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Japan ist schon vor dem WM-Finale der Gewinner
Am Sonntag trifft Japan im WM-Finale auf die USA. Vier Monate nach dem verheerenden Erdbeben, will der Weltranglistenvierte den Menschen in der Heimat neue Hoffnung schenken.
Aus Frankfurt/Main berichtet Andreas Becker
Frankfurt/Main. Norio Sasaki schaute ernst drein nach dem WM-Halbfinale gegen Schweden. Dabei hatte er gar keinen Grund dazu gehabt, denn Japan hatte den Platz als 3:1-Sieger verlassen und steht am Sonntag gegen die USA damit zum ersten Mal im Finale einer Weltmeisterschaft. Sasakis Gesichtszüge waren wohl dem japanischen Naturell zuzuschreiben, dass als zurückhaltend und sachlich gilt. Beim Vergleich seiner Mannschaft mit dem FC Barcelona, huschte dem Trainer der Japanerinnen allerdings ein Lächeln über das Gesicht.
Fast wie Barcelona
„Wir sind vielleicht noch nicht so schnell wie der FC Barcelona im Passspiel, aber vielleicht sind wir schon fast so schnell im Umschalten von Angriff auf Verteidigung“, erklärte Norio Sasaki. „Den Ball schon im Mittelfeld zu gewinnen, ist schon immer meine Philosophie gewesen. Es ist schwer, gegen europäische Spielerinnen den Ball im Zweikampf zu gewinnen, also musst du als Team dem entgegenwirken. Das ist unsere Philosophie.“ Diese Philosophie hat Japan bis ins Finale gebracht und lässt die Frauenfußball-Welt staunen.
Starkes Kollektiv
Es ist das Kollektiv, das die Asiatinnen so stark macht. Nadeshiko, was übersetzt Prachtnelke bedeutet und nach alter japanischer Tradition das Idealbild einer Frau beschreibt, ist der Spitzname des japanischen Frauennationalteams, das aus einem stabilen Gerüst heraus, und gespickt mit individuellen Spitzenspielerinnen wie Homare Sawa und Nahomi Kawasumi, Angst und Schrecken beim Gegner verbreitet.
WM-Titel holen
„Wir haben vor dem Turnier gesagt, dass wir eine Medaille gewinnen wollen. Nun können wir sogar Weltmeister werden, das ist fantastisch“, sagte Kozue Ando und fügte an: „Wir spielen für alle Menschen in Japan. Wir hoffen, dass sie die schweren Folgen des Erdbebens für ein paar Stunden vergessen können.“ Als vor vier Monaten in Japan die Erde bebte und für großes Chaos im ganzen Land sorgte, war noch gar nicht absehbar, ob das Team überhaupt bei der WM startet. Der Großteil der Japanerinnen war direkt von den Auswirkungen des Erdbebens betroffen.

Japan feiert
Aya Sameshima arbeitet für eine Firma, die für das Atomkraftwerk Fukushima zuständig ist, und fragte ihre Mutter vier Tage nach dem Unglück per Mail, ob es überhaupt richtig sei, in solch schweren Zeiten Fußball zu spielen. Ihre Mutter ließ sie wissen, dass die Leute zu ihr halten würden und sie spielen soll. Japan, das sich während der WM mit Plakaten für die weltweite Unterstützung bedankte, hat inzwischen auch in Deutschland die Herzen der Fans erobert. „Die Japaner schätzen den Sieg sehr hoch ein, es ist ein historischer Sieg“, sagte Trainer Norio Sasaki. „Alle Medien, das Staatsfernsehen, die Zeitungen berichten über die WM. Das ist Thema Nummer eins.“
Wie gegen Deutschland
Am Sonntagabend, wenn das Spiel gegen die USA angepfiffen wird, wird das ganze Land Kopf stehen. Die Amerikanerinnen gelten zwar weiter als Favorit, doch Japans Starspielerin Homare Sawa formulierte es so: „Japan hat noch nie gegen die USA gewonnen. Aber das galt auch für Deutschland. Wir wollen mit dem Pokal nach Hause fahren, wir wollen es für unser Land tun.“ Und selbst wenn es am Ende nicht mit dem Titel klappen sollte, eines ist klar: Gewinner sind die Japanerinnen trotzdem.
Eure Meinung: Holt Japan den Titel?
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