Bundesverdienstkreuz für Benjamin Adrion - „Das vergisst du nicht“

Benjamin Adrion wurde gestern von Horst Köhler mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Der Exprofi des FC St. Pauli ist Gründer der Initiative Viva con Agua, die in vier Jahren über 700.000 Euro für Trinkwasserprojekte in Entwicklungsländern gesammelt hat.

In Äthopien hat Benjamin Adrion neue Freundschaften geschlossen. Foto John Broemstrup/Viva con Agua
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Von Matthias GREULICH


In den Mülleimern sind Pfandbecher, die bald zu Trinkwasser werden. Benny Adrion schiebt einen dieser Eimer und liefert sich mit einigen anderen Eimerfahrern ein kleines Wettrennen. Die meisten der 30.000 Besucher beim Konzert von Peter Fox sind auf dem Heimweg, da beginnt die Gruppe von „Viva con Agua“ zu zählen, was an diesem Abend an Spenden reingekommen ist. 

700.000 Euro für Trinkwasserprojekte

Mehr als 700.000 Euro hat „Viva con Agua“ in den vergangenen vier Jahren für Trinkwasserprojekte gesammelt. Neben dem Sammeln von Pfandbechern auf Konzerten, gibt es viele kreative Aktionen, wie den "Wasser!Marsch", bei dem VcA-Aktivisten von Hamburg zur Europameisterschaft 2008 in die Schweiz wanderten.

Bundesverdienstkreuz für Gründer Benjamin Arion

Gründer Benjamin Arion, 28, wurde von Bundespräsident Horst Köhler am 5. Oktober das Bundesverdienstkreuz verliehen. Köhler lobte Adrion für dessen „große Ernsthaftigkeit und Intensität“, mit der er sich für eine bessere Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern engagiert. Der ehemalige Fußballprofi des FC St. Pauli kommentierte die Auszeichnung weniger staatstragend: „Das ist der Hammer. Ich nehme das Ding stellvertretend für alle Menschen, die Viva con Agua unterstützt haben und unterstützen an.“

Adrions Popularität war zu Beginn wichtig

Gerade mal zehn Fußballer haben bislang das Bundesverdienstkreuz für ihre Dienste an der Allgemeinheit erhalten – bei bislang rund 240.000 Verleihungen eine überschaubare Anzahl. Es sind die ganz Großen des Ballsports wie Franz Beckenbauer und Uwe Seeler. Und nun also Benjamin Adrion, der seine Karriere Ende 2006 beim FC St. Pauli beendete, als der Verein noch in der Regionalliga spielte. Der Kiezklub ist Kooperationspartner, Adrions Popularität war zu Beginn wichtig, um „Viva con Agua“ bekannt zu machen. 

Mit eigenen Augen ansehen, wie die Spenden eingesetzt werden

Adrion und seine Mitstreiter schauen sich jedes Mal mit eigenen Augen an, wie die Spenden eingesetzt werden. Sie fahren in das jeweilige Land, um sich die neu gebauten Brunnen anzusehen. Im Dorf Sodo in Äthopien waren sie schon zwei Mal, dort hatte sich viel verändert: „Die zeitaufwändigen Märsche zum Wasserholen fallen weg. Noch mehr Kinder können die Schule besuchen“, sagte Berthold zu Biesen von der Welthungerhilfe, dem Kooperationspartner von „Viva con Agua“. Ein Mädchen aus Sodo hatte zur Begrüßung ihr „Viva con Agua“ T-Shirts angezogen. „Solche Erlebnisse vergisst du nicht“, so Adrion. 

Mutter Gabriele und Vater Rainer Adrion waren bei der Verleihung des Ordens in Schloss Bellevue mit dabei. Rainer Adrion, ehemaliger Profi und Trainer des VfB Stuttgart, ist Bundestrainer der U21-Nationalmannschaft.
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