Lazio Rom gegen Juventus Turin: Ein besonderes Spiel für Pavel Nedved

Am Abend stehen sich die italienischen Ex-Klubs von Pavel Nedved gegenüber. Wir blicken auf die außergewöhnliche Laufbahn eines außergewöhnlichen Fußballers zurück.

Von Falko Blöding

Nedved spielte von 1996 bis 2001 für Lazio Rom
Getty
Rom. Am Montagabend duellieren sich im Topspiel der Serie A Lazio Rom und Juventus Turin. Einer, der bei beiden Klubs Geschichte geschrieben hat, ist Pavel Nedved und er wird sich diese Partie im „Olimpico“ nicht entgehen lassen. Der Tscheche spielte in seiner erfolgreiche Laufbahn fünf Jahre für Lazio, danach schnürte er acht Jahre lang seine Stiefel für Juventus. 13 Titel gewann er mit den beiden Traditionsvereinen und heute arbeitet er als Berater beim Rekordmeister. Wir blicken auf die Karriere des unermüdlichen Mittelfeldspielers zurück.

Nach der EM '96 in die Serie A

Schon früh eilte Pavel Nedved in seiner Heimat Tschechien der Ruf voraus, über riesiges Potenzial zu verfügen. Dieser linke Mittelfeldspieler mit dem famosen Distanzschuss hatte etwas besonderes in seinem Spiel und zahlreiche Topklubs waren Mitte der 1990er Jahre an ihm interessiert. Die Europameisterschaft 1996 in England bedeutete seinen großen Durchbruch auf der großen Bühne. Nedved führte die Tschechen ins Endspiel und stand spätestens nun in den Notizbüchern der Schwergewichte. Das Rennen machte schließlich Lazio Rom. 3,5 Millionen Euro überwiesen die „Biancocelesti“ für ihn an Sparta Prag.



Nur positive Erinnerungen an Lazio

Den Schritt nach Rom hat Nedved nie bereut. Nach seinem Karriereende im vergangenen Jahr erklärte er gegenüber fifa.com: „Bis heute habe ich noch keine Entscheidung in meiner Karriere bereut. Meine fünf Jahre bei Lazio Rom werden immer sehr schöne Erinnerungen sein. Ich habe ein neues Land entdeckt, eine neue Sprache gelernt, ich durfte unter sehr guten Trainern spielen und habe eine Meisterschaft, einen Europapokal der Pokalsieger und internationale Trophäen gewonnen. Was könnte ich mehr verlangen?“



Als Zidane-Nachfolge zur „Alten Dame“

Im Jahr 2001 entschied sich der ebenso streitbare wie geniale Juve-Manager Luciano Moggi dazu, Superstar Zinedine Zidane an Real Madrid zu verkaufen und mit der Rekordablöse die Elf der „Bianconeri“ in der Breite zu verstärken. Neben Gianluigi Buffon, Lilian Thuram und Marcelo Salas lotste er auch Nedved nach Turin. Der Linksfuß, der für Lazio 33 Treffer in 133 Serie-A-Partien erzielt hatte, war der erklärte Wunschspieler Moggis. Knapp 42 Millionen Euro machte er für den damals 28-jährigen locker.



Lob für Marcello Lippi

„Juventus hat mir alles gegeben. Ich habe hier meine Siegermentalität erworben, die Einstellung, dass jede Begegnung wie eine Schlacht ist. Ich habe gelernt, auch an mich selbst hohe Ansprüche zu stellen, Schwierigkeiten anzupacken und sie zu überwinden“, blickte Nedved kürzlich auf seine Anfangszeit bei Juve zurück. Erfolgscoach Marcello Lippi erkannte die Vielseitigkeit des Angreifers mit dem markanten Blondschopf und setzte ihn auch als Regisseur ein. Ein Umstand, den Nedved ihm heute noch hoch anrechnet: „Derjenige, der mir etwas mehr als die anderen gegeben hat, ist zweifellos Marcello Lippi, weil er mich hinter den Spitzen eingesetzt und mir auf dem Feld mehr Freiheiten gegeben hat.“

Dank der „Furia Ceca“ ins Endspiel von Manchester

Er gewann mit Juventus auf Anhieb den „Scudetto“ und in der Saison 2002/03 gelang es dem Rekordmeister, den Titel zu verteidigen. Angetrieben von Nedved, der wegen seiner nimmermüden Spielweise längst auf den Spitznamen „Furia Ceca“ (die tschechische Furie) hörte, erreichte Juve auch das Endspiel der Königsklasse. Beim Halbfinalerfolg über Real Madrid avancierte Nedved zum tragischen Helden: Er erzielte das vorentscheidende 3:0 im Rückspiel, sah aber nach einem Foul an Steve McManaman auch seine dritte gelbe Karte im Wettbewerb und musste im Endspiel gegen den AC Milan zuschauen. Juve unterlag im Elfmeterschießen, Nedved wurde dennoch in jener Saison zu Europas Fußballer des Jahres gekürt. Er war der erste Tscheche, dem dies seit der Auflösung der Tschechoslowakei gelang.



„Das Halbfinale gegen Real wir mir immer in Erinnerung bleiben“

„Die Spielzeit 2002/03 war mit dem Gewinn des Scudetto und dem verlorenen Finale der Champions League sicherlich die erfolgreichste Saison. Das Halbfinale gegen Real Madrid wird mir als einer der stärksten Eindrücke immer in Erinnerung bleiben, sowohl wegen des Prestiges unseres Gegners, der Intensität der Begegnung wie auch wegen des schönen Spiels, das wir entwickelten“, erinnert sich Nedved an jene Saison.

Nedved ging mit in die zweite Liga

Längst liebten die Fans Nedved und Nedved liebte Juve. Als die „Alte Dame“ im Zuge des „Calciopoli“-Skandals 2006 zum Zwangsabstieg in die Serie B verdonnert wurde, kam ein Wechsel für ihn nicht in Frage: „Das war sehr hart... Aber angesichts dessen, was dieser Klub mir gegeben hat, fühlte ich mich ihm verpflichtet. Seitdem war es für mich ganz klar, dass ich bleibe. Wir sind für diese zwei Jahre sehr harter Arbeit mit dem Aufstieg in die Serie A und dem Wiedersehen mit der Champions League belohnt worden.“



Abschied nach acht Jahren im schwarz-weißen Dress

Im Februar 2009 kündigte er schließlich im Alter von 36 Jahren seinen Rücktritt zum Saisonende an, alle Versuche der Verantwortlichen, ihn zum Weitermachen zu überreden schlugen fehl. Nedved erklärte damals, er wolle abtreten, solange er noch auf hohem Niveau spiele. Der 91-fache Nationalspieler absolvierte insgesamt 244 Ligaspiele für Juventus, dabei erzielte er 55 Tore. Mit Präsident Andrea Agnelli verbindet Nedved eine enge Freundschaft. Er überredete ihn, als Berater für den Klub zu arbeiten. Die Tifosi freut es, so sehen sie Pavel Nedved wieder häufiger im Stadion. Allerdings leider nur auf der Tribüne und nicht mehr auf dem Rasen.



 
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