Experimente mit der Viererkette - Sind Sereno und Jemal nun die Heilsbringer für die löchrige FC-Defensive?

Obwohl Stale Solbakken personell gegen den VfB Stuttgart in seiner Abwehr aus dem Vollen schöpfen konnte, setzte es für die „Geißböcke“ wieder zwei Gegentreffer.

Von Daniel Uebber

Shinji Okazaki im Zweikampf mit Miso Brecko
Getty Images
Köln. Erst zwei Mal hat der 1. FC Köln in dieser Saison mit der Abwehrreihe agiert, die auch im vorausgegangenen Spiel auf dem Platz stand. Einen Spieltag, an dem Trainer Stale Solbakken jedoch wirklich auch einmal alle Abwehrspieler zur Verfügung standen, gab es in der laufenden Serie jedoch erstmals am Wochenende beim Top-Spiel gegen den VFB Stuttgart. Dort spielten die „Geißböcke“ mit Miso Brecko, Pedro Geromel, Ammar Jemal und Henrique Sereno, während sich Christian Eichner auf die Bank setzen musste. Hat Solbakken nun seine Defensiv-Formation gefunden?

Internationale Viererkette

Des Slowene Miso Brecko auf rechts, in der Innenverteidigung Kapitän Pedro Geromel (Brasilien) und der bullige Tunesier Ammar Jemal und auf der rechten Außenbahn der Portugiese Henrique Sereno, eigentlich ein gelernter Innenverteidiger. Erstmals konnte Stale Solbakken in dieser Saison bei der Aufstellung seiner Mannschaft gegen den VFB Stuttgart im Defensivbereich aus dem Vollen schöpfen. Kein gesperrter oder verletzter Spieler, der im Konzept des Norwegers fehlte - ein Novum für Solbakken. Sicherlich waren das Verletzungspech und die vielen Sperren in der Kölner Defensive mit ein Grund für die Tatsache, dass sich der FC zusammen mit dem SC Freiburg bisher die meisten Gegentore in der Bundesliga eingefangen hat (31). Doch nun, da endlich alle Abwehrspieler fit und niemand gesperrt ist, hoffen die FC-Fans auf ein verbessertes Defensiv-Verhalten ihrer Mannschaft. Doch sind Brecko, Geromel, Jemal und Sereno längst noch kein eingespieltes Team, wie die Partie gegen den VFB Stuttgart bewies.

Durchwachsene Premiere

Gegen den VFB gab es in der Kölner Viererkette Licht und Schatten. Auf der einen Seite überzeugten überraschenderweise Miso Brecko und besonders Henrique Sereno bei einigen Offensivaktionen, im Defensivverhalten jedoch erwies es sich für die Kölner als besonders wichtig, dass Kapitän Pedro Geromel endlich wieder einmal an die Leistungen vergangener Tage anknüpfen konnte. In mehreren Situation rettete der Brasilianer in höchster Not und bewahrte die Geißböcke schon in der ersten Halbzeit vor einem größeren Rückstand.Besonderes Lob gab es dafür von Keeper Michael Rensing, der selbst gegen Cacau mit einem sensationellen Reflex noch das 3:1 für die Schwaben verhinderte: „Ich habe nie daran gezweifelt, dass Pedro einer der besten Verteidiger der Bundesliga ist. Wie er hier einige brenzlige Situationen gelöst hat, war der Wahnsinn. Gut, dass er so schnell wieder seine Form gefunden hat. Wir brauchen ihn“, sagte der Keeper im Kölner Express.



Jemal emsig, aber unglücklich

Auch Ammar Jemal machte ein ansprechende Partie, auch wenn er bei den Gegentoren unglücklich wirkte. So hatte er Pech, als sein Klärungsversuch kurz vor dem 2:1-Führungstreffer der Stuttgarter genau auf dem Fuß von Christian Gentner landete. Probleme bekamen die Kölner vor allem dann, wenn Stuttgart das Mittelfeld schnell überbrückte - hier erwiesen sich die weit aufgerückten Außenverteidiger als besonders konteranfällig. Bei eigenem Ballverlust in der gegnerischen Hälfte genügte den Stuttgartern ein schneller langer Ball, um die Außenverteidiger des FC in Eins-zu-eins-Situationen zu zwingen.

Schwache Vorstellung bei Standards

Die Viererkette stellte sich bei gegnerischen Standardsituation geradezu kläglich an. Gegen die Eckbälle der Stuttgarter stimmte weder die Zuordnung noch das Zweikampfverhalten in der Luft - und das obwohl die FC-Abwehrspieler alles andere als kleingewachsen sind. Während Michael Rensing den Volley-Schuss nach einem Eckball von dem am Strafraum völlig freistehenden Martin Harnik in der ersten Halbzeit noch gerade so halten konnte, klingelte es einige Minuten später im Kasten der Kölner. Christian Gentner konnte nach einer Ecke den Ball unbehindert ins Tor der Kölner köpfen - und das obwohl rund um den Torschützen mehrere FC-Spieler standen - aber eben nicht zum Ball gingen, um diesen zu klären.

Noch viel Arbeit für Solbakken

Keine Frage - die Fehler, die in der FC-Abwehr gegen Stuttgart passierten waren haarsträubend. Im Verbund mit den defensiven Mittelfeldspielern muss an der Konteranfälligkeit gearbeitet werden. Dies könnte allerdings schwierig werden. Denn das System von Solbakken, mit den beiden hoch aufgerückten Viererketten lässt viel Platz zwischen der Abwehrreihe und dem Torwart. Gegen schnelle Gegenspieler, die den Ball durch die Gasse zugesteckt bekommen, ist das eine riskante Taktik, die nur erfolgreich sein kann, wenn die Zuordnung stimmt. Doch sicherlich macht es Hoffnung, das Pedro Geromel sein Tief überwunden haben könnte und sich die Viererkette nun einspielen kann.

Zwei Talente stehen in den Startlöchern

Stale Solbakken stehen nun auch mehrere Optionen zur Auswahl, um gegen den SC Freiburg die nötigen Punkte zu holen, um das angestrebte Ziel von 20 Punkten vor der Winterpause zu erreichen. So könnte sich Christian Eichner seinen Platz auf der Außenverteidigerposition zurück erkämpfen. Dann müssten entweder Sereno oder Jemal auf der Bank Platz nehmen. Miso Brecko scheint seine Position in der ersten Elf des Norwegers jedenfalls ebenso sicher zu haben wie Geromel. Auf seinen ersten Bundesligaeinsatz wartet zudem noch Talent Mitchell Weiser, der von Solbakken bisher noch nicht ins kalte Wasser geschmissen wurde. Immerhin stand der 17-Jährige diese Saison aber einmal im Kader der Geißböcke. Zusammen mit dem 19-Jährigen Bienvenue Basala-Mazana, der aktuell an den SV Ried ausgeliehen ist, hat der FC hier zwei Talente im Kader, die in der Zukunft noch eine Rolle spielen könnten. Keine Chance dürfte der japanische Nationalspieler Tomoaki Makino haben. Er ist bei den Geißböcken ein Kandidat für einen Wintertransfer oder eine Leihe.

Eure Meinung: Wie sollte die Viererkette des FC aussehen und was muss geschehen, um die FC-Abwehr zu stabilisieren?

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