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So hat Lucien Favre Borussia Mönchengladbachs Defensive auf Trab gebracht
Der Schweizer betätigte sich beim Abwehrproblem der Fohlen als wahrer Wunderheiler und brachte die Defensive auf Kurs.
Von Christoph Vogel
Mönchengladbach. Lucien Favre ist alles, aber sicher kein Feuerwehrmann. Nicht umsonst spricht man beim Schweizer von einem Konzepttrainer. Einer, der Zeit braucht, bis seine Handschrift auf dem Platz sichtbar wird. So warfen viele schon das Handtuch, als der 53-jährige bei Borussia Mönchengladbach als Nachfolger vom glücklosen Michael Frontzeck präsentiert wurde. Aber Favre schaffte es, einer komplett verunsicherten Mannschaft das zu geben, was er am besten vermitteln kann: Ein Konzept.
Gegentorflut eingedämmt
Unter Frontzeck fiel die Mannschaft nach Rückschlägen in sich zusammen und gab reihenweise Führungen ab. So auch beim 2:3 gegen den VfB Stuttgart oder dem 1:3 beim FC St. Pauli. Jene beiden Spiele bedeuteten das Ende der Ära Frontzeck, es kam Favre. Die Borussia hatte bis zu diesem 24. Spieltag ungeschlagene 56 Gegentore kassiert, das sind 2,3 pro Spiel. Favre kam, sah und reagierte: Die Gegentorflut wurde eingedämmt und nur in einem Spiel unter seiner Leitung, dem 1:2 beim VfL Wolfsburg, kassierten die Fohlen mehr als ein Gegentor. Aber auch bei den Wölfen fielen sie nicht auseinander, sondern waren bis zur letzten Spielminute voll da.
Gezielte Veränderungen bringen den Erfolg
In den zwölf Partien bis zum Saisonende kassierte die Borussia nur noch neun Gegentore. Der Schnitt von 0,75 pro Spiel wird innerhalb der Bundesliga nur noch vom Deutschen Meister aus Dortmund getoppt (0,65 p.S.). Doch was hat Favre eigentlich großartig geändert? Was lief unter Favre, was unter Frontzeck schief ging? Zum einen koordinierte der Schweizer das defensive Mittelfeld neu. Der formschwache Thorben Marx musste auf die Bank, der ballsichere Roman Neustädter und der für sein junges Alter schon ungemein ruhige Havard Nortveidt bildeten die Doppel-Sechs. Auf der rechten Abwehrseite wurde Vizekapitän Tobias Levels durch Tony Jantschke abgelöst. Jantschke, eigentlich defensiver Mittelfeldspieler, stand sicherer und beging deutlich weniger Fouls als sein Vorgänger. Im Tor brachte Favre den 18-jährigen Marc-André ter Stegen. Deutschlands vielleicht größtes Torwart-Talent zahlte ihm sein Vertrauen zurück.

Pressing statt Angsthasenfußball
Am Spielsystem änderte Favre nichts. Doch die Raumaufteilung verbesserte sich sprunghaft und die Mannschaft spielte frühes Pressing, anstatt sich vom Gegner tief in die eigene Hälfte drängen zu lassen und auf den Gegentreffer zu warten. Favre will mit Intelligenz spielen lassen, was sich an den kontrollierten Befreiungsversuchen zeigt. Nur noch selten wird der Ball nur lang herausgeschlagen. Natürlich ist auch der Eidgenosse kein Wunderheiler, sodass individuelle Fehler weiter vorkommen, aber in einer deutlich niedrigeren Frequenz. Der lautstarke und erfahrene Martin Stranzl erwies sich als Gold wert. So geht die Borussia nun mit Selbstbewusstsein in die Relegationsspiele und vor allem: Mit dem Wissen, zu Null bleiben zu können.
Eure Meinung: Wie erklärt ihr euch den Wandel der Borussia?
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