Goal.com 50: Xavi (3)

Der Countdown ist eröffnet - wir stellen Euch die 50 besten Spieler der Saison 2010/11 vor. Dritter im Ranking ist Barcelonas Weltmeister Xavi.

Von Dirian El Amine

Xavi Hernandez, Barcelona(Getty Images)
Willkommen zu Goal.com 50! In dieser Reihe wählen die Goal.com-Redakteure aus der ganzen Welt die 50 besten Spieler der Saison 2010/11. Der Countdown läuft - am 21. August wird der Gewinner bekanntgegeben. Bis dahin werden wir Euch die übrigen 49 Spieler vorstellen, die es in die Top 50 geschafft haben.

Es schien für Xavi der Anfang vom Ende zu werden. Im September 2010 verlor sein FC Barcelona zu Hause gegen Hercules Alicante und Barca-Trainer Pep Guardiola war sich darüber im Klaren, dass der mittlerweile 31-Jährige nicht mehr dazu in der Lage ist, Woche für Woche die Kickstiefel für die Katalanen zu schnüren.

Die Prognosen für den Mittelfeldmann, für die gepriesene Schaltzentrale, den Regisseur beim FC Barcelona, waren da plötzlich nicht mehr vielversprechend. Als Xavi nach Problemen mit der Achillessehne wieder in die Mannschaft zurückkehrte, ließen seine Auftritte im Barca-Trikot immer wieder auf unzulängliche Fitness schließen. Seine Darbietungen blieben weit unter dem, was man von Xavi sonst so gewohnt war. Brilliant war das nicht – logisch, dass bald der Name Cesc Fabregas die Runde machte. Er sollte die Wachablösung für den alternden Star werden.

„Als ich Xavi zum ersten Mal spielen sah, wusste ich, dass er für viele Jahre der Kopf des FC Barcelona werden würde. Er spielt so viel besser als ich es jemals zu meinen besten Zeiten getan habe.“

- Barcelona-Trainer Pep Guardiola

Inzwischen ist fast ein Jahr vergangen. Und auch Cesc Fabregas ist in Barcelona angekommen. Doch wer den jungen Mittelfeldspieler heute bei den Katalanen als Xavi-Nachfolger präsentiert, der erntet bei Fans und Experten gleichermaßen Kopfschütteln. Mittlerweile wird der Fabregas-Transfer von vielen gar als unnötig angesehen. Einerseits, weil der junge Thiago Alcantara sein riesengroßes Talent immer mehr zeigen durfte. Andererseits, weil Xavi nach den anfänglichen Problemen im September und Oktober tatsächlich eine wirklich fantastische Saison aufs Parkett brachte.

Die Sorgen, die im Herbst noch um Xavi bestanden, lösten sich nämlich alsbald in Rauch auf: Der glänzende Passgeber machte 2010/2011 ganze fünfzig Spiele für die Katalanen – so wie in den Vorjahren eben auch. Von Altersschwäche war plötzlich nichts mehr zu sehen, denn Xavi trug einen großen Teil dazu bei, dass Barca sich am Saisonende nicht nur über die Spanische Meisterschaft, sondern auch über den Titel in der Champions League freuen durfte.
DER MOMENT DER SAISON

 LA LIGA
BARCELONA 5-0 REAL MADRID
Wenige Wochen nachdem ihn die meisten in Barcelona fast schon gänzlich abgeschrieben hatten, glänzte Xavi im Clasico. Gegen den Erzrivalen bot der Regisseur eine fast historische Glanzleistung und trug sich mit einem atemberaubenden Volleytor zum 1:0 in die Geschichtsbücher ein.

In der spanischen Liga und der Champions League schaffte Xavi in der letzten Spielzeit fünf Tore und zehn Assists. Ein vordergründig magerer Wert für den 31-Jährigen. Doch Statistiken lassen oftmals nicht auf die Realität, auf das Tatsächliche schließen. Denn Xavi ist es nach wie vor, Statistik hin oder her: Er ist der Motor, der Puls, das Metronom beim wohl besten Klub der Welt. Er schwingt den Taktstock ohne große, ausladende Gesten. Und Xavi ist Erfolgsgarant in Barcelona: Mit ihm gewinnen die Katalanen Titel.

Hervorgehoben muss er werden, dieser Xavi, dem man in Barcelona eigentlich ein Denkmal setzen dürfte. Er ist nicht nur einer der vielen Perfektionisten in der Mannschaft von Pep Guardiola. Xavi spielt die Hauptrolle, die erste Geige. Er zieht die Fäden bei Barca in diesem Tiegel der Macht und des Prestiges. Xavi ist der wahre Prinz. Von La Masia, des vereinseigenen Fußballinternats. Er ist der Prinz des Camp Nou. Der Prinz von Barcelona. Selbst ohne Lionel Messi, dem genialen Weltfußballer, bliebe Barca immer noch die erfolgreiche spanische Garde, die dem Land 2010 den Weltmeistertitel bescherte. Ohne Xavi aber gingen den Katalanen Führungsstärke, Richtungsvorgabe, gingen ihnen Herz und Seele verloren.

Dabei ist er nicht einmal schnell, weder ein profilierter Goalgetter noch ein dynamischer Dribbler. Dennoch ist Xavis Wert für die Mannschaft niemals infrage zu stellen. Gib ihm den Ball und er wird ihn halten, er wird daraus etwas Besseres machen, ihn zurückspielen, ihn einem besser postierten Mannschaftskameraden weitergeben.

Dabei hätte ihm die Geschichte fast einen bösen Streich gespielt: In den späten Neunzigerjahren hätte Xavi den Dunstkreis des Camp Nou fast verlassen, weil er es sich nicht zutraute einen gewissen Pep Guardiola zu ersetzen. Guardiola war der damalige Fanliebling, international anerkannt und ein Mann der Stärke, der fußballerischen Kraft. Heute ist Xavi sogar besser als es Pep damals war. Auch das ein Beleg für die stetige Weiterentwicklung des antik wirkenden Nachwuchssystems um die La Masia, die polarisierende Nachwuchsakademie der Katalanen.

Xavi nimmt im Spiel einfach immer den Barca-Weg. Er ist einer der wenigen Mittelfeldspieler, die es hervorragend verstehen, mit dem Ball perfekt umzugehen. So wie Guardiola damals, so wie die Mitspieler Fabregas und Iniesta heute. Oder wie Talent Thiago. „Ich passe und bewege mich dann. Ich stoppe, ich hebe meinen Kopf, ich schaue und eröffne das Spiel. Wer den Ball hat, bestimmt das Spiel“, erzählte Xavi letztes Jahr in einem Interview. Seine Spielphilosophie ist zu einhundert Prozent die des FC Barcelona.

„Er ist nicht nur einer der vielen Perfektionisten in der Mannschaft von Pep Guardiola. Xavi spielt die Hauptrolle, die erste Geige. Er zieht die Fäden bei Barca in diesem Tiegel der Macht und des Prestiges. Xavi ist der wahre Prinz. Von La Masia, des vereinseigenen Fußballinternats. Er ist der Prinz des Camp Nou. Der Prinz von Barcelona.“


Die Ankunft von Cesc Fabregas wird dem Mittelfeld-Meister nicht zum Nackenschlag gereichen. Vielmehr gibt es Xavi die Möglichkeit, ein wenig kürzerzutreten, zwischendurch mal eine Pause einzulegen, Kraft zu sparen für die größten Schlachten, die der FC Barcelona zu schlagen hat. Der jüngere Fabregas ist nicht der Ersatz für den erfahrenen Kollegen. Zumindest noch nicht. „Ich bin nicht hier, um Xavi zu ersetzen“, sagte Fabregas selbst. „Er hat noch einige gute Jahre vor sich. Er ist unglaublich.“ Ja, das ist er. Bis 2014 läuft Xavis Vertrag in Barcelona noch – zuzüglich der Option auf zwei weitere Jahre bei den Katalanen. Xavi ist also an seinem Ende noch längst nicht angelangt. Es ist auch nicht der Anfang vom Ende. Sondern vielleicht das Ende vom Anfang.


Goal.com-Umfrage
Die Umfrage läuft vom 11.08.2011 bis zum 25.08.2011
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