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RUND - Lothar Matthäus erinnert sich: „Rudi, bleib mal da auf dem Platz"

RUND - Lothar Matthäus erinnert sich: „Rudi, bleib mal da auf dem Platz"

20 Jahre bei der Nationalelf: Rekordnationalspieler Lothar Matthäus über Franz Beckenbauer und Berti Vogts. Ein RUND-Interview Interview von Matthias Greulich.










Überall, wo Lothar Matthäus ist, die Kameras sind schon da. Die Kameras filmen ihn auch an einem Sonntag in Köln, wenn er im Büro seines Managements Autogramme schreibt. Sein Manager Wim Vogel hat ihm einen Stapel Autogrammkarten auf den Schreibtisch gelegt, die Matthäus in beachtlichem Tempo signiert. „Er weiß, wie das geht. Vor 15 Jahren, kein Witz, da mussten wir bei Bayern München 1.000 Autogrammkarten abgeben. In der Woche", sagt er und schaut routiniert in die Kamera. Derzeit ist das Leben von Lothar Matthäus bei Vox zu sehen. Bevor die Doku-Soap auf Sendung ging, blieb noch Zeit für ein Gespräch über die Nationalelf.

RUND: Herr Matthäus, haben Sie sich das Finale der WM 1990 später noch einmal angesehen?


Lothar Matthäus: Nein, noch nie. Ich habe eine Kassette zuhause, aber ich gucke mir eigentlich selten Spiele aus meiner Vergangenheit an. Was mir auffällt. Wenn ich alte Szenen sehe: Der Bereich, in dem gespielt wurde, war früher 60 Meter lang, heute ist es 35 mal 35 Meter.

RUND: Sagen Sie uns etwas zur damaligen Grundformation?


Lothar Matthäus: Wir haben im 3-5-2-System gespielt. Mit Augenthaler – Kohler – Buchwald als Dreierkette. Wenn der Gegner nur mit einer Sturmspitze gespielt hat, ist der Buchwald ein bisschen ins Mittelfeld hinter mir gekommen. So hat er ja auch im Endspiel gegen Maradona gespielt. Ich war der Sechser im zentralen Bereich. Außen waren Brehme und Berthold. Ich auf ähnlicher Linie mit den beiden. Davor waren auf den Halbpositionen Häßler und Littbarski. Und vorne waren die zwei Stürmer Völler und Klinsmann. Das war die Grundformation. Wenn Völler verletzt war hat Riedle gespielt. Wenn im Mittelfeld was getauscht worden ist, hat Olaf Thon oder Uwe Bein gespielt.

RUND: Alles ähnliche Spielertypen.


Lothar Matthäus: Das waren eigentlich alles Zehner, die da gespielt haben. Alles offensiv ausgerichtete Mittelfeldspieler. Es war kein typischer Sechser dabei. Das war eigentlich der Guido Buchwald. Und ich hatte bei Inter Mailand nicht nur die Zehn auf dem Rücken getragen, ich war auch der offensive Mittelfeldspieler. Anders wie gesagt bei der Nationalmannschaft: Es war abgesprochen, dass ich diese Sechser-Position etwas aus der Defensive heraus spielte. Ich hatte das in Mönchengladbach und bei Bayern schon gespielt. Ich würde sagen zwischen sechs und acht. Wenn ich nach vorne gegangen bin wusste ich, dass Littbarski oder Häßler sich etwas tiefer fallen lassen würde. Das hat hervorragend funktioniert.

RUND: Damals ist noch keine Mannschaft ohne Libero ausgekommen.


Lothar Matthäus: Das hat Milan als erfolgreichste Klubmannschaft auch gespielt. Franco Baresi stand immer fünf Meter diagonal hinter Costacurta. Augenthaler immer fünf Meter diagonal hinter Kohler.

RUND: Hat Ihnen Franz Beckenbauer im Endspiel vorgegeben, seltener vors Tor zu gehen als noch gegen Jugoslawien?


Lothar Matthäus: Es war natürlich ein anderes Spiel. Ein Endspiel. Wir waren etwas vorsichtiger. Und wir haben vielleicht auch nicht mehr so befreit gespielt wie am Anfang. Wir wussten die Argentinier sind gefährlich, zwar nicht mehr so wie 1986, aber es war eine gefährliche Mannschaft. Nach vorne waren wir immer gut aufgestellt. Man hat mich nicht unbedingt gebraucht, um als einziger Spieler Akzente zu setzen. Aber: Wenn wir doch ganz ehrlich sind, hat einer der vereinzelten Vorstöße von mir zum Elfmeter geführt.

RUND: Als Sie den Ball nach rechts zu Rudi Völler durchsteckten.


Lothar Matthäus: Das hatten Rudi Völler und ich vorher im Training in Erba einstudiert. Auf eigene Initiative. Ich glaube es war nach dem Halbfinalspiel gegen England. Ich nahm Rudi Völler zur Seite: „Rudi, bleib mal da auf dem Platz. Ich komme aus dem Mittelfeld und du gehst in den Raum halblinks oder halbrechts und ich spiel dir den Ball durch.“ Genau diese Situation hat zu dem Elfmeter geführt.

RUND: Den Elfmeter gegen Argentinien hat Andreas Brehme mit rechts verwandelt.


Lothar Matthäus: Andy Brehme war für mich das Phänomen schlechthin. Man wusste nicht, ob er Links- oder Rechtsfuß ist. Vielleicht weiß er es selber gar nicht. Er ist auch nach innen gegangen, wie gegen Holland, wo er den Ball mit rechts aufs lange Eck geschlenzt hat. Den Elfmeter hat er mit rechts geschossen. Aber 70 oder 80 Prozent hat er mit links gemacht.

 

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