Keine Bayern-Dominanz: Willkommen zurück in der Bundesliga!
Der amtierende Meister überlistet wieder einmal die Bayern und fügt dem Liga-Primus eine schmerzhafte Niederlage zu.
Von Maximilian Bensinger
Wieder einmal rannte der Deutsche Meister fast zehn Kilometer mehr als der Gegner. Die immense Laufarbeit zeigte Wirkung. Der FC Bayern fühlte sich in die letzte Saison zurückversetzt. Kein Kombinationsspiel fruchtete mehr, sodass erschreckend früh auf lange und hohe Bälle zurückgegriffen wurde. Erst nach dem Gegentor wachten Ribery und Co. auf. Zu spät, wie sich nach 90 Minuten zeigte.

Wenige Großchancen!
„Vielleicht hatten wir weniger wirklich gute Chancen als in anderen Spielen. Das liegt aber am Gegner. Sie standen in der Defensive gut und beide Teams konnten sich nicht viele Chancen erspielen“, gestand Luiz Gustavo gegenüber Goal.com. Die Partie lebte von der Leidenschaft und der Spannung. Zwar entwickelte sich ein lebhaftes Spiel, doch wirklich klare Torchancen waren Mangelware. Die wenigen, die es gab, wurden fahrlässig in der Schlussviertelstunde vergeben.
„Wir haben ja nicht unser System verändert"
„Wir hatten heute mehr und die besseren Torchancen. Klar hat Dortmund auch gut verteidigt, aber unsere komplette Mannschaft hätte sich in der Offensive besser bewegen müssen“, analysierte Lahm und traf damit den Nagel auf den Kopf. Zu wenig Laufbereitschaft zwang die Bayern zu langen Bällen. Die Positionswechsel will der Bayern-Kapitän nicht als Ausrede gelten lassen: „Wir haben ja nicht unser System verändert, sondern nur ein paar Positionen. Außerdem hat beispielsweise Toni auch in der Nationalmannschaft dort gespielt.“
Ein Fehler reichte...
Auch Toni Kroos sah die Wechsel nicht als Grund für die etwas uninspirierte Vorstellung. „Keiner hat heute auf einer Position gespielt, die er nicht kennt“, so Kroos und er fügt an: „Wir haben gerade die guten Spieler von Dortmund ganz gut aus dem Spiel genommen. Ob das beispielweise Götze oder sonst wer war, die waren eigentlich nicht im Spiel. Ich denke nicht, dass wir schlecht verteidigt haben. In so einem Spiel kann halt der eine Fehler dann entscheidend sein.“
Badstuber beißt sich auf die Zunge
Holger Badstuber ging noch weiter und zeigte sich sehr enttäuscht: „Wir waren heute einfach nicht so gut drauf und sind die falschen Wege gelaufen. Die Fehler müssen jetzt angesprochen werden und wir sollten schon hart mit uns Gericht gehen. Wir können es besser. Heute haben wir es nicht gemacht und deswegen tut die Niederlage sehr weh.“ Die Schiedsrichterleistung lässt er ebenfalls nicht als Ausrede gelten, obwohl er offensichtlich mit der einen oder anderen Entscheidung nicht zufrieden war: „Es war nicht spielentscheidend, was er gepfiffen hat. Das waren nur zwei Szenen, mit denen ich nicht einverstanden war.“
„Die Frische und Leichtigkeit hat heute gefehlt"
Christian Nerlinger nannte es zwar nicht uninspiriert, inhaltlich jedoch bestätigte er das Bild von etwas ideenlos wirkenden Bayern-Stars. „Die Frische und Leichtigkeit hat heute gefehlt. Wir wussten, dass Dortmund taktisch gut geschult ist. Deswegen ist es uns heute schwer gefallen die nötigen Torchancen zu erspielen“, so Nerlinger.
Keine Vorentscheidung
„Das Tor war unglücklich. Ein Unentschieden wäre wohl der gerechte Ausgang gewesen“, fuhr Nerlinger fort. Der Bayern-Manager ärgerte sich lieber innerlich und äußerte abschließend noch eine süffisante Bemerkung über die vorausgegangenen Berichterstattung: „Alle die gemeint haben, die Meisterschaft ist bis Weihnachten entschieden, die können sich jetzt beruhigt auf eine spannende Bundesliga-Saison freuen.“ Was in diesen Aussagen mitschwingt? Ein Schuss Ironie, ein Schuss Sarkasmus und ganz viel Enttäuschung…

„Ich war auf der Tribüne relativ entspannt"
Hans-Joachim Watzke hatte dagegen allen Grund zur Freude, hielt sich jedoch dezent zurück. Dennoch dürften seine Aussagen bei den Anhängern des FC Bayern kein Gefallen finden. „Dafür, dass der Gegner heute Bayern München hieß, war ich auf der Tribüne relativ entspannt. Ich hatte nie das Gefühl, dass gleich ein Tor fällt. Das war nicht so zwingend. Unsere Abwehr stand einfach gut und wir haben auch wieder 10 Kilometer mehr gemacht als die Bayern“, sagte Watzke nach dem Spiel gegenüber Goal.com.
„Bayern war nicht harmlos"
Selbst die Wechselgerüchte um die vielleicht wichtigste Dortmunder Personalie ließen den BVB-Geschäftsführer kalt. „Wir wissen um die Stärke von Mario. Aber es hätte heute auch jeder andere sein können“, äußerte sich Watzke vielsagend. Marcel Schmelzer zeigte sich ebenfalls glücklich und denkt schon an die nächste Partie, wie er verriet: „Bayern war nicht harmlos. Wir haben es ihnen einfach schwer gemacht heute. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht und deswegen haben sich die Bayern schwer getan. Das macht uns auf jeden Fall Mut für Mittwoch. Wir glauben an den Sieg in London.“
Zweite deutsche Großmacht?
Können die Dortmunder eine ähnliche Leistung gegen den FC Arsenal zeigen, dann ist, angesichts der schwächelnden Gunners-Abwehr, auf ein Endspiel gegen Olympique Marseille zu hoffen. Für den deutschen Fußball wäre es zu wünschen und vielleicht auch für die Bayern, denn die Doppelbelastung ist für die junge Dortmunder Sensationstruppe Neuland. So offen die Meisterschaft ist, so klar zeigte sich am gestrigen Samstagabend eines: Deutschland hat neben den Bayern eine weitere Top-Mannschaft, die mit vielen Nationalspielern bereitsauf einem hohen Niveau agiert.
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