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Der HSV hat 1,3 Millionen Euro Siegprämie bei einem fragwürdigen Fußballturnier in Südkorea kassiert: Hinter dem "Peace Cup" steht die Moon-Sekte. Das Fußballmagazin RUND berichtet



Der Gewinn des „Peace Cups“, der vom 19. bis 22. Juli in Suwon (Südkorea), 50 Kilometer südlich von Seoul, stattfand, und 1,3 Millionen Euro in die Kassen brachte, wird auf dem Briefpapier des Hamburger Sportvereins keinen Niederschlag finden. Auch auf den Wimpeln nicht, und ein Trikot wird es ebenfalls nicht geben. Es existiert ein Foto, auf dem HSV-Trainer Thorsten Fink, HSV-Vorstand Joachim Hilke, und Charles Kim einen Vertrag unterschreiben. Sie sitzen in einer Loge des Volksparkstadions. Kim ist Generalsekretär der Sunmoon Peace Football Foundation, die seit 2003 alle zwei Jahre den „Peace Cup“ ausrichtet. PSV Eindhoven, Tottenham Hotspur, Olympique Lyon und Aston Villa haben ihn gewonnen, außer 1860 München im Jahr 2003 hat kein deutscher Club daran teil genommen, so schlecht wie 2012 war die Besetzung noch nie.

„Pecunia non olet“, sagt der Lateiner, aber der „Peace Cup“ und die Prämie, die riechen schon ein wenig. Der „Peace Cup“ soll zur Völkerverständigung und beitragen und helfen, Ideologien zu überwinden. Die gesamten Gewinne, die mit der Vermarktung des Wettbewerbes erzielt werden, werden an Hunger leidende Kinder in Asien und Afrika gespendet. So verlautet. Alles wunderbar. Nun kam bei der Siegerehrung in Suwon ein alter Mann auf die Bühne. Während des Feuerwerks, sehr schön, sehr professionell, dieses Feuerwerk, berichten Augenzeugen. Der alte Mann überreichte den „Peace Cup“. Er heißt Sun Myung Moon, und hat das biblische Alter von 92 erreicht. Mit 15 Jahren erschien Moon am Ostersonntag Christus und bat ihn, seine Mission weiterzuführen. Seitdem sieht sich Moon als Christus' Nachfolger und Vollender. Moon ist ein reicher Mann und führt eine Sekte, die früher Vereinigungskirche hieß, und sich heute in Deutschland „Tongil-Gyo Vereinigungsbewegung“ nennt. Eingebürgert hat sich das Wort „Moonies“.

Es gibt Menschen auf der Welt, die halten „Reverend Moon“, den männlichen Teil der „Wahren Eltern“, wie er sich und seine Gattin Hak-Ja Han nennt, für gefährlich. Von 1995 bis 2006 bestand ein Einreiseverbot des deutschen Bundesinnenministeriums für Moon und Frau. Die Begründung lautete, dass die „Moonies“ zu den Jugendsekten und Psychogruppen gehören, deren Aktivitäten junge Menschen gefährden können. Im November 2006 wurde diese Verfügung vom Bundesverfassungsgericht aus Gründen der Religionsfreiheit aufgehoben und ans Oberverwaltungsgericht (OVG) Rheinland-Pfalz zurückverwiesen. Das OVG hob das Einreiseverbot im Mai 2007 auf, weil nur erhebliche Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder die nationale Sicherheit derartige Einreiseverbote begründen können. Japan lässt Moon nicht rein.

Beim letzten Besuch von Reverend Moon in Deutschland, am 19. Mai 2011 im Berliner Tempodrom, war Friedmann Eißler dabei, bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen für neue religiöse Bewegungen zuständig. Im Tempodrom erklärte Moon, der Himmel habe, durch die „Wahren Eltern“ offenbart, dass am 13. Januar 2013 „der tatsächliche Beginn“ sein wird. „Auch wenn etwas unklar blieb, was da genau beginnen wird“, sagt Eißler, „so war doch unüberhörbar, dass in der Zeit bis zu jenem „D-Day“ der Weltgeschichte, die Menschheit den Weg einschlagen muss, Moon zu folgen, seine Bücher zu studieren, sich segnen zu lassen und so der heiligen Regentschaft des Friedens und des Glücks entgegenzugehen“. Moon, der stets mit donnernder Stimme spricht, verkündete in Berlin, dass „die Wahren Eltern dafür verantwortlich sind, der gesamten Menschheit das ewige Leben zu bringen“. Wenn sich die Menschheit nicht von Moon bekehren lässt, läuft es ab 13. Januar 2013 richtig mies.

Moon kann sich so was wie den „Peace Cup“ leisten, bei dem er alle Unkosten der teilnehmenden Mannschaften übernimmt, weil er ein paar Zeitungen besitzt, in den USA, in Uruguay, dort außerdem eine moderne Druckerei, die drittgrößte Bank des Landes und das beste Hotel in Montevideo. Er verdient am Handel mit Ginseng und angeblich auch am Import von Sushi in die USA. Aber das weiß man nicht genau. Es ist manches dunkel im Reiche Moon. Düster ist seine Vorstellung von der satanischen Blutslinie, die seit dem Sündenfall Adams und Evas die Welt beherrscht, und die nur durch eine radikale Rückbesinnung auf Gott überwunden werden kann. Er vertritt eine demagogische Lehre, die mit der Vorstellung einer freien Gesellschaft nicht zu vereinbaren ist. Keine Überraschung, dass Moon gute Beziehungen zu Nordkoreas Diktator Kim Il Sung hatte.

Mit diesem bemerkenswerten Mann hat der HSV zusammengearbeitet. „Wir wussten, wer hinter dem Peace Cup steckt“, sagt HSV-Pressesprecher Jörn Wolf, „auch dass Moon der Geldgeber ist, war uns bekannt.“ Bei Vertragsunterschrift habe der HSV „klar gestellt“, dass „wir bei diesem Turnier nicht teilnehmen, um uns zu irgendwas zu verpflichten“, und dass „sich der HSV nicht vor einen Karren spannen lässt. Das hat Moon auch nicht probiert“, so Wolf.

Im Unterschied zu Wolf sieht Eißler den Karren, vor den sich der HSV hat spannen lassen, ziemlich deutlich. Er findet es fragwürdig, „wenn man sich für eine Veranstaltung wie den Peace Cup hergibt“, weil die Moon-Sekte auf der Homepage des Wettbewerbs und auch sonst mit dem HSV renommiert. Eißler fragt sich: „Warum tut man das?“ Er geht davon aus, „dass beide Seiten etwas davon haben.“ Der HSV das Geld, und Moon „die Publicity“.

Das Finale des Peace Cups 2012 gewann der HSV gegen Südkoreas Rekordmeister Seongnam Ilhwa Chunma. Einer der beiden Clubs gehört Moon schon.

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