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In der Hauptstadt des schönen Spiels: Barça-Fans aus Südkorea fliegen 17 Stunden, um ihre Mannschaft spielen zu sehen. In den Cafés von Barcelona diskutieren sie am nächsten Tag über die taktischen Veränderungen von Trainer Pep Guardiola.


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Barcelona
. Steil geht der Blick hinunter auf den Strafraum, in dem ein kleiner Spieler einen Haken schlägt, wie es nur ganz wenige können. „Messi. Messi. Messi!“, ruft Shin Won und seine Stimme überschlägt sich dabei vor Aufregung. Als er sich zu seinem Nachbarn dreht, sehe ich, was zu ahnen war: Er trägt ein Barça-Trikot, das mit dem Namen und der Nummer zehn des FC Barcelona bedruckt ist.

Messi schießt, doch der Ball geht knapp ins Aus. Shin Won klatscht. Er schaut kurz zu seinem Kumpel Ji Hun mit dem Trikot Xavi Nr. 6, der den Angriff mit seiner Digitalkamera festgehalten hat. Es bleibt keine Zeit zum Luftholen. Tak, tak, tak. Die Spieler von Barça passen sich den Ball in einer Geschwindigkeit zu, die kaum zu fassen ist. „Iniesta. Inista. Iniesta!“, kommentiert Shin Won aus dem Großraum Seoul den nächsten Angriff. Er wird noch weitere Namen an diesem Abend in den Nachthimmel rufen: Xavi, Puyol und Villa.

Kaum ist Barça richtig in Fahrt gekommen ist Halbzeit. Die beiden Fans aus Südkorea fragen, ob ich sie in ihren Barça-Trikots fotografieren könne. Kein Problem. Schließlich sind wir schön über Bum Kun Cha, den ehemaligen Helden von Eintracht Frankfurt und Heung Min Son, der bei seinem ersten Bundesliga-Tor für den HSV erst 18 Jahre alt war, ins Plaudern gekommen. Sie kennen auch deutsche Fußballer. Wen denn? „Klensmon“, sagt Ji Hun, während er seinen Kumpel umarmt und beide ihren Daumen heben. Sie sind angekommen in der Heimat des schönen Spiels. In Camp Nou. Siebzehn Stunden im Flugzeug für fünf Tage Barcelona. Zwei Mal beim Training. Einmal im Vereinsmuseum. Heute im Stadion: „Weil wir den Fußball hier so sehr lieben.“

Das Spiel ist aus. Die Zuschauer singen die Vereinshymne auf Katalanisch. Barça hat in der zweiten Hälfte das schöne Spiel nahezu perfekt demonstriert. Meine sichtlich euphorisierten Sitznachbarn sind nach diesem rauschhaften Spiel noch nicht wieder komplett ansprechbar. „Klensmon“, ruft Jin Hun freundlich zum Abschied und lacht. Aber er denkt nicht an Jürgen Klinsmann, während er die steilen Stufen zum Ausgang heruntersteigt.

Die Gesprächsthemen, über die am Montag in den Cafés der Hauptstadt des schönen Spiel geredet wird, gibt die täglich erscheinende Sportzeitschrift „Mundo Deportivo“ vor. Auf der Titelseite ein Bild von Pep Guardiola und eine Schiefertafel mit den drei taktischen Änderungen, mit denen der Trainer den Gegner in der zweiten Halbzeit überrascht hat. Auch wenn es schwer fällt: Das muss man sich mal in Deutschland vorstellen.

In seiner auf dem Titel angekündigten Kolumne „Die Tafel“ erklärt der Sportjournalist Oriol Domènech, wie Guardiola das übliche 4-3-3 bei Ballbesitz in ein 4-4-2 änderte. Selbst Domènech, der ein größerer Experte als sein Fast-Namensvetter aus Frankreich sein dürfte, zeigt sich über einige taktische Schachzüge auf dem Feld verblüfft.

Guardiola lässt Messi auf dem Spielfeld rochieren: In den ersten 15 Minuten des Spiels spielt er ganz rechts, in den nächsten 30 auf der Neuner-Position. Nach der Pause stürmt er in der Mitte neben David Villa, hinter den er bei gegnerischen Ballbesitz in die vordere Mittelfeldzentrale rückt. Klingt kompliziert. Ist aber spannend. Und sieht sogar noch aus der Vogelperspektive in Camp Nou spektakulär aus.

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