Mönchengladbach und Köln: Das Derby auf dem Transfermarkt

Auf dem Platz gewann zuletzt häufig die Borussia, doch wie schlugen sich die Rivalen vom Rhein auf dem Transfermarkt? Die Strategien waren unterschiedlich.

Von Christoph Vogel

Das Rhein-Derby zwischen 1. FC Köln und Gladbach verspricht immer ganz heiß zu werden
Getty

Mönchengladbach/Köln. In den letzten fünf Jahren veränderten sich sowohl Borussia Mönchengladbach, als auch 1. FC Köln. Sie veränderten sich dermaßen, dass die Mannschaften von damals und heute kaum miteinander zu vergleichen sind. Beide Vereine probierten viel und griffen dabei zuweilen ins sprichwörtliche Klo. Goal.com hat sich die Aktionen der Rhein-Rivalen auf dem Transfermarkt noch einmal angeschaut und guckt, wer in den letzten fünf Jahren richtig lag – und welcher Fehlgriff dabei war.

1. FC Köln

Beim FC fand vor der Saison 2006 ein wahrer Umbruch statt: 24 (!) Spieler wurden geholt oder kamen nach ihrer Ausleihe zurück, 23 Spieler verließen den Klub. Darunter auch Lukas Podolski, den man schweren Herzens für zehn Millionen Euro ziehen ließ. Ansonsten ließ man aussortierte Spieler wie Andrew Sinkala, Christian Rahn oder Dimitrios Grammozis ablösefrei ziehen. Unter den Neueinkäufen war unter vielen Flops auch ein echter Volltreffer: Milivoje Novakovic kam von Litex Lovetch und kostet nur 1,4 Millionen Euro.

Auch im nächsten Jahr konnte man in Köln nicht groß investieren. Lediglich für Youssef Mohamad wurde eine Ablöse im siebenstelligen Bereich fällig – inzwischen hat der Innenverteidiger diese Summer längst durch gute Leistungen „abgezahlt“. Mit Fary Mondragon holte man einen 36-Jährigen als Nummer 1. Erneut trennte man sich von vielen Spielern, die die Erwartungen nicht erfüllen konnten. 2008/09 griff man für Pedro Geromel (2,5 Mio.) und Manasseh Ishiaku (2 Mio.) verhältnismäßig tief in die Tasche. Während der eine zum Flop mutierte, avancierte der Brasilianer zum wahrscheinlich besten Griff der letzten zehn Jahre. Geromel – ein echter Volltreffer.

Der Prinz kommt zurück

2009 gelang dem FC die Rückholaktion des Jahres: Lukas Podolski kehrte zurück an den Rhein. Diesen Schachzug ließ sich Manager Meier zehn Millionen Euro kosten. Damit war klar: In jener Saison und vermutlich auch im Jahr danach waren keine großen Sprünge mehr möglich. Man setzte auf Nachwuchskräfte und Spieler aus der zweiten Mannschaft. Akteuren wie Sebastian Zielinsky, Christian Clemens oder Stephan Salger ermöglichte dies das Aufrücken zu den Profis. Mit Maniche holte man einen erfahrenen Mann ablösefrei, der jedoch kräftig Gehalt verschlang. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmte bei Zoran Tosic, der von Manchester United ausgeliehen wurde, am Saisonende jedoch nicht gehalten werden konnte. Große Verkaufserlöse gab es erneut nicht zu verzeichnen. Lediglich Derek Boateng brachte mit 750.000 Euro eine ordentliche Summe ein.

Lukas Podolski

Die Konsolidierung wurde weiter voran getrieben und auch wenn das Sparkonto immer noch nicht gut gefüllt war, wagte man ein wenig mehr auf dem Transfermarkt. Gestandene Spieler aus der Bundesliga waren dennoch nicht drin, sodass man mit Leuten wie Slawomir Peszko (Lech Posen), Konstantinos Giannoulis (Iraklis Thessaloniki) oder Alexandru Ionita (Rapid Bukarest) im Ausland fündig wurde. Von den genannten überzeugte aber lediglich der Pole, der beste Neuzugang kam ablösefrei: Michael Rensing war Vereinslos, bevor er in Köln eine neue Bleibe fand. Der ehemalige Münchener überzeugte und wurde mit der Vertragsverlängerung belohnt.

Borussia Mönchengladbach

Vor der Saison 2006/07 wollte Gladbach hoch hinaus. Nicht unbedingt ins europäische Geschäft, aber in Abstiegsgefahr sollte man nie geraten. Doch es kam alles ganz anders: Der „Königstransfer“ Federico Insua (4,5 Mio.) kam nie richtig an, Talent Mikkel Thygesen bekam nie eine wirkliche Chance und überhaupt stimmte die Chemie nicht bei der Borussia. Am Ende stand der erneute Abstieg aus der Bundesliga zu Buche und Sportdirektor Peter Pander musste seinen Hut nehmen. Eine Folge einer verfehlten Transferpolitik.

Die Mission Wiederaufstieg wurde mit Zweitliga-erfahrenen Spielern angegangen, nachdem der Kader zuvor deutlich ausgedünnt wurde. Mit Erfolg: Typen wie Sascha Rösler, Soumaila Coulibaly oder Alexander Voigt ragten im Unterhaus heraus, hinzu kamen gute Transfers wie Rob Friend oder Patrick Paauwe. Das Problem: Der Kader war abgestimmt auf die zweite Liga, genügte aber in der folgenden Saison im Oberhaus nicht den Ansprüchen.

Federico Insua

So fand sich die Borussia erneut in Abstiegnöten wieder und lieferte in der Winterpause einige der gelungensten Transferperioden dieser fünf Jahre ab. Trainerfuchs Hans Meyer holte mit Paul Stalteri, Routinier Tomas Galasek, Logan Bailly und Dante vier Spieler, die allesamt einschlugen und den Klassenerhalt sicherten. Da die Borussia im Winter nachbessern musste, stand am Ende der Saison ein dickes Minus von 10,88 Millionen Euro zu Buche.

Fohlen lassen die Millionen springen

Das Abstiegsgespenst sollte gebannt werden, sodass der neue Sportdirektor Max Eberl mit Raul Bobadilla (Grasshopper Club Zürich, 4,2 Mio.) und Juan Arango (RCD Mallorca, 3,6 Mio.) zwei sogenannte „Kracher“ einkaufte. Zumindest Arango sollte sein Geld wert sein, Bobadilla lieferte zumeist Schlagzeilen neben als auf dem Platz. Mit Marko Marin konnte nach Marcell Jansen wieder einmal große Kasse gemacht werden. Das Eigengewächs wechselte für 8,2 Millionen Euro zu Werder Bremen. Das Konzept schien aufzugehen: Unter Michael Frontzeck spielte die Borussia zum ersten Mal seit langer Zeit eine ruhige Saison. Zum Aufsteiger der Saison wurde Marco Reus, der aus der zweiten Liga gekommen war und seinen Marktwert vervielfachte.

Mit Igor de Camargo holte Eberl vor der vergangenen Saison einen weiteren „Topper“: Der Brasilianer kam für vier Millionen Euro aus Lüttich. Jedoch war der Stürmer die meiste Zeit verletzt, wies aber dennoch seine Torgefahr nach. Die Schwachstellen der Mannschaft wurden jedoch im Sommer verkannt und mussten im Winter ein weiteres Mal teuer ausgeglichen werden. Es sollte gut gehen: Der Klassenerhalt gelang in der Relegation.

Fazit:

Eines eint beide Vereine: Sowohl der FC, als auch die Borussia hatten in den vergangenen Jahren eine enorme Fluktuation an Spielern. Das lag an den Abstiegen, den ständig wechselnden Trainern mit ihren eigenen Philosophien und einfach auch einer guten Portion Pech auf dem Transfermarkt. Beide Vereine versuchen, Spieler aus der eigenen Jugend heranzuführen. Allerdings bekamen diese nicht immer eine Chance bzw. wussten sie nicht zu nutzen.

Im Vergleich zum 1. FC Köln ist die Borussia der „Investor“ in Sachen Transfers. Vor beinahe jeder Saison wurden relativ große Summen in Spieler gesteckt, die die Erwartungen aber nicht immer erfüllen konnten. Zudem musste man zu oft im Winter korrigieren, was im Sommer falsch gelaufen war. Diese Rettungsanker vor der Rückrunde sind teuer und sind ein Vorgriff auf die neue Saison. In dieser Hinsicht hielt sich der FC zurück. Auch mangels finanzieller Spielräume waren keine Königstransfers drin. Auch vor der neuen Saison galt es für die Sportdirektoren Eberl und Finke, sich von den Altlasten zu trennen, um Platz zu schaffen für neue Spieler. Ob diesmal wird es wieder Tops und Flops geben.

Eure Meinung: Welcher Klub hat die bessere Transferpolitik vorzuweisen?



 
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