Die Top-11-WM-Skandale

Das Weltturnier in Südafrika naht. Hier sind die originellsten Skandale der WM-Geschichte.

Alain Giresse, 1984 (Getty Images)

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Skandal: Apfelsine

Otto Nerz war nicht nur der deutsche Nationaltrainer, sondern auch Arzt. Bei der WM 1934 in Italien untersagte er das Essen von Apfelsinen, weil das die Leistung mindere. Stürmer Sigmund Haringer, genannt Sigi, von Bayern München aß aber nach dem 5:2 über Belgien im Achtelfinale auf dem Bahnsteig eine Apfelsine. Nerz schickte Haringer wegen Disziplinlosigkeit nach Hause.
 
Skandal: Fernbleiben


Uruguay gewann zwar 1930 im eigenen Land die erste WM, doch die Freude wurde dadurch getrübt, dass die meisten bedeutenden Fußballnationen Europas die Überseereise nicht angetreten hatten. Das vergaß man in Uruguay nicht: 1934 erfolgte die Revanche, indem man an der nächsten WM in Italien nicht teilnahm.
 
Skandal: Faustschläge


Die erste rote Karte gab’s nach sechs Minuten. Die Partie von Gastgeber Chile 1962 gegen Italien war das ruppigste Spiel der WM-Historie. Die Italiener traten derart zu, dass später über Aufputschmittel gemunkelt wurde. Die Chilenen wehrten sich mit Faustschlägen. Polizei und Militär brachten das Spiel über die Bühne – bis zur 88. Minute. Dann pfiff der Schiri ab. Endlich.
 
Skandal: ein Prinz


Gerade hatte der Franzose Alain Giresse bei der WM 1982 das 4:1 gegen Kuwait geschossen, da begab sich höchst Merkwürdiges: Prinz Fahid al-Ahmad al-Sabah, der kuwaitische Verbandspräsident, rannte wild gestikulierend auf den Platz und brachte den Schiedsrichter dazu, das Tor zurückzunehmen. Weniger kurios: Acht Jahre später ermordeten Saddam Husseins Truppen den Prinzen beim Einmarsch in Kuwait.
 
Skandal: Schuhzwang


1950 war das bislang einzige Mal, dass sich Indien für eine WM qualifiziert hatte. Als allerdings klar war, dass man nur mit geeignetem Schuhwerk antreten durfte, sagte der indische Verband die Weltreise nach Brasilien kurzfristig ab. Der Grund könnte einleuchtender nicht sein: Die Spieler wollten barfuß spielen, wie sie es gewohnt waren.
 
Skandal: The Greek


In den USA leben eine Menge irschstämmiger Menschen. Klar, dass der irische Fußballverband die bei der WM 1994 gerne in die Stadien locken wollte. Dafür zahlte die Irish Football Association einem Herrn namens George the Greek 474.125 Dollar für Tickets. Einziges Manko: Weder wurde der Grieche jemals wieder gesehen, noch tauchten die Billets irgendwo auf.
 
Skandal: Wilhelmine

Bei der WM 1930 sagte Holland seine Teilnahme ab. Und dass, obwohl Gastgeber Uruguay bei seinem Olympiasieg zwei Jahre zuvor die Stadien in Amsterdam gefüllt hatte. In Montevideo war man sehr verletzt. Eine erboste Menschenmenge zog vor das Botschaftsgebäude, verbrannte niederländische Fahnen und machte seiner Enttäuschung durch Schmährufe auf Königin Wilhemine Luft.
 

Skandal: Windhunde

Eigentlich sollten 1966 alle WM-Spiele in London im Wembley Stadion ausgetragen werden. Nur eines, Uruguay gegen Frankreich, musste ins denkbar ungeeignete White City Stadium, dem Olympiastadion von 1908, verlegt werden. Die Besitzer von Wembley weigerten sich beharrlich, eigens für die WM ein traditionelles Windhund-Rennen zu verlegen.
 

Skandal: Mit Rot dabei


Der Brasilianer Garrincha bekam im Halbfinale der WM 1962 in Chile eine rote Karte, durfte aber dennoch im Finale gegen die Tschechoslowakei auflaufen. Ein Weltmeister aus einem sozialistischen Land schien damals nicht opportun. Da traf es sich blendend, dass der Linienrichter, der die Tätlichkeit beobachtet hatte, an der anschließenden Anhörung nicht teilnehmen konnte: Brasilien hatte ihm ein Flugticket von Santiago nach Montevideo geschenkt – mit Zwischenstopp in Paris.
 
Skandal: Spitzel


Brasilien und Ungarn treffen 1954 aufeinander und liefern sich statt des erwarteten tollen Matches eine üble Treterei. Angeblich soll noch nach Abpfiff Puskas dem brasilianischen Spieler Baltazar eine Flasche auf dem Kopf zertrümmert haben. Die Brasilianer begründeten ihre Niederlage damit, dass der englische Schiedsrichter Arthur Ellis ein kommunistischer Spitzel gewesen sei.
 
Skandal: Folterstadion


September 1973: Putsch in Chile. November 1973: Das Rückspiel der WM-Qualifikation zwischen Chile und der Sowjetunion steht an. Die Junta nutzt das Stadion in Santiago de Chile, um Regimegegner zu foltern. In diesem Land, in diesem Stadion will die Sowjetunion nicht antreten. Die Fifa erklärt den Platz für bespielbar. Die Sowjets treten nicht an, das Spiel wird 2:0 für Chile gewertet. Der Vizeeuropameister ist nicht bei der WM.


 
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