Special: Fünf denkwürdige Derbys zwischen Milan und Inter

Zwei Mal pro Jahr herrscht in Mailand absoluter Ausnahmezustand: Das Derby zwischen Milan und Inter spaltet die Metropole. Wir erinnern an fünf denkwürdige Duelle.

Von Falko Blöding

Ibrahimovic e Cordoba - Inter-Milan (Getty Images)
Mailand. Das „Derby della Madonnina“ wirft seine Schatten voraus. Am Samstagabend stehen sich im „Giuseppe Meazza“ die Erzrivalen AC Milan und Inter Mailand gegenüber. Beide führen zudem die Tabelle der Serie A an - mehr Spitzenspiel geht nicht. Das Mailänder Derby ist stets ein Leckerbissen, zumindest geht es immer hoch her. Um Euch auf das neueste Duell zwischen „Rossoneri“ und „Nerazzurri“ einzustimmen, blicken wir auf fünf denkwürdige Aufeinandertreffen zurück:

Inter - Milan 6:5 (6. November 1949)

In keinem Derby fielen mehr Tore und die elf Treffer aus dem Jahr 1949 dürften wohl auch nicht noch einmal erreicht werden. Schon das 4:4 früher im gleichen Jahr war ein Schützenfest gewesen, nun schepperte es gleich elf Mal. Auf Seiten Milans spielte das „GreNoLi“-Triumvirat mit Gunnar Gren, Gunnar Nordahl und Niels Lidholm, doch der Spieler des Spiels war Inters Amedeo Amadei: Er netzte dreifach ein und erzielte auch den entscheidenden Treffer zum 6:5. Kurz vor dem Ende lag sogar noch das 6:6 in der Luft, doch Enrico Candiani scheiterte an der Latte.

Formationen

Inter:
Franzosi - Guaita, Miglioli - Campatelli, Giovannini, Achilli - Amadei, Wilkes, Lorenzi, Fiorini - Nyers.

Milan: Milanese - De Gregori, Foglia - Annovazzi, Tognon, Bonomi - Buriani, Gren, Liedholm, Candiani - Nordahl.

Milan - Inter 2:1 (28.Oktober 1983)

Anfang der 1980er Jahre war es um den AC Mailand nicht besonders gut bestellt. 1980 musste der Verein wegen eines Wettskandals in die Serie B absteigen. Der sofortige Wiederaufstieg gelang zwar, doch ein Jahr später mussten die „Rossoneri“ erneut den bitteren Gang in die zweite Liga antreten. Als sie dann in die Serie A zurückkehrten, und es zum Derby gegen Inter kam, war Milan neun Spiele lang gegen den Nachbarn ohne Erfolgserlebnis geblieben. Und nachdem Alessandro Altobelli Inter in Front geschossen hatte, sah es so aus, als sollte dies so bleiben.

Die zehn besten Spieler, die bei beiden Vereinen aktiv waren

Agostino di Bartolomei glich aus, ehe der ehemalige Portsmouth-Stürmer Mark Hately zum Helden für Milan wurde: Er setzte sich im Sechzehner im Duell mit Fulvio Collovati durch und köpfte den Ball an Walter Zenga vorbei in die Maschen. Als Milan 2008 im UEFA-Cup auf Portsmouth traf, sagte Milan-Boss Adriano Galliani: „Das ist ein feiner Klub, Mark Hateley spielte dort.“

Formationen

Milan:
Terraneo - F. Baresi, Galli, Battistini, Di Bartolomei, Tassotti - Verza, Wilkins, Hateley - Evani, Virdis.

Inter: Zenga - Bergomi, G. Baresi, Mandorlini - Collovati, Bini, Causio, Sabato - Altobelli, Brady, Rummenigge.

Inter - Milan 0:6 (11. Mai 2001)


Der höchste Sieg überhaupt in einem Mailänder Derby. Milan landete ihn am 30. Spieltag der Saison 2000/01. Bei Anpfiff des Spiels lagen Inter und Milan abgeschlagen 20 Punkte hinter Tabellenführer AS Rom und kämpften um den Einzug in die Königsklasse. Ein Duell auf Augenhöhe wurde es dennoch nicht. Im Gegenteil, Inter kassierte als Hausherr ein halbes Dutzend Gegentreffer und die Narbe, die dieses Spiel bei den Tifosi hinterließ, ist noch heute nicht gänzlich verheilt.

Gianni Comandini schnürte in Durchgang eins einen Doppelpack. Bemerkenswerterweise waren es die beiden einzigen Ligatore des Angreifers für den AC. Federico Giunti ließ kurz nach Wiederanpfiff seinen einzigen Treffer für Milan folgen, ehe das Unheil für Inter durch Andriy Shevchenkos Doppelpack endgültig seinen Lauf nahm. Serginho besorgte in der Schlussphase das 6:0 gegen unglaublich schwache Interisti.



Formationen

Inter:
Frey - Ferrari, Blanc, Simic, J. Zanetti - Farinos, Di Biagio, Dalmat, Gresko - Vieri, Recoba.

Milan: Rossi - Helveg, Costacurta, Roque Junior, Maldini - Gattuso, Giunti, Kaladze, Serginho - Shevchenko, Comandini.

Inter - Milan 0:3 (12. April 2005)

Das Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel der Saison 2004/05 sollte als „Abend der Schande“ in die Geschichte eingehen. Inter musste einen 2:0-Rückstand aus dem Hinspiel aufholen und geriet durch Andriy Shevchenkos 0:1 nach einer halben Stunde noch weiter unter Zugzwang.

Inter biss sich an der Gäste-Defensive, im Besonderen an Torwart Dida, die Zähne aus. Nachdem Mittelfeldspieler Estaban Cambiassos Kopfballtor zum vermeintlichen 1:1 vom Schiedsrichter Dr. Markus Merk nicht anerkannt wurde, explodierte die aufgeheizte Stimmung im Stadion: Unzählige Gegenstände flogen auf das Spielfeld, Didas Strafraum lag voller Flaschen, Feuerzeuge und weiteren Dingen, die nicht niet- und nagelfest waren. Merk entschied sich die Partie kurz zu unterbrechen.

Milan und Inter: Darum kam es zur Spaltung

Währenddessen versuchte Dida, seinen Sechzehner von den Gegenständen zu säubern. Als er sich bückte, traf ihn eine Leuchtrakete aus dem Inter-Fanblock an der Schulter. Dabei zog sich der brasilianische Schlussmann Blutergüsse und Verbrennungen dritten Grades zu. Der Corriere della Sera beschrieb die Szene später so: „Dida wirkte wie ein Soldat im feindlichen Feuer.“



Merk schickte beide Mannschaften in ihre Kabinen und ordnete eine Pause von 30 Minuten an. Eine Minute nachdem er die Begegnung wieder angepfiffen hatte, segelten erneut Bengalos auf den Rasen wird das Spiel endgültig abgebrochen. Die UEFA wertete das Spiel mit 3:0 für den AC, Inter bekam die höchste Strafe in der Geschichte des europäischen Fußballverbands aufgebrummt: 200.000 € musste der Klub wegen der Ausschreitungen bezahlen, außerdem mussten die ersten vier internationalen Spiele der Saison 2005/06 vor leeren Rängen ausgetragen werden.

Der damalige Inter-Trainer Roberto Mancini machte Schiedsrichter Merk für die Geschehnisse verantwortlich. „Was passiert ist, ist seine Schuld“, echauffiert sich der Coach. Sein Pendant Carlo Ancelotti war angesichts der Vorfälle schockiert: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Das schadet ganz Mailand“, sagte er. Und Milan-Angreifer Andriy Shevchenko meinte gar: „Inter tut mir leid.“

Formationen

Inter: Toldo - J. Zanetti, Cordoba, Materazzi, Favalli - C. Zanetti, Veron, Cambiasso - Van der Meyde, Kily Gonzalez - Adriano.

Milan: Dida - Cafu, Stam, Nesta, Maldini - Ambrosini, Pirlo, Seedorf - Kaka - Crespo, Shevchenko.

Milan - Inter 0:4 (29. August 2009)


Milans Saisonvorbereitung unter dem neuen Trainer Leonardo war komplett in die Hose gegangen, dafür gelang der Saisonstart. Weil Inter in Bari nicht über ein Remis herausgekommen war, planten die Rot-Schwarzen vor dem Derby schon einen komfortablen Fünf-Punkte-Vorsprung auf den Titelverteidiger nach zwei Spieltagen ein. Doch es folgten 90 Minuten, in denen den Gastgebern die Grenzen aufgezeigt wurden. Nach knapp einer halben Stunde markierte Thiago Motta die Führung für Inter und von da an hatte hatte man nie mehr den Eindruck, als könnte die Elf von Jose Mourinho in dieser Partie noch Punkte lassen.



Diego Milito besorgte vom Elfmeterpunkt das 0:2 und nachdem Gennaro Gattuso mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war (40.), machte Maicon mit dem 0:3 noch vor der Halbzeit schon alles klar. Dejan Stankovic stellte nach 67 Minuten den Endstand zum 4:0-Auswärtssieg her.

Formationen

Milan: Storari - Zambrotta, Nesta, Thiago Silva, Jankulovski - Gattuso, Pirlo, Flamini - Ronaldinho - Borriello, Pato.

Inter: Julio Cesar - Maicon, Lucio, Samuel, Chivu - Thiago Motta, Stankovic, Zanetti - Sneijder - Milito, Eto’o.


Goal.com-Umfrage
Die Umfrage läuft vom 29.03.2011 bis zum 01.04.2011
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50.03%
Milan
 
49.97%
 
 
 
 
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