Reifeprüfung bestanden: Wie sich Mesut Özil in Spanien wandelte

Nur wenige prophezeiten dem jungen Deutschen eine solche Saison in Spanien, wie er sie 2010/11 bei Real erlebte. Vor 13 Monaten kam er als Überraschungscoup - und schlug voll ein.

Von Christoph Vogel

Mesut Özil krönte seine Galavorstellung im Halbfinale des Copa del Rey mit einem Tor (Getty Images)

Madrid. Joachim Löw schickte Mesut Özil mit einigen anderen Spielern vor dme Länderspiel gegen Polen nach Hause. Für den Mittelfeldspieler ist das inzwischen Real Madrid, die vor einem Jahr 15 Millionen Euro für den Nationalspieler überwiesen. Die Aktion des Bundestrainers beweist den Stellenwert Özils sowohl für die DFB-Elf, aber auch für die Königlichen, wo man nicht mehr auf den 22-Jährigen verzichten kann und will. Damals war er noch für viele spanische Fans nur ein Name von vielen. Doch ohne großes Aufsehen erarbeitet und erspielte sich Özil seinen Platz in ihren Herzen – und die Startelf von José Mourinho.

Von 0 auf 100

Eine glänzende WM 2010 in Südafrika war das Bewerbungsschreiben für den Wechsel. Im ersten Ligaspiel gegen RCD Mallorca (0:0) stand Özil nicht einmal in der Startelf, erinnert sich Goal.com-Korrespondent Alberto Pinero. Obwohl der junge Deutsche damals nicht von Anfang an auf dem Rasen stand, konnte er die Zuschauer überzeugen: „In der Tat war an jenem Abend im Iberostar Mallorca Stadion ein Schlüsselspieler für Real Madrid. Ihm gelang kein Treffer, aber er eroberte mit seinem Spiel die Herzen der Fans und Journalisten“. Auch in den nachfolgenden Spielen konnte Özil diesen guten Einstand forsetzen, als er gegen Ajax (2:0), Deportivo (6:1), Malaga (1:4), AC Mailand (2:0) und Racing Santander (6:1) neben seiner Fußballkunst mit drei Toren und drei Vorlagen auch Zählbares ablieferte.

Der Tempomat des Real-Motors

Vielleicht war es sein großes „Glück“, dass Kaká zu jener Zeit verletzungsbedingt ausfiel. Während der Brasilianer nicht zur Verfügung stand und Xabi Alonso im Mittelfeld die Räume dicht machte, war es an Özil den spielerischen Funken auf seine Mitspieler überspringen zu lassen. Viel Zeit, sich an diese neue Aufgabe zu gewöhnen, blieb ihm also nicht. „Seine Beweglichkeit auf dem Rasen brachte dem Angriff der Königlichen die benötigte Luftauffrischung“, so Pinero. „Kaká mag dem Spiel mehr Tiefe gegeben zu haben, aber Özil war derjenige, der in der Lage war, das Tempo des Spiels zu bestimmen und dieses perfekt lesen zu können“. Um ihn herum orientierten sich die anderen Spieler und auch ein Cristiano Ronaldo profitierte von seinen Zuspielen.

 

MESUT ÖZIL | Seine erste Saison bei Real Madrid


Geburtsdatum:
15.10.88

Verein: Real Madrid

Position: Off. Mittelfeld

Spiele (in Spanien): 42

Tore: 9

Vorlagen:
21

„El Cuervo“ mit der Hypothek der 10

Natürlich gab es auch für Özil in diesem Starensemble Anlaufschwierigkeiten, doch mit der Zeit funktionierte das Zusammenspiel besser und besser. Dessen Aufstieg hatte da schon längst rasante Formen angenommen. Özil verkörperte jenes Spiel, nach dem sich die Fans der „Los Blancos“ so sehnen: Offensiv, attraktiv, erfolgreich. Dessen nicht genug, „wurde er zu einem der beliebtesten Spieler unter den Madrider Fans, bis zu dem Punkt, als er ein Vorbild für so viele junge Mitglieder von „La Fabrica“, dem Jugendprogramm von Real Madrid wurde“, sagt Pinero. Aufgrund seines cleveren und technisch starken Spielstils wird er in Spanien inzwischen „El Cuervo“ gerufen – „der Rabe“. Nicht umsonst bekam Özil sogar die ehrwürdige Nummer 10 auf dem Trikot zugesprochen. Zinedine Zidane gehört zu seinen Vorbildern.

Entwicklung geht steil nach oben

„Wir haben selbst nicht erwartet, dass er sich so gut entwickelt“, sagte Bremens Sportdirektor Klaus Allofs einst im Sommer 2010. Damals spielte Özil noch für Werder. Die 15 Millionen Euro Ablöse waren gut investiertes Geld. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt im Falle Özil absolut und Mourinho darf sich selbst auf die Schulter klopfen. Der Özil, der in die aktuelle Saison mit Real startete, hat nur noch wenig zu tun mit jenem Jungen, der vor 13 Monaten in Madrid am Flughafen landete. Er hat sich seine ersten Sporen verdient, auch wenn es noch vieles zu verbessern gilt. Denn auch ein Özil ist auch nur ein Mensch und hat seine Macken. Aber auch sein letzter Auftritt für Deutschland beim 6:2 gegen Österreich wies eindrucksvoll nach, wie weit dieser Özil tatsächlich schon gereift ist. In Madrid hat er noch einen Vertrag bis 2016, aber die Fans lieben ihre Nummer 10 über alles.

Folgt Alberto Pinero auf Twitter @pineroalberto

Eure Meinung: Gehört Mesut Özil bereits zur Weltklasse? Hättet ihr ihm eine solche Entwicklung zugetraut?



 
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