„Was erlauben Struuunz?!“

Wohl selten zuvor hat eine einzige Rede derart viele Neologismen für die deutsche Sprache mit sich gebracht... Formulierungen wie „Ich habe fertig“ oder „schwach wie eine Flasche leer“ sind inzwischen fest verankertes Kulturgut und Bestandteil vieler Werbespots – auch mit dem Protagonisten selbst. Doch wie kam es eigentlich zum legendären Wutausbruch von Giovanni Trapattoni an jenem Frühjahrstag vor gut zwölfeinhalb Jahren? Davon erzählt „20 Jahre – 20 Momente“, die Goal.com-Serie zur deutschen Fußball-Einheit, heute.

Von Elmar NEVELING

Giovanni Trapattoni
München. Rückblende: 10. März 1998, der amtierende Deutsche Meister FC Bayern München knabberte noch an der jüngsten 0:1-Niederlage in der Bundesliga gegen den FC Schalke 04. Der Rückstand auf Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern betrug bereits satte sieben Punkte, es rumorte mal wieder mächtig an der Säbener Straße. Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni, ein Gentleman mit leidenschaftlichem Herzblut für seinen Beruf, trat zur obligatorischen Pressekonferenz an. Was sich dann ereignete, gehört auch heute noch zu den meist wiederholten Szenen des deutschen Fußballs.

Spielerkritik und Medienschelte…

Mario Basler und Mehmet Scholl hatten sich nach dem Schalke-Spiel kritisch geäußert, dass sie nicht in der Startelf standen. Thomas Strunz wiederum hatte seine Auswechslung moniert. Der „FC Hollywood“, er schien wieder neu aufzublühen. Zudem spiele der FC Bayern unter seinem italienischen Trainer viel zu defensiv, so der vorherrschende Medientenor. Bei Trapattoni, nach Titeln einer der erfolgreichsten Trainer weltweit und angesichts seiner Disziplin gerne „Il tedesco“ („der Deutsche“) genannt, hatte sich einiges angestaut. Und das wollte, ja, es musste raus.



„Trap“ wird nach dem Pokalsieg 1998 von seinen Spielern gefeiert

…als Ursprung des Ausbruchs

Der „Mister“ begann in noch ruhigem Ton, ehe die Emotionen plötzlich schier aus ihm herausbrachen: „Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sehen, was passieren in Platz“, schrie er unvermittelt in den Presseraum, ehe seine heute legendären Worte folgten. „In diese Spiel, es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer!“, entgegnete Trapattoni auf die Spielerkritik nach der Schalke-Partie. Die Stimme des damals knapp 59-Jährigen überschlug sich, die gesamte Körpersprache unterstrich seine Erregung: Die Hand schlug auf das Pult, die Arme ruderten. Markus Hörwick schaute gleichermaßen irritiert wie betreten zum neben ihm gerade ausbrechenden Vulkan. Zu gerne hätte der Pressesprecher des FC Bayern wohl beruhigend eingewirkt, wohl wissend um das Medienecho der folgenden Tage.

Ein Wort in aller Munde

Dann schallte ein Name durch den Raum: „STRUUNZ! Strunz ist zwei Jahre hier, hat gespielt zehn Spiele, ist immer verletzt – was erlauben STRUUNZ?“ Unverkennbar, dass Trapattoni bei seiner markanten Aussprache von „Strunz“ dessen sprachliche Nähe zu einem italienischen Schimpfwort nur allzu gelegen kam… Wenig später schloss er die Rede mit seinem nicht minder berühmten „Ich habe fertig!“. Nach gut drei Minuten war die Pressekonferenz beendet. Unter den anwesenden Journalisten herrschte erst ungläubiges Schweigen, dann, während Trapattoni den Raum verließ, erklang einzelner anerkennender Applaus. Selbst Nachrichtensendungen wie das heute-journal im ZDF eröffneten an diesem Tag mit Ausschnitten aus der Wutrede.

Abschied mit Pokalerfolg

Am Saisonende mussten die Münchener in der Liga zwar dem sensationellen Aufsteiger aus Kaiserslautern den Meister-Vortritt lassen, gewannen jedoch im Finale gegen den MSV Duisburg den DFB-Pokal. Allerdings hielt dieser Erfolg „Trap“ nicht davon ab, seine nach der Saison 1994/95 zweite Amtszeit bei den Bayern bereits wieder zu beenden – auch wenn ihn seine Spieler nach dem Endspiel im Berliner Olympiastadion hochleben ließen. Der „Mister“ hatte fertig.



„20 Jahre – 20 Momente“, das ist die Goal.com-Serie zur deutschen Fußball-Einheit. Denn der 21. November 1990 war im deutschen Fußball ein historischer Tag: Der Verband der DDR wurde aufgelöst. Geboren als neues Mitglied des DFB war der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV). Die deutsche Fußball-Einheit war 49 Tage nach der politischen Deutschen Einheit vollzogen. Goal.com erinnert an die größten Triumphe, tragischsten Momente und berüchtigsten Skandale der letzten 20 Jahre.



Goal.com-Umfrage
Die Umfrage läuft vom 27.10.2010 bis zum 31.10.2010
Die Umfrage läuft vom 27.10.2010 bis zum 31.10.2010
Welche ist die spannendste Liga weltweit?
Deutschlands Bundesliga
 
37.5%
Englands Premier League
 
25.26%
Italiens Serie A
 
17.85%
Spaniens Primera Division
 
13.23%
Japans J-League
 
2.22%
Eine andere Liga
 
2%
Frankreichs Ligue Un
 
0.76%
Hollands Ehrendivision
 
0.71%
Brasiliens Serie A
 
0.49%
 
 
 
 
Goal.com-Flutlicht
  1. Eden Hazard und die Geschichte des Millionentransfers, der ihn zu Chelsea führte Eden Hazard und die Geschichte des Millionentransfers, der ihn zu Chelsea führte

    Es ging um richtig viel Geld, als der belgische Shootingstar beiden Großklubs aus Manchester absagte und an die „Stamford Bridge“ wechselte. Dort macht er nun so richtig Kasse.

  2. Bensingers Bayern – Die FCB-Kolumne: Mit zwei Spitzen gegen dreckige Scheine? Bensingers Bayern – Die FCB-Kolumne: Mit zwei Spitzen gegen dreckige Scheine?

    KOLUMNE - Jede Woche gibt euch FCB-Reporter Maximilian Bensinger Einblick in sein Gefühlsleben. Was gibt es Neues an der Säbener Straße? Emotional und erschreckend subjektiv!

  3. Mit Giovinco, M'Vila & van der Wiel: Die EM-Stars, die in diesem Sommer wechseln könnten Mit Giovinco, M'Vila & van der Wiel: Die EM-Stars, die in diesem Sommer wechseln könnten

    Die EM bietet den teilnehmenden Akteuren die Möglichkeit, sich ins Schaufenster zu stellen, um sich für neue Klubs zu empfehlen - wir bieten einen Überblick der Wechselkandidaten.

  4. Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de! Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de!

    Ob Bundesliga, Fußball International oder EM 2012 - Tippe jetzt online gegen Freunde und Kollegen in deiner eigenen Tipprunde