Max Eberl: Erfolg mit Augenmaß

Am 19. Oktober 2008 war es soweit: Eberl löste Christian Ziege als Sportdirektor bei den Gladbachern ab und krempelte den „Laden“ um. Und zwar mit einem echten Konzept.

Von Gregor Becker

Gladbach-Manager Max Eberl
Bongarts
Mönchengladbach. Nein, Max Eberl, nun seit drei Jahren sportlicher Leiter bei Borussia Mönchengladbach, zählte mit seinen 215 Erst- und Zweitligaspielen, in denen der Rechtsverteidiger nicht zu einem einzigen Torerfolg kam, sicher nicht zu den schillerndsten Persönlichkeiten des deutschen Fußballs. Auch als Manager drängte er sich nicht gleich ins Rampenlicht, was zunächst über seine akribische Arbeit im Hintergrund hinwegtäuschen sollte.

Beseitigung des „Scherbenhaufens“

Max Eberl löste 2008 Christian Ziege als Manager ab, mit dem er nebst Steffen Korell seit 2007 das sogenannte Kompetenzteam, einer Art „Spielersichtungs-Einrichtung“ bei der Borussia bildete. Korell blieb Teammanger, Ziege gab nach kurzer Zeit als Assistent des alten und neuen Cheftrainers Hans Meyer auf und Eberl ging seinen Weg. Oder besser: Er ging Borussias neuen Weg, den er von nun an maßgeblich prägen sollte. Nach vielen Irritationen in der Vergangenheit, nach der in der Presse breitgetretenen Vorgehensweisen Marke „Kaufhaus des Westens“, nach vielen Fehleinkäufen, die Eberl als Teil des 2007 gebildeten Kompetenzteams teilweise mit zu verantworten hatte, übernahm er nun das Ruder und begann, den unübersehbaren Scherbenhaufen zusammenzukehren.

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Eberl gibt der Borussia etwas Neues – eine Struktur

Zunächst ging es darum, eine Struktur zu finden, ein Konzept zu erstellen, welches der „Elf vom Niederrhein“ zumindest erst einmal wieder in ruhigeres Fahrwasser verhelfen sollte. Eine Sisyphos-Aufgabe, die der gebürtige Niederbayer mit Präzision anging, was unter erschwerten Bedingungen mit Bravour gelang, wie sich mittlerweile herausstellen sollte. Im Wesentlichen setzte Eberl dabei auf Kontinuität, vor allem auf der Trainerposition, und auf Talente, die er entweder günstig verpflichtete, oder aus der von ihm neu aufgestellten Jugendabteilung holte und an die Profiabteilung heranführte.

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Allerdings sah sich der Sportdirektor alsbald kritischen Geistern gegenüber, die sich teilweise aus der Medienlandschaft, teilweise aus den eigenen Vereinsmitgliedern und Fans rekrutierten. Er schien gerade in der Öffentlichkeitsarbeit gleichermaßen hektisch wie farblos zu sein. Ein Typ, mit dem vor allem die kritische Presse aus dem Rheinland zunächst nichts anfangen konnte. Doch der Manager erwies sich als stoischer Arbeiter, hielt immer an seinem Konzept fest und biss sich letztlich durch.

Einer sorglosen Saison folgte der Rückschlag

Nach einer erfolgreichen Rückrunde, mit dem wiederentdeckten Trainer Hans Meyer, Eberls ersten Wintereinkäufen Dante, Bailly, Stalteri und Galasek, dem Abwenden des fast sicheren Abstiegs und einer für Mönchengladbacher Verhältnisse entspannten Folgesaison 2009/21010, die man unter Trainer Michael Frontzeck als Tabellenzwölfter mit 39 Punkten abschloss, folgten allerdings Rückschläge und es kamen Zweifel an der Arbeit des Sportdirektors auf. Es gab Gegenwind für Max Eberl, der sich trotz seiner Ausbildung zum Sport- und Touristikmanager und seiner langjährigen Erfahrung als Direktor in Borussias Amateur- und Jugendbereichs, als „Novize“ betiteln lassen musste.

Mit seiner Ausbildung hat er zwar vielen Bundesligamanagern einiges voraus, doch angesichts einer Hinrunde mit lediglich zehn Punkten in der Saison 2010/2011 zählte dies in der Öffentlichkeit ebenso wenig wie eine verletzte Innenverteidigung, Disziplinlosigkeiten der Spieler, ein Trainer, der mit seinem Krisenmanagement überfordert wirkte, und manch einer zweifelhaften Schiedsrichterentscheidung.

Falsche Kaderzusammenstellung?

Hatte Eberl den Kader überschätzt oder falsch zusammengestellt? Hätte sich Borussia Mönchengladbach neben dem gesetzten Innenverteidiger-Duo Brouwers und Dante und neben dem besten Zweitligaverteidiger der Saison 2009/2010, Bamba Anderson, noch weitere gestandene Abwehrspieler leisten können oder gar müssen? Vielleicht. Doch der Verein, der gerade zwei Jahre zurück im Oberhaus war, hatte weder die finanziellen Mittel noch den Personalbedarf eines Europa- oder gar Champions-League-Teilnehmers.

Frontzeck wurde nach der peinlichen Auswärtsschlappe bei St. Pauli im Februar des Jahres entlassen – von Max Eberl, der bei der Verpflichtung des Trainers noch erklärte: „Mein Kopf hängt auch an der Trainerentscheidung.“ Eine Aussage, um den Rücken des Übungsleiters zu stärken, der zwar Ur-Gladbacher ist, allerdings aufgrund seiner Vita als Trainer vor allem bei den Anhängern einen schweren Stand hatte. Eine Aussage, die den Ruf des Sportdirektors zunächst bei Teilen der Fans schädigte, da dieser bis heute im Amt blieb und damals nicht wie Frontzeck seinen Hut nahm. Aber auch eine Aussage, die verdeutlicht, dass er sich als Teamplayer versteht und als solcher Mannschaft und Verein voranbringen will.

„Initiative Borussia“ schießt scharf gegen Eberl

Inzwischen hatten sich die Kritiker längst in Stellung gebracht. So gründete sich die „Initiative Borussia“ um einige Geschäftsleute wie Friedhelm Plogmann und Norbert Kox, die mittels „Zugpferd“ Stefan Effenberg und diversen Satzungsänderungsanträgen die Revolution versuchen wollten. Allerdings schadete man im langen Vorgeplänkel zur alles entscheidenden Mitgliederversammlung im Anschluss an die letzte Saison mit öffentlicher Polemik und Angriffen gegen Verantwortliche, teilweise unter der Gürtellinie, der Borussia eher und behinderte den Abstiegskampf mehr, als dass man half. 

Ziel der Attacken, denen sich auch verdiente Ex-Borussen wie Horst Köppel und Berti Vogts anschlossen, war neben Präsident Rolf Königs natürlich Max Eberl. So ließ beispielsweise Vogts aus dem fernen Aserbaidschan verlauten, dass der Präsident Eberl nur eingestellt habe, weil dieser „zufällig mit dem Fahrrad an der Geschäftsstelle vorbeifuhr“. Am Ende ließen sich die Mitglieder jedoch nicht mit dieser Art von Kritik gewinnen und schmetterten die geplanten Satzungsänderungen ab, auf deren Basis Effenberg später mit großen Kompetenzen ausgestattet den Verein als bezahlter Geschäftsführer lenken sollte. Die Aktivitäten der „Initative Borussia“ entpuppten sich als „Sturm im Wasserglas“, der „Königsmord“ wurde abgewehrt und somit ein enormer Störfaktor beseitigt. An Max Eberl prallten alle Angriffe ab, er äußerte sich zu den Vorwürfen öffentlich kaum und ging weiter seinen Weg.

Positive Transferbilanz

Bewertet man die Arbeit des Sportdirektors nach Halbserien, so wird man feststellen, dass es lediglich einen Ausrutscher im Streben nach sportlicher Kontinuität gab, nämlich eben diese Hinrunde der Saison 20101/2011.

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Eberls Transferbilanz kann sich indes sehen lassen und wirft durchaus ein positives Licht auf seine Arbeit. Natürlich galt es, viele Spieler loszuwerden, die dem Verein nicht weiterhelfen konnten. Spieler, denen man eine Abfindung zahlen musste, damit die Borussia einen bezahlbaren Kader bekommen konnte, der wie heute 25 und nicht 30 Spieler und mehr umfasst. Unter den Abgängen war allerdings auch Marko Marin, der von Eberl in der Jugend von Eintracht Frankfurt entdeckte Ex-Star der Borussen. Marin spülte immerhin über acht Millionen Euro in die Kasse der Niederrheiner und ermöglichte dem Manager somit die Transfers von Spielern wie Arango oder Igor de Camargo, die  wiederum maßgeblichen Anteil an Borussias Aufschwung in der letzten Rückrunde oder in dieser Saison haben.

Unterm Strich steht also die Bereinigung eines aufgeblähten Kaders, die Entdeckung von Mönchengladbachs neuem Hoffungsträgers Marco Reus, die Einbindung von Talenten wie Marc-Andre ter Stegen oder Patrick Hermann und die Verpflichtung des „Heilsbringers“ Lucien Favre, der die Borussia über die Relegation in der Bundesliga hielt und aktuell gar in die erweiterten Spitze des Oberhauses geführt hat.

Erwacht der „Mythos Borussia“?

Es lässt sich eine Stringenz erkennen, die die „Fohlen-Elf“ seit langer Zeit vermissen ließ. Eberl sprach vom „Modell Werder Bremen“, von Leitplanken, innerhalb welcher sich die jeweiligen Übungsleiter bewegen müssten. Er predigt Nachhaltigkeit und Konstanz. Nun scheint die Rechnung aufzugehen. Verträge mit Leistungsträgern wie Dante oder Marco Reus wurden vor der Saison ebenso verlängert wie jüngst die Arbeitspapiere weiterer Stammspieler. So gelang es dem Sportdirektor in diesen Tagen, Marc-Andre ter Stegen, Roel Brouwers und Tony Jantschke langfristig an den Verein zu binden. Die Vertragsverlängerungen mit Juan Arango und Roman Neustädter stehen unmittelbar bevor.

Nun scheint sogar der große Wurf, die Teilnahme am internationalen Geschäft möglich. Das Feld ist bestellt. Erwacht der „Mythos Borussia“ nach Jahren der Erfolglosigkeit zu neuem Leben? Für eine Beurteilung mag es zu früh sein. Doch sicher ist: Es hat sich viel entwickelt in Mönchengladbach und Max Eberl ist zumindest einer der Väter des Erfolges!

Eure Meinung: Wie bewertet ihr die Arbeit von Max Eberl?

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