thumbnail Hallo,

Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig ist eines der ältesten Derbys Deutschlands. In Europa gibt es aber weitere lokale Nachbarschaftsduelle mit noch mehr Tradition.

Hamburg. Vor dem Niedersachsen-Derby wurde ein Schwein durch Hannover "getrieben". Eine Geschmacksverirrung der Fans von Eintracht Braunschweig, typisch für ein Nachbarschaftsduell dieser Brisanz - europaweit jedoch nur eine Petitesse, denn seit mehr als 100 Jahren ist die Fußball-Historie voll von Derby-Skurrilitäten.

"Old Firm" ist die Mutter aller Derbys. Keine lokale Fußball-Auseinandersetzung ist so alt wie der Vergleich zwischen Celtic Glasgow und den Glasgow Rangers. Seit 1888 sind die beiden Rivalen mehr als 600mal aufeinandergetroffen.

"Ich habe ja bei einer Menge Klubs gespielt, aber diese Partien vergesse ich nie", sagt Jörg Albertz. Der Ex-Nationalspieler trug von 1996 bis 2001 das Trikot der protestantischen Rangers - natürlich auch gegen das katholische Celtic.

Katholisch gegen Evangelisch

Trank man nach dem ersten Duell vor exakt 125 Jahren (5:2 für Celtic) noch gemeinsam Tee, ging es in den folgenden Jahrzehnten immer hitziger zu. Trauriger Höhepunkt war eine Massenschlägerei der Fans auf dem Spielfeld im Jahr 1980. Derzeit pausiert "Old Firm" - die Rangers spielen nach einer Insolvenz nur in der dritten Liga.

Weniger religiös denn politisch bedingt sind die hochemotionalen Rivalitäten der drei größten Fußball-Klubs von Istanbul. Galatasaray ist der Klub des Bürgertums, Besiktas der Arbeiterverein - Fenerbahce repräsentiert den asiatischen Teil der türkischen Metropole.

Und rund um den Bosporus haben deutsche Trainer ihre Spuren hinterlassen. Bundestrainer Joachim Löw stand in der Saison 1998/1999 bei Fenerbahce unter Vertrag, Christoph Daum führte sowohl Besiktas als auch Fenerbahce zum Meistertitel. Doch die größte Verehrung genoss stets der ehemalige Bundestrainer Jupp Derwall, der von 1984 bis 1988 bei Galatasaray höchst erfolgreich das sportliche Sagen hatte.

"Wenn ich nach Istanbul zurückkehre, brauche ich keine Geldbörse. Man wäre beleidigt, wenn ich selbst etwas bezahlen würde", berichtete Derwall noch Jahre nach seinem Engagement stolz. Zu diesem Zeitpunkt war der Ex-Nationalspieler, der 2007 im Alter von 80 Jahren starb, längst Ehrendoktor der Universität Ankara.

Stadtderbys in Mailand und Wien

Bürgerliche gegen Arbeiter - diese Konstellation nährt auch harsche Abneigung zwischen den beiden Wiener Klubs Austria und Rapid. Nur wenige Derbys seit 1911 blieben ohne Platzverweis, einmal musste der Schiedsrichter sogar abbrechen, weil Rapid nur noch mit sechs Spielern auf dem Feld stand.

Eher aufs Sportliche hingegen reduziert sich die Rivalität zwischen dem AC Mailand und Inter Mailand. Vielleicht, weil Inter nur gegründet wurde, um in Mailand Engländern die Chance zu geben, in einem "internationalen" Klub Fußball zu spielen. Zudem nutzt man seit Jahrzehnten gemeinsam das Giuseppe-Meazza-Stadion.

Und dennoch spielte sich in dieser Arena 1957 einer der lustigsten Derby-Anekdoten überhaupt ab. Vor einem Straßstoß für Milan legte Inter-Spieler Benito Lorenzi listig und unbemerkt eine halbe Zitrone unter den Ball. Milan-Profi Tito Cucchiaroni lief so unwissend wie beherzt an - und schoss weit am Tor vorbei.

EURE MEINUNG: Welches ist euer Lieblingsderby?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf
oder werde Fan von Goal auf !

Dazugehörig