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RUND - Seltene Einblicke in das verschlossene System Profifußball

RUND - Seltene Einblicke in das verschlossene System Profifußball

Bongarts

Filmemacher Klaus Stern gibt mit seinem Film Einblick in den Alltag der Spielerberater. Einer von ihnen ist Jörg Neblung. Das Fußballmagazin RUND hat für euch hingeschaut.










Licht am Ende des Tunnels

Seltene Einblicke in das verschlossene System Profifußball: Klaus Stern hat Jörg Neblung, der Profis wie Timo Hildebrand zu seinen Klienten zählt, ein halbes Jahr begleitet. „Spielerberater“ ist ein großartiger Film über ein knallhartes Geschäft. Von Matthias Greulich.

Horst Heldt legt die Mappe mit den Verträgen auf den Tisch des Konferenzraums. Er wirft noch seinen Kugelschreiber drauf. „Ich habe unterschrieben. Muss aber jetzt los“, Timo Hildebrand und sein Berater Jörg Neblung sind vom FC Schalke 04 und dessen Manager wochenlang hingehalten worden, nun müssen sie froh sein, dass der Torhüter zwei weitere Jahre in Gelsenkirchen spielen kann. „Das war so ziemlich die unromantischste Vertragsverlängerung, die ich so mitgemacht habe“, sagt Neblung. Filmemacher Klaus Stern hat diese Szene aus dem Mai fast ans Ende seines Dokumentarfilms „Spielerberater“ gestellt, der am heutigen Dienstag, 19. Juni, um 0.15 Uhr im Ersten zu sehen ist.



Stern und Neblung kennen sich seit 2009. Ursprünglich war ein Film über Neblungs Klienten und Freund Robert Enke geplant, der nicht zustande kam. Nach Enkes Selbstmord stellte sich Neblung „die Sinnfrage“, wie er sagt. Seine Firma Neblung Sportsnetwork musste er verkleinern, inzwischen sieht er geschäftlich „wieder Licht am Ende des Tunnels“. Sein Spezialgebiet sind Torhüter: Neben Hildebrand berät er auch Stefan Ortega vom Drittligisten Arminia Bielefeld, der gerade seinen Stammplatz verloren hat. Neblung redet in den Gesprächen mit seinen Spielern nicht um den heißen Brei herum. „Es gibt genügend Leute, die dir sagen, wie toll du bist. Das bekommst du von mir nicht“ Er nennt das „Termin Kopfwäsche“. Es sind Einblicke in das sonst verschlossene System Profifußball, wie es sie selten zu sehen gibt. Wie zuletzt in seinem Film „Versicherungsverteter“ verzichtet Klaus Stern auf auf einen Sprecher, der das Geschehen erklären muss.



Der Film zeigt Neblung beim Länderpokal in Duisburg („Fast alle Talente aus Deutschland sind hier auf engstem Raum versammelt“) und im türkischen Belek, wo einige Bundesligisten ihr Trainingslager abhalten. Es ist nicht so, dass alle Sportdirektoren darauf warten, dass man ihnen Spieler anbietet. Michael Preetz von Hertha BSC gibt sich wenig Mühe für professionelle Freundlichkeit, als Neblung ihm ausgedruckte Profile einiger Profis in die Hand gibt. Und dabei gehört Neblung noch zu den seriösen Spielerberatern in einer Branche, in der bei Transfers Millionen umgesetzt werden und „in die immer mehr Leute reindrängen“.



In einem Mehrfamilienhaus in Münster trinkt der Berater Kaffee mit Familie Dirks, deren Sohn Henning in der U19 von Preußen Münster auf sich aufmerksam gemacht hat. Der nächste Karriereschritt will geplant sein. Beide Seiten werden sich handelseinig: Sieben bis zwölf Prozent der Vertragssumme bekommt Neblung Sportsnetwork für ihre Dienste. In der kommenden Saison wird Dirks bei der U19 von Borussia Dortmund spielen, vielleicht gelingt ihm in einigen Jahren der Durchbruch beim Deutschen Meister. 



Vor fünf Jahren wurde Timo Hildebrand Meister mit dem VfB Stuttgart. Damals ließ er sich von seinem damaligen Berater überzeugen, zum FC Valencia zu wechseln. Neblung nennt das einen „Fehler“. Nach den Stationen 1899 Hoffenheim und Sporting Lissabon, steht der ehemalige Nationalspieler im Sommer 2011 ohne Verein da, bis er doch noch bei Schalke unterkommt. Im Februar 2012 kehrt er durch den Kreuzbandriss von Stammtorwart Ralf Fährmann ins Tor zurück, verletzt sich aber seinerseits im März an der Schulter. Klaus Stern, selber Torhüter in seiner Heimatstadt Kassel, zeigt wie sich selbst kleine Patzer auf dem Platz zu sportlichen Katastrophen auswachsen können. Wenigstens kostet die Verletzung Hildebrand nicht den Job. Neblung klatscht seinen Mandanten ab, als alle Verträge mit Heldts blauem Plastikkuli unterschrieben sind. „In diesem Fall war der Weg das Ziel“, sagt der Spielerberater. Selbst ein Mann mit einigem Verhandlungsgeschick, so wie Neblung, konnte nicht mehr herausholen.

 

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