Köln: Wann kippt die Stimmung am Geißbockheim?

Erst der schwache Saisonstart, dann einige Siege, die euphorisch gefeiert wurden. Inzwischen ist der FC allerdings wieder in den bekannten Niederlagen-Trott verfallen.

Von Daniel Uebber

Kölns Coach Stale Solbakken
Getty Images

Köln. An Derbypleiten gegen Borussia Mönchengladbach ist der Fan des 1. FC Köln gewöhnt: 0:4, 1:5, und 0:3 lauteten die letzen Ergebnisse der Mannschaft gegen die Borussia. Die erneut desolate Vorstellung der FC-Spieler am Freitagabend hat nun aber dazu geführt, dass bei den Geißböcken mehr brennt als nur die erste Kerze auf dem Adventskranz: Die Spannungen im Team und die Konflikte zwischen einzelnen Spielern und Trainer Stale Solbakken scheinen das Ausmaß eines australischen Buschfeuers anzunehmen. Wenn nicht bald Ruhe einkehrt beim 1. FC Köln, könnte eine besinnliche Adventszeit Wunschdenken bleiben. Auch die Fans des Teams verlieren langsam aber sicher die Geduld.

Desolate Vorstellung – wieder einmal

Mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedeten die FC-Fans am Freitagabend die Männer um Lukas Podolski in die Halbzeitpause. Die wenigen, die beim Stand von 0:2 noch an ein „Wunder vom Rhein“ glaubten, wurden kurz nach Wiederanpfiff enttäuscht, als Mike Hanke seinen Doppelpack schnürte und die Geißböcke in die Krise schoss. Ratlose Spieler auf dem Platz, kopfschüttelnde Trainer auf der Bank und frustrierte Fans auf den Rängen im Stadion – und das schon nach 47 Minuten: Wer den Geißbock im Herzen trägt, hatte es an diesem Abend nicht leicht.

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Kein Wunder, dass schon kurz nach dem dritten Treffer der Gäste aus Gladbach etliche FC-Fans das Stadion verließen. Nicht, dass man drei Tore gegen einen starken Gegner kassierte, war dafür ausschlaggebend, sondern die Art und Weise, wie sich die FC-Spieler präsentierten. Wieder einmal. Kopflos, keine Zuordnung in der Abwehr, Pässe, die über drei Meter unbedrängt ins Aus gespielt wurden, eine dilettantische Raumaufteilung – all dies zeichnete die Geißböcke an diesem Abend aus. Auch die Körpersprache einiger FC-Spieler, die eher an Kindergartenkinder erinnerten, denen man den Lolli geklaut hatte, erboste die FC-Fans. Es war für die Köln-Anhänger ein Abend zum Vergessen im Rhein-Energie-Stadion. Nur die mitgereisten Gladbach-Fans hatten einen Grund zu feiern: Ausgerechnet durch einen 3:0-Derbysieg zum vorübergehenden Tabellenführer zu werden, das hatte schon was für die Borussia-Anhänger.

Konflikte im Team

„Wir haben keine Eier in der Hose. Man kann einen schlechten Tag haben, aber so wie wir aufgetreten sind, sang- und klanglos untergehen, das geht gar nicht. So dumm wie beim dritten Gegentor kann man eigentlich gar nicht sein“, sagte Keeper Michael Rensing nach dem Schlusspfiff in die Kameras. Christian Eichner widersprach dem im Kicker und meinte, Rensing habe in der Angelegenheit sicherlich seine eigene Sicht der Dinge. Während Rensing die Einstellung seiner Mitspieler anprangerte, entschuldigte sich Lukas Podolski im Kölner Express für das Auftreten der Mannschaft: „Man muss nichts schönreden. Jeder hat gesehen, was wir geleistet haben. Natürlich verstehe ich, wie die Fans nach dieser nächsten Derby-Klatsche enttäuscht sind. Das Stadion war schon zur 60. Minute halbleer und das zurecht.“

Harte Worte, welche die Spieler in der Öffentlichkeit aussprachen. Dass es intern wohl noch etwas heftiger zugegangen sein mag, wird an dem Konflikt zwischen Vize-Kapitän Sascha Riether und Trainer Stale Solbakken deutlich. So soll Riether taktische Anweisungen des Trainers in die Lächerlichkeit gezogen haben: „Du sendest schlechte Signale“, soll Solbakken zu Riether gesagt haben. Gerade von einem seiner „Führungsspieler“ erwartet Solbakken, dass er die anderen Spieler mitzieht, dass er vorangeht, wenn es nicht läuft und nicht, dass er vor den Augen der Mitspieler den Trainer verspottet, indem er sich bei taktischen Anweisungen einfach kopfschüttelnd und achselzuckend von dannen macht.

Und auch einer, der gar nicht auf dem Spielfeld stand, trug mit seinem Kommentar zum 2:0 durch Juan Arango nicht gerade zur Harmonisierung bei den Geißböcken bei: Milivoje Novakovic kreidete Michael Rensing die Schuld am Freistoßtreffer an und sagte bei sky: „Den kann man halten“ – eine öffentliche Kritik an Keeper Rensing. Dabei war der Torwart noch der einziger FC-Spieler, der eine anständige Partie ablieferte. All diese Zitate lassen nur einen Schluss zu: Es brodelt unterm Tannenbaum im Geißbockheim. Es bräuchte einen Schulterschluss der Mannschaft und des Trainerteams, um gemeinsam noch die 20-Punkte-Marke in der Hinrunde zu knacken. In den Heimspielen gegen Mainz und Freiburg muss der FC punkten, um während der Winterpause nicht im völligen Chaos zu versinken. Gegen die starken Stuttgarter und gegen die Bayern dürfte für den FC in dieser Verfassung jedenfalls nichts zu holen sein.

Eure Meinung: Die Geißböcke nehmen sich auf gegenseitig auf die Hörner. Was muss geschehen, damit es mit dem FC wieder bergauf geht?

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