Meisterlich: Als der BVB die Bayern in München entthronte

Für die BVB-Fans unvergessen! Es war das Meisterstück der jungen Borussen in der vergangenen Saison. Passend vor dem Kracher am Samstag blicken wir auf das 3:1 mit Euch zurück.

von Nikolai Mende

Mats Hummels traf zur Entscheidung gegen seinen Ex-Klub (Getty Images)
Getty Images
München. Das Spitzenspiel der vergangenen Saison zwischen dem FC Bayern und dem späteren Meister Borussia Dortmund endete für den Rekordmeister mit einer herben Enttäuschung. Und das junge Team von Jürgen Klopp hatte gleichzeitig eindrucksvoll bewiesen, dass die Saison und der Titel nicht mehr zu nehmen sein wird.

Die Ausgangslage

Der 24. Spieltag der Saison 2010/2011 war für den FC Bayern bereits ein Endspieltag. Der Meister hatte nach grauenvoller Hinrunde, schwerem Verletzungspech - mit Robben und Olic fielen die wichtigsten Spieler der Fast-Triple-Saison komplett aus - und großen Abwehrproblemen bereits 13 Punkte Rückstand auf die Überflieger aus Dortmund. Diese hatten auch das Hinspiel für sich entschieden, obwohl die Bayern dort eigentlich die spielbestimmende Mannschaft waren. Symptomatisch für die komplette Spielzeit des Rekordmeisters.

Nach einem 4:0 gegen Hoffenheim, einem 3:1 in Mainz und dem Last-Minute-Revanche-Sieg bei Inter Mailand in der Champions League strotzten die Bayern nur so vor Selbstvertrauen, fest davon überzeugt, nun endlich wieder da zu sein. Man wollte die Dinge zurechtrücken, betrachtete alles andere, als einen Sieg als nicht real. Uli Hoeneß kündigte einen Sieg mit zwei Toren Unterschied an, Jürgen Klopp impfte seiner Mannschaft ein, so offensiv in München aufzuspielen, wie es kein anderes Team tun würde, auch wenn es am Ende eine Klatsche gibt. Es war alles angerichtet für das große Duell. Die letzte Chance des FC Bayern, die Saison doch noch herumzureißen.

Erstens kommt es anders...

Drei Tage nach dem aufreibenden Achtelfinale in der Champions League bei Inter Mailand konnten die Bayern den großen Worten jedoch keine Taten mehr folgen lassen. Die Borussen rannten die ausgelaugt wirkenden Bayern praktisch in Grund und Boden. Bastian Schweinsteiger verschuldete gleich nach wenigen Minuten eine Großchance durch Lewandowski und vertendelte nach neun Minuten erneut den Ball. Großkreutz, der eines seiner besten Spiele machen sollte, schickte Barrios steil und dieser erzielte eiskalt das 1:0 für Dortmund. Doch die Bayern kamen kurzzeitig zurück.

 

Nach einer Ecke von Ribery in der 15. Minute erzielte Luiz Gustavo, der in Mailand noch Wesley Sneijder komplett neutralisiert hatte, sein erstes Tor für den Rekordmeister. Doch die erneute kalte Dusche folgte auf dem Fuß. Der BVB fuhr einen Konter gegen die wie immer in diesen Situationen unter Van Gaal völlig unsortierte Bayern-Defensive, Barrios zu Götze, der legt ab für Sahin und der Türke packte einen Weltklasse-Schlenzer zum 2:1 aus und erstickte damit die Hoffnungen der Bayern direkt wieder im Keim.

...und zweitens als man denkt

Die Bayern waren im Vergleich zu den Spielen davor wie ausgewechselt. Viele Fehler, schwere Beine, keine Kreativität. Auch Stars wie Arjen Robben waren abgemeldet und schwach. Immer wieder blieben die Bayern im Gestrüpp der vielen Dortmunder Beine hängen, denn die Gäste verteidigten als Kollektiv mit vereinten Kräften. Die Bayern hatten dagegen am Ende 70% Ballbesitz, konnten damit aber nichts anfangen und waren bei Ballverlusten hinten offen. In der 60. Minute erzielte dann Bayern-Eigengewächs Mats Hummels nach Ecke das 3:1 für die Schwarz-Gelben. Die Bayern waren nun endgültig platt, wussten sich nicht mehr zu helfen. Der BVB hielt das Ergebnis bis zum Schluss und hatte damit eindrucksvoll sein Meisterstück abgeliefert. Für Louis van Gaal war diese unerwartet klare Niederlage der Anfang vom Ende.

Das Meisterstück des BVB

Der Sieg in München war der erste Erfolg einer Dortmunder Mannschaft beim FC Bayern seit rund 20 Jahren. Der letzte Auswärtssieg datierte noch aus dem Jahre 1991. Gleichzeitig war der Vorsprung auf den Rekordmeister nun auf 16 Punkte angewachsen. Genug für Spieler und Verantwortliche, endlich das M-Wort in den Mund zu nehmen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: „Wir befinden uns jetzt an einem Punkt, an dem wir sagen können: Wir wollen und können Deutscher Meister werden.“ Kapitän Sebastian Kehl, der in den letzten Minuten des Spiels sein Comeback feierte, kündigte ebenfalls an: „Wir wollen oben bleiben, das ist klar. Wir haben den Meisterwunsch in den letzten Wochen schon innerlich verarbeitet. Heute haben wir ein Ausrufezeichen gesetzt. Wir werden im Sommer was zu feiern haben.“ Und so kam es dann auch.

Die Bayern konnten nur noch gratulieren. Sportdirektor Christian Nerlinger: „Sie haben sehr gut gespielt heute, wie schon in der ganzen Saison. Ich denke, dass sie zurecht Deutscher Meister werden.“ Auch Vorstand Karl-Heinz Rummenigge wusste nach dieser Niederlage, dass der Titelkampf entschieden war: „Sie werden Meister, aber man sollte erst gratulieren, wenn es mathematisch fest steht. Diese paar Wochen bis zu meiner Gratulation werden sie gerne warten.“ Für den Rekordmeister folgte am Wochenende darauf eine weitere Niederlage, dieses mal gegen Hannover, später schied man auch gegen Inter Mailand auf unfassbare Art und Weise aus der Königsklasse aus. Am Samstag treffen sich Bayern und Dortmund wieder in München. Und wieder kündigen die Bayern einen klaren Sieg an....

Eure Meinung: Kann der BVB den Erfolg von damals noch einmal in München wiederholen?

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