Werders Naldo: Visier eingestellt, getroffen und gewonnen

Auch dank der bisher besten Leistung Naldos nach seinem Comeback hat Werder Bremen nach dem Debakel in Gladbach die richtige Antwort gegeben und hinten die Null gehalten.

Aus Bremen berichtet Falko Blöding

Bremen jubelt gegen Stuttgart
Bongarts
Bremen. Schritt für Schritt ging es für Naldo bei seinem Comeback aufwärts. Nach über einem Jahr Zwangspause wegen einer schweren Knieverletzung waren zunächst die Rückkehr ins Einzeltraining und die Teilnahme am Mannschaftstraining die Etappen auf seinem Weg in die Mannschaft von Werder Bremen. Es folgten erste zarte Einsätze bei Testspielen, 90 Minuten auf der Bank der ersten Mannschaft und schließlich die vielumjubelte Einwechslung im Derby gegen den Hamburger SV nach mehr als 16 Monaten. Gegen Borussia Dortmund stand Naldo erstmals wieder in der Startelf und am Sonntag krönte er seine Rückkehr beim 2:0 gegen den VfB Stuttgart mit einem famosen Freistoßtor.

„Bei Naldo ging es wirklich schnell“
NALDOS BILANZ GEGEN STUTTGART
Gewonnene Zweikämpfe
Ballkontakte
Pässe
Fehlpässe
Torschüsse
Tore
Laufdistanz (in Kilometern)
18
66
42
2
1
1
10,55

Es war aber nicht nur dieser Treffer, sondern seine Gesamtleistung, die ihm anschließend die Auszeichnung zum „Man oft he Match“ einbrachte. Und die Bremer Verantwortlichen dürfen sich bestätigt fühlen, mit der langsamen Heranführung des Brasilianers an den Profikader alles richtig gemacht zu haben.

Geschäftsführer Klaus Allofs sagte nach dem Sieg gegen Stuttgart gegenüber Goal.com: „Wenn man so lange weg ist, dann gibt es diesen Spruch, dass es nochmal ähnlich lange dauert, bis man dann wieder zu seiner alten Form findet. Und das ging bei Naldo wirklich schnell. Da hat auch eine große Rolle gespielt, dass wir nicht, als es dann wieder ging, ihn sofort reingeschmissen haben. Die Gefahr besteht ja. Der Spieler wird ungeduldig und alle fragen: 'Wann geht es denn weiter?' Nein, der Trainer hat immer wieder gebremst und gesagt: 'Es ist noch nicht so weit. Du musst erst richtig vorbereitet sein.'“

Auch Naldo, der zunehmend unruhiger wurde und auf seine Rückkehr drängte, erkennt die Entscheidungen des Trainerstabs mittlerweile an. Dem aktuellen Werder-Magazin verriet er: „Meine manchmal fehlende Geduld hat der Trainer sehr gut kompensiert. Thomas Schaaf hat viel Erfahrung, wusste genau, wie er mein Training dosieren muss. Durch die Testspiele hat er mich dann langsam wieder an den Wettkampf herangeführt. Diese Spielpraxis hat mir geholfen, wieder den richtigen Rhythmus zu finden.“

Naldo und das „ganz, ganz tolle Gefühl“

Nach der Partie, bei der der 1,98 Meter große Hüne Stuttgarts Stoßstürmer Pavel Pogrebnyak völlig abgemeldet und mit glänzendem Aufbauspiel überzeugt hatte, konstatierte er im Gespräch mit unserer Seite: „Das Tor war ein ganz, ganz tolles Gefühl und ein besonderer Moment vor unseren Fans, die mich immer unterstützt haben. Ich freue mich, dass wir gewonnen haben und ich der Mannschaft dabei helfen konnte.“

108 statt 91 Stundenkilometer

Seinen Treffer erzielte der Brasilianer mit richtig viel Schmackes. Aus 17 Metern nahm er Maß und knallte das Leder in den Knick der langen Ecke, VfB-Keeper Sven Ulreich war machtlos. Als anschließend auf der Anzeigetafel „91 km/h“ aufleuchtete, wirkte das allerdings etwas wenig. Werders Mediendirektor Tino Polster ging es in der Mixed Zone des Weserstadions ähnlich. „Schlaudraffs Tor gestern hatte 106 km/h, Naldos sah mindestens genauso hart aus“, mutmaßte er. Und Polster hatte Recht: 108 Stundenkilometer waren es tatsächlich, mit denen die Kugel im Netz des VfB Tors eingeschlagen hatte.



Das Visier ist eingestellt

Für Naldo war es das erste Tor seit Februar 2010, eine gefühlte Ewigkeit für den 29-Jährigen, der keine Gelegenheit auslässt, in Richtung gegnerischen Strafraum zu marschieren. In den vergangenen Partien versuchte er es zwar mehrfach bei direkten Freistößen, wirkte dabei aber noch gehemmt. „Es ist eine von Naldos Qualitäten, auch Tore aus größerer Entfernung zu machen. Das wissen wir alle. In den letzten Wochen musste er noch ein bisschen sein Visier einstellen, das hat er dann heute getan“, sagte Bremens Kapitän Clemens Fritz mit einem Augenzwinkern zu Goal.com. Und Aaron Hunt, der die Bremer Führung besorgt hatte, meinte: „Naldo war eine halbe Ewigkeit verletzt. Dass er heute getroffen hat, freut mich ganz besonders für ihn. Das Tor wird ihm weitere Kraft geben“.

Naldos Ruhe tut der Bremer Abwehr gut

Nach dem deftigen 0:5 in Mönchengladbach fanden die Hanseaten also gegen den VfB die richtige Antwort und blieben zum dritten Mal in dieser Spielzeit ohne Gegentreffer. Es allein an Naldo fest zu machen, wäre weder fair noch richtig, doch in Gladbach fehlte er und Werders Defensive wirkte wie ein orientierungsloser Hühnerhaufen. Im Duell mit den Schwaben tat Naldo mit seiner Ruhe und seiner Abgeklärtheit der Bremer Viererkette spürbar gut. Darauf setzen die Bremer auch bei den künftigen Aufgaben.

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