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Ohne Netz und doppelten Boden: „Magic Favre“ zaubert der Borussia den Klassenerhalt aus dem Hut
Beim Amtsantritt von Lucien Favre war die Borussia am Boden. Gute drei Monate später schwingt am Niederrhein plötzlich wieder die Hoffnung mit, den Abstieg doch noch verhindern zu können. Favre sei dank.
Von Christoph Vogel
Mönchengladbach. Nach der 1:3-Auswärtsniederlage beim FC St. Pauli zog Borussia Mönchengladbach die Reißleine. Michael Frontzeck musste nach eineinhalb Jahren gehen und verließ die Mannschaft desillusioniert und abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Es kam mit Lucien Favre ein Mann, der zuvor in Deutschland einzig bei Hertha BSC Berlin gearbeitet hatte. Unter dem Schweizer durchlebten die Fohlen eine Kehrtwende und erleben derzeit ein ganz ungewohntes Gefühl: Hoffnung.
Glaube ging verloren
Die Borussia war die Schießbude der Liga. Regelmäßig fuhr die Mannschaft unter Frontzeck einen „Dreier“ ein – jedoch nur, was die Anzahl der Gegentore betraf. Nach einer Führung zog man sich zurück und bettelte förmlich den Gegner darum, die Initiative zu übernehmen. Die Verteidigungslinie begann kurz vor dem eigenen Sechszehner. So verschenkten die Fohlen massig Punkte, indem sie Führungen wieder hergaben und am Ende doch verloren. Nicht nur die Punkte, aber irgendwann auch den Glauben an sich selbst.
Tabelle machte keinen Spaß
Die Wintertransfers waren ein richtiger Schritt in die Richtung, jedoch ein halbes Jahr zu spät. Martin Stranzl, Mike Hanke und Havard Nordtveit sind Verstärkungen, aber die Schwachstellen wurden im Sommer verklärt. Schon im letzten Jahr war die Defensive alles andere als sattelfest (60 Gegentore). Seit dem 13. Spieltag in dieser Saison befand sich die Borussia auf dem 18. Platz. Der morgendliche Blick auf die Tabelle manifestierte die Unsicherheit unter den Akteuren. Nach der Winterpause keimte nach den Auswärtssiegen gegen Nürnberg und Frankfurt Hoffnung auf. Die 2:3-Heimniederlage gegen Stuttgart nach 2:0-Führung schoss Michael Frontzeck allerdings endgültig ins Abseits.
Defensive gestärkt
Lucien Favre kam, sah – und analysierte. Zum Auftakt gab es einen 2:1-Heimsieg gegen den FC Schalke. Ein immens wichtiger Erfolg, nicht nur wegen der Punkte, aber auch um die Fans wieder mit ins Boot zu nehmen. Nur in einer einziger Partie, beim darauffolgenden 1:2 beim VfL Wolfsburg, kassierte die Borussia unter Favre mehr als ein Gegentor. Damit ist die offensichtlichste Veränderung seit dem Trainerwechsel offenbart: Die Gegentorflut wurde eingedämmt. Favre setzte Tony Jantschke auf die Position rechts in der Viererkette und beorderte den formschwachen Vizekapitän Tobias Levels auf die Bank. Filip Daems auf links stabilisierte sich zusehends, da nun Juan Arango vor ihm im Mittelfeld plötzlich mannschaftsdienlich ackerte und Martin Stranzl in der Innenverteidigung die Kommandos gab.

Borussia Mönchengladbach hatte in letzter Zeit wieder mehr Grund zur Freude
Länderspielpause zur rechten Zeit
Der Trainerwechsel schien richtig, aber der Zeitpunkt zu spät. Gladbach holte in den 15 Spielen nach der Winterpause 22 Punkte und liegt damit in der Rückrundentabelle auf Platz 8. Man erkennt bei der Borussia, was alles möglich gewesen wäre, aber die Hypothek der katastrophalen Hinrunde wog schwer auf den Schultern der Spieler. Nach der 0:1-Heimpleite gegen Kaiserslautern am 27. Spieltag war die Stimmung erneut am Boden, der Klassenerhalt rückte in weite Ferne. Aber Gladbach ließ sich nun nicht ein weiteres mal unterbuttern und raffte sich auf. Die Länderspielpause verschaffte Favre die Zeit, seiner neuen Mannschaft seine Idee vom intelligenten Spiel einzuimpfen. Der 5:1-Sieg über Köln im Derby war das erste Ergebnis der harten Arbeit.
Zwei weitere Endspiele warten
| Wusstet ihr, dass... |
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| ... Lucien Favre in der Saison 2008/09 mit Hertha BSC Berlin 14 Spiele mit nur einem Tor Unterschied gewann? |
Favre selbst bekennt, sich von Arsene Wenger und Rafael Benitez einiges abgeschaut zu haben. Direktes Kurzpassspiel und die oft zitierte Intelligenz im Spiel sind die Merkmale. Doch passt das zu einem Tabellenletzten in der Endphase der Saison? Bei der Borussia scheint es zu fruchten! Dem BVB vermieste man die Meisterfeier und gewann ebenso mit 1:0 wie eine Woche später in Hannover. Schon damals ging es um alles oder nichts und die Wochen der Endspiele gehen weiter. Das Heimspiel gegen Freiburg am Samstag ist ein Pflichtsieg, ohne wenn und aber. Frankfurt auf dem Relegationsplatz ist mit zwei Punkten in Reichweite gerückt, aber in Gladbach ist man sich einig: „Wir wollen und müssen drei Punkte holen,“ fordert Favre. Dabei hat der 53-jährige gar keine so guten Erinnerungen an Freiburg: Mit Hertha verlor der Schweizer im September 2009 sein Heimspiel mit 0:4 gegen die Breisgauer. Eine Woche später wurde er entlassen.
Eure Meinung: Schafft die Borussia unter Favre noch den Klassenerhalt?
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