Algerien nach der Heimpleite: Es bleibt ein „bitterer Nachgeschmack"

„Know Your Rivals!“ Unter diesem Motto hat Goal.com vor den Testspielen sein neues WM-Projekt gestartet. Wir haben unser weltweites Netzwerk durch Experten ergänzt, die ihre Nationalteams, Stars und Sternchen kennen wie ihre eigene Westentasche. Lernt also Deutschlands 31 Konkurrenten um die Fußball-Weltkrone besser kennen. Wir machen euch fit für die WM und zum echten Experten!

Von Dirian EL AMINE

Karim Matmour - Algeria (Getty Images)
Berlin. Mit einer ersten Reihe an wichtigen Testspielen wirft die WM 2010 jetzt also ihre Schatten voraus. In unserer Rubrik „Know Your Rivals“ kommen nach dem Schlusspfiff erneut die Experten zu Wort. Für Algerien beantwortet uns Naim Beneddra die wichtigsten Fragen nach der 0:3-Niederlage gegen Serbien.

Welche Eindrücke hast du nach diesem Spiel gewonnen?

Mein allgemeiner Eindruck ist, dass dieses Spiel für Algerien einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. In der ersten Halbzeit des Spiels haben wir uns stark präsentiert – es gab die Möglichkeit, einen guten Auftritt hinzulegen. Wir ließen den Ball gut laufen und bedrängten den serbischen Keeper Stojkovic. Leider waren wir nicht effektiv genug. Nach dem ersten Gegentor sah es so aus, als kämen wir nochmals zurück aber schon nach wenigen Sekunden ließ sich jeder hängen. Wir hätten mehr Moral zeigen müssen.

Welche Probleme warten denn noch auf Algerien? Was muss jetzt in den Griff gekriegt werden?

Dieses Testspiel wird uns eine Lehre sein. Es ist besser, jetzt eine Schlappe hinzunehmen als während der WM. Wir konnten am Mittwoch sehen, dass wir vom internationalen Top-Niveau noch weit entfernt sind. Es ist natürlich schwer, diese Niederlage abzuhaken, aber wir werden daraus lernen und ein starkes Team werden.

Natürlich bin ich ein wenig streng mit der Mannschaft: Im ersten Durchgang der Partie waren wir nah dran, ein Tor zu erzielen. Aber Serbien spielte einfach gut und deshalb ist das Ergebnis auch akzeptabel und verdient.

Welche Spieler haben möglicherweise ihre Chance auf die WM nun vergrößert?

Diejenigen, die sich gut präsentiert haben, auch wenn es nicht viele waren: Hassan Yebda vielleicht und Karim Ziani, wie schon so oft. Medhi Lacen machte einen guten Job. Auf der serbischen Seite, gefiel mir die Dynamik Pantelics. Wir waren auf Zigic gespannt, aber er war nicht so brilliant wie Kollege Pantelic.

Und wer hat enttäuscht?

Das ganze Team hat nicht so wirklich überzeugt. Deshalb ist es nicht fair, einen einzelnen Spieler zu kritisieren. Dennoch würde ich mich auf Torhüter Lounes Gaouaoui und den Verteidiger Slimane Raho festlegen – sie haben enttäuscht.

Wie steht es mit dem Gegner: Wie beurteilst du die Leistung von Serbien?


Sie haben eine tolle Mannschaft. Während der Qualifikation sahen wir es und natürlich auch diesen Mittwoch. Sie haben bewiesen, dass sie stark sind. Außerdem brauchen sie nicht 100 Möglichkeiten, um das Tor zu treffen, im Gegensatz zu den Algeriern eben. Für die Weltmeisterschaft haben die Serben somit ein Mittel, das es ihnen ermöglicht, die Gruppenphase zu überstehen. Ich sehe sie stärker als Ghana und Australien, denn sie ähneln in gewisser Weise dem jugoslawischen Team von 1998, das in allen Mannschaftsteilen zu überzeugen wusste. Nun darf man gespannt sein, wie sich Serbien gegen einen stärkeren Gegner präsentiert.

Der Countdown läuft. Es sind keine 100 Tage mehr bis zur Weltmeisterschaft. Ist die Vorfreude gestiegen?

Nein, wir sind ein wenig pessimistisch geworden im Hinblick auf die WM. Es wäre schon ein großartiges Ergebnis, wenn wir Slowenien schlagen würden. Doch wir sollten uns jetzt nicht zu viele Fragen stellen. Die algerische Auswahl ist in einer Trainingsphase und wenn man die Ergebnisse der anderen Testspiele anschaut, kann man sagen, dass diese Niederlage keine Katastrophe ist. Wir haben noch genug Zeit, um Dinge zu ändern.

Eindrucksvoll war, dass mehr als 80.000 Zuschauer im Stadion waren, obwohl es sich nur um ein einfaches Freundschaftsspiel handelte. Das stimmt mich zufrieden. Allerdings ist es auch sehr schade, dass die Zuschauer derartig enttäuscht worden sind.



 
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