann endlich auch mit einem Sieg gegen Juventus, doch das Rückspiel ging erneut verloren. Man verspielte Platz eins und musste gegen den AC Milan ran, das damals beste Team der Welt. Die Spiele gegen die Rossoneri wurden zum taktischen Offenbarungseid: Wie schon Juventus, gelang es auch Milan, den Bayern und Felix Magath taktisch die Grenzen aufzuzeigen.
Die Unterlegenheit im San Siro war erdrückend. 1:4 hieß es am Ende, die Bosse wollten jeden Stein umdrehen, passiert ist allerdings nichts. Das Team wurde im Gegenteil noch weiter heruntergewirtschaftet. Es folgte die Horrorsaison 06/07, mt einem zu schlechten Kader verpasste man am Ende sogar die Teilnahme an der Champions League 07/08. Nach einem Achtungserfolg gegen Madrid und dem 2:2 bei Milan, mussten wegen Verletzungen von Sagnol und Schweinsteiger, Christian Lell und Andreas Ottl als Flügelzange im Mittelfeld gegen den späteren CL-Sieger antreten. Ein weiterer Offenbarungseid. Man verlor chancenlos mit 0:2. Die Ära Magath war geprägt durch glanzlose nationale Doubles und internationale Chancenlosigkeit gegen die Top-Gegner.
Die Nacht der Schande
Ottmar Hitzfeld, der damals bereits wieder das Ruder übernommen hatte, bekam zur Saison 07/08 wieder bessere Spieler. Mit Luca Toni, Miroslav Klose und Franck Ribery wurde geklotzt, national räumte der Rekordmeister wieder alles weg, stellte einen Abwehrrekord auf. International taumelte man durch den UEFA Cup und konnte die Souveränität aus der Liga dort nicht aufs Parkett bringen. Man bekam viele Gegentore, zitterte sich im legendären Spiel von Getafe weiter und wurde anschließend von Zenit St. Petersburg überrollt. Das Team wurde nicht verstärkt, unter Jürgen Klinsmann erreichte man im Frühjahr 2009 einen erneuten Tiefpunkt, als man von Wolfsburg und Barcelona deklassiert wurde. Die erste Halbzeit im Camp Nou bleibt unvergessen. Im negativen Sinne. Den Bossen war nun klar: Es muss sich was ändern. Es braucht einen Top-Trainer, der der Mannschaft wieder konkurrenzfähigen Fußball beibringt, mit dem man international mithalten kann.
Die Wiederauferstehung
Louis van Gaal bekam den Auftrag, die Bayern endlich wieder zurück zu alter Stärke zu führen. Dazu gelang es dem Rekordmeister, mit Arjen Robben und Ivica Olic zwei absolute Volltreffer zu landen. Nach einem Findungsprozess kam es schließlich im November 2009 zu einem Schulterschluss zwischen Trainer und Mannschaft. Plötzlich begann der Rekordmeister, seine Gegner zu dominieren und zu zerstören. Auf ein 3:0 in Hannover folgten das 4:1 in Turin und weitere Kantersiege in der Liga. National war man zwar unter Felix Magath auch erfolgreich, jedoch mit einem ganz anderen Fußball. Die Wende in Turin wurde außerdem ohne Arjen Robben und Franck Ribery geschafft. Es war der Fußball, der sich verändert hatte. Man war taktisch und spielerisch plötzlich auf einem anderen Level angekommen. Die Mannschaft zeigte außerdem Moral, auch die Reservespieler Pranjic, Timoshchuk, Klose, Gomez und Hamit Altintop, welche vom Trainer oft etwas stiefmütterlich behandelt wurden, brachten in der Königsklasse auch in den KO-Spielen immer starke Leistungen, wenn sie gebraucht wurden.

Legendär: Arjen Robben nach seinem Traumtor im Old Trafford
Mit Ballbesitz, einem starken Willen, einer erstklassigen Vorbereitung auf die Gegner, Arjen Robben und Ivica Olic in Topform, marschierte man geradewegs zum Double und ins CL-Finale. Kaum zu glauben, dass man noch ein Jahr vorher die Nacht der Schande in Barcelona erleben musste. Gegen Manchester United konnten die Bayern in beiden Spielen nach Rückstand wieder zurückkommen, dominierten sogar die zweiten Halbzeiten und kamen am Ende weiter, gegen den zweifachen Finalisten der Vorjahre. Der FC Bayern war wieder wer in Europa, man war wieder dort, wo man immer sein wollte. Man hatte ein absolutes Top-Kaliber eliminiert, deklassierte im Halbfinale Lyon und unterlag dann erst im Finale von Madrid. Die Entwicklung war nicht von der Hand zu weisen. Wo man früher noch untergegangen wäre, konnte der FCB sich nun erfolgreich behaupten und am Ende sogar weiterkommen.
Das zweite Jahr unter Van Gaal war schwierig. Es kam zu Rissen zwischen Trainer und Mannschaft. Die zu offensive Spielweise konnte von der individuell eher mittelmäßigen Abwehr nicht aufgefangen werden, es hagelte Gegentore, auch wenn man vorne jeden Gegner auseinandernehmen konnte. Nach einer starken Gruppenphase folgte dann das unfassbare Aus gegen Inter Mailand, als man einen sicheren und deutlichen Heimsieg hätte einfahren müssen und am Ende die kalte Dusche bekam. Nach dem 2:1 durch Thomas Müller glich das Spiel einer Vorführung des Titelverteidigers, doch die Bayern ließen selbst beste Chancen ungenutzt. Mailand dagegen, selbst in einer Krise, schoss drei mal aufs Tor und kam mit 3:2 weiter. Zu instabil erwies sich das Konstrukt der Bayern, nach dem 2:2-Schock durch Sneijder war die Mannschaft praktisch ohnmächtig. Man muss sagen, dass auch in der Saison 10/11 am Ende viel mehr möglich gewesen wäre, womöglich sogar ein erneutes Finale. Offensiv war der FC Bayern erneut Weltklasse. Doch hinten verlor man die wichtigen Spiele.
Die Nummer drei der Welt
Unter Jupp Heynckes wurde nun diese Balance wiederhergestellt. Das Team wurde etwas nach hinten verschoben und kompakter. Vorne wirbeln auch weiter die Superstars. Bereits nach fünf Spielen war man sicher Gruppensieger in der Todesgruppe A, hatte Manchester City zu Hause absolut beherrscht, Villarreal zwei mal geschlagen und auch Neapel zwei mal dominiert. In der KO-Phase wartet nun ein Gruppenzweiter. Der härteste Los könnte hier der AC Mailand sein. Ohne die beiden Vereine aus Manchester ist die Konkurrenz in der KO-Runde in dieser Saison vielleicht nicht ganz so stark, wie normalerweise. Mit Inter Mailand, AC Milan, Chelsea und Arsenal sind noch vier Namen im Rennen, welche ihre besten Zeiten jedoch bereits hinter sich haben. Die Entwicklung des FC Bayern ist auch in den anderen Ländern zur Kenntnis genommen worden.
Die Buchmacher setzen die Münchner auf Rang drei, hinter Barcelona und Real Madrid. Und das entspricht auch der Realtität. Während man gegen Barcelona - wie jedes Team - als Außenseiter ins Rennen geht, wäre man gegen Real Madrid ebenfalls Außenseiter, aber nicht so deutlich, wie gegen den Titelverteidiger. Die Giganten aus Spanien gilt es daher möglichst bis zum Finale zu vermeiden. Alle anderen Teams sind für den FC Bayern absolut machbar, der Rekordmeister wäre in jedem anderen Duell der Favorit. Mit etwas Losglück ist ein Finale 2012 mehr als nur ein Traum. Es ist realistisch. Die Mannschaft hat einfach die Klasse dazu. Aber das geht nur, wenn die Spieler als Kollektiv zusammenarbeiten, wie zu Hause gegen ManCity. Das heißt vorne und hinten als ein Team spielen. Dass sie das können, haben sie bereits über Wochen bewiesen in dieser Saison. Auch wenn es zuletzt etwas kriselte, so kann man an der Säbener Straße mit großer Vorfreude auf die Rückrunde hinarbeiten. Der FC Bayern ist die Nummer drei der Welt.
Eure Meinung: Ist der FC Bayern in dieser Saison noch stärker als 2009/2010?
Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf
!
Clasico-Countdown! Alles zum Gipfeltreffen zwischen Real und Barcelona
Auf http://m.goal.com bekommst du die ganze Fußball-Welt auf dein Handy
-
Eden Hazard und die Geschichte des Millionentransfers, der ihn zu Chelsea führte
Es ging um richtig viel Geld, als der belgische Shootingstar beiden Großklubs aus Manchester absagte und an die „Stamford Bridge“ wechselte. Dort macht er nun so richtig Kasse.
-
Bensingers Bayern – Die FCB-Kolumne: Mit zwei Spitzen gegen dreckige Scheine?
KOLUMNE - Jede Woche gibt euch FCB-Reporter Maximilian Bensinger Einblick in sein Gefühlsleben. Was gibt es Neues an der Säbener Straße? Emotional und erschreckend subjektiv!
-
Mit Giovinco, M'Vila & van der Wiel: Die EM-Stars, die in diesem Sommer wechseln könnten
Die EM bietet den teilnehmenden Akteuren die Möglichkeit, sich ins Schaufenster zu stellen, um sich für neue Klubs zu empfehlen - wir bieten einen Überblick der Wechselkandidaten.
-
Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de!
Ob Bundesliga, Fußball International oder EM 2012 - Tippe jetzt online gegen Freunde und Kollegen in deiner eigenen Tipprunde