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FIFA 11 im Test: König Fußball regiert die Welt
Ein weiser Schlagersänger sang einmal: „Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt.“. Wie recht er doch damit hatte! Jedes Jahr sorgen die Veröffentlichungen von „FIFA“ und „Pro Evolution Soccer“ zu regelrechten Glaubenskriegen innerhalb der Spielergemeinde. Kein Wunder war dieses Duell in den letzten Jahren spannender als jede Bundesliga-Saison. Aber wie heißt es doch so schön: neues Jahr, neues Glück! So haben wir uns für euch, auch in diesem Jahr wieder, in die Schlacht um Ruhm, Ehre sowie drei Punkte gestürzt und „FIFA 11“ genau unter die Lupe genommen. Ob dabei ein Abstiegsplatz herauskam oder die Recken von EA Sports im Schrank Platz für die Meisterschaftsschale machen müssen, erfahrt ihr in unserem Test.
Von David KLOß

iamgamer.de - Partner von Goal.com
Das Runde muss ins Eckige

Das Spielprinzip von „FIFA 11“ müssen wir an dieser Stelle sicherlich niemanden mehr erklären. Je elf virtuelle Spieler laufen einem Ball hinterher und das Runde muss ins Eckige. Anders als in den bisherigen Jahren muss es sich aber nicht mehr zwangsläufig um elf virtuelle Spieler handeln, die über den Bildschirm huschen. Ganz unter dem Motto „We are 11“ spendiert EA Sports seiner Fußballsimulation ein neues Feature namens Be-a-Goalkeeper und gibt uns somit die Möglichkeit, echte 11 gegen 11-Onlinematches zu spielen. Bei diesem Modus schlüpfen wir in die Rolle des Torhüters und geben von nun an unser Bestes gegnerische Freistöße, Volleyschüsse oder Elfmeter zu halten. Dabei fällt die Steuerung recht simpel aus. Während wir mit dem Analogstick die Bewegung steuern, können wir mit einem Knopfdruck eine Parade vollführen und in die entsprechende Ecke hechten. Damit wir am Anfang nicht gänzlich überfordert sind, erhält man in niedrigen Schwierigkeitsgraden eine optische Hilfe. Ein kleiner Kreis zeigt die ideale Position an, um den Winkel auf den heranstürmenden Gegner zu verkürzen, während bei einem Schuss eine Linie die genaue Flugbahn anzeigt. Profitorhüter können diese Funktion natürlich deaktivieren.
Den kenn ich doch!
Aber es gibt noch zahlreiche weitere neue Features in „FIFA 11“, wie etwa „Personality +“. Hinter diesem Wort, das an ein Seminar für Psychologen erinnert, verbirgt sich im Grunde eine Kleinigkeit, die dem Spiel aber eine enorme Tiefe verleiht. So haben alle Spieler eine Persönlichkeit und dementsprechende Fähigkeiten, die sich im Spielverlauf bemerkbar machen. Ein Hahn kann schließlich keine Eier legen und genauso verhält es sich nun einmal auch beim Fußball.
Vorbei sind die Zeiten, in denen bullige Abwehrspieler, die für ihre harten Grätschen aber nicht für eine gehobene Spielkultur bekannt waren, einen Traumpass nach dem anderen fabrizierten.
Ab jetzt müssen wir unser Spiel an unser Spielermaterial anpassen und beispielsweise darauf achten, dass etwa ein Messi Kopfballduellen möglichst aus dem Weg gehen kann, dafür aber die Stürmer mit punktgenauen Flanken versorgt werden. Diese Extraportion Authentizität sorgt nicht nur für einen gehobenen Anspruch, sondern erzeugt vor allem mehr Realismus auf dem Bildschirm.
Alles in der Hand
Aber auch generell wurde das Gameplay von „FIFA 11“ überarbeitet. Das neue Passsystem verhindert endlich blindes Hin- und Herspielen, bei dem jeder Pass zentimetergenau den Mitspieler erreicht.Im neusten Teil der Fußballsimulationsreihe müssen wir die Richtung als auch Kraft genau angeben. Dies kann natürlich schon einmal dazu führen, dass wir bei hastigen Ballstafetten in einen Konter laufen, da unser zu leicht getretener Pass vom Gegenspieler abgefangen wurde. Vorsicht ist geboten! Wir müssen also immer im Hinterkopf behalten, welcher Spieler den Pass spielt, wo genau unser Mitspieler steht und mit wie viel Wucht wir ihm den Ball zuspielen wollen. Das mag jetzt sicherlich viele Anfänger abschrecken, aber für jene sei gesagt, dass dieses Feature erst in höheren Schwierigkeitsgraden oder im Onlinemodus spürbar wird. Einsteiger werden weiterhin durch Hilfsteuerungen behutsam an die Spielmechanik herangeführt.
Ebenfalls generalüberholt trumpft das neue 360-Grad-Zweikampfsystem so richtig auf. Es spielt nun nicht nur eine Rolle, wie stark ein Spieler im Zweikampf ist, viel mehr ist entscheidend, wie dieser zum Ball steht. Während im letzten Jahr nur von vorne, hinten und der Seite das runde Leder erobert werden konnte, haben wir jetzt komplette Freiheiten und können uns zum Beispiel von schräg hinten an den ballführenden Spieler drücken als auch versuchen, mit der Fußspitze um ihn herum an den Ball zu kommen. Spannende Zweikämpfe gehören nunmehr zur Tagesordnung.
Außerdem neu hinzugekommen ist das „Handspiel“. Dank dieser Einstellung kann es schon einmal geschehen, dass wir im Laufe eines Spiels einen Elfmeter zugesprochen bekommen, weil dem Abwehrspieler der Schuss genau an die Hand geprallt ist. Ein Stückchen mehr Realismus, der sicherlich nicht jedem Spieler schmecken dürfte. Kein Problem, die Funktion kann man im Offlinemodus deaktivieren und ist im Onlinemodus sogar standardgemäß ausgeschaltet.
Gute Freunde kann niemand trennen
Apropos Onlinemodus, dieser wurde ebenfalls an einigen Stellen frisiert und neu aufgesetzt. Im Club-Modus, bei dem wir mit unserem Pro gemeinsam mit Freunden in einem Verein spielen, wurde das Menü komplett überarbeitet. Dies hat zur Folge, dass es nur noch eine Kabine pro Team gibt und nicht drei wie im letzten Teil. Stattdessen erwartet uns in der Spiellobby direkt die Mannschaftsaufstellung, in der wir unseren Platz aussuchen können oder auf der Bank verweilen, wenn wir denn einmal aussetzen wollen. Neu ist ebenfalls die Übersicht der Vereinsmitglieder. Wenn wir uns im Club-Menü befinden, können wir auf einem Blick genau sehen, welches Teammitglied online ist und was dieses gerade macht.
Aber das ist noch lange nicht alles, was EA Sports getan hat, um den Zusammenhalt zwischen den Spielern zu steigern. Im eigentlichen Hauptmenü wartet eine Anzeigentafel mit allerlei Informationen zu Spielern in unserer Freundesliste auf uns. Wir sehen etwa, welcher Spieler die längste Siegesserie erreicht, das schnellste Tor erzielt oder im Karrieremodus als Manager am meisten verdient hat.
Werde ein Star!
Letztgenannter Modus ist im Übrigen auch neu. Der Karrieremodus kann in drei Arten gespielt werden: als Spieler, Spielertrainer oder als Manager. Während wir uns als Spieler versuchen, von der Ersatzbank aus, einen Stammplatz zu sichern, um später um die Meisterschaft spielen zu können oder von einem besseren Club angeworben zu werden, gilt es als Manager möglichst viel Geld zu verdienen. Dabei müssen wir den Marktwert der einzelnen Spieler genau im Auge behalten, deren Form beachten und vielversprechenden Fußballern lukrative Angebote unterbreiten. Abgerundet wird der Karrieremodus von der Art der Präsentation. Ähnlich wie in dem Wrestlingspiel „WWE Smackdown vs. Raw“ erhalten wir von unseren Ärzten und Trainern E-Mails mit Ansprachen, dem aktuellen Status unserer Person oder aber der Mitspieler, die beispielsweise eine längere Verletzungspause erwartet.Diese E-Mails sind zwar nur eine Kleinigkeit, sorgen aber, zusammen mit den Zeitungsberichten, für einen enormen Motivationsschub und steigern die Identifikation mit unserem Spieler.
Mach doch, was du willst!
Und wo wir schon bei Identifikation sind, sollten wir natürlich die weiteren Individualisierungsmöglichkeiten von „FIFA 11“ nicht unterschlagen. Im brandneuen Creation Center haben wir die Möglichkeit, Online unsere Wunschspieler und eigene Dream Teams bis ins kleinste Detail nach unseren Wünschen zu gestalten.
Im Untermenü „Mein FIFA 11“ befindet sich nun auch die Möglichkeit eigene Songs und Gesänge einzubauen, wobei diese Funktion äußerst komfortabel ausgefallen ist. Ihr möchtet eure Lieblingsband im Hauptmenü hören? Nichts leichter als das! Ihr müsst lediglich eine Playlist auf der Xbox 360 oder auf eurem vernetzten PC anlegen, diese im Spiel auswählen und ihr habt euer ganz persönliches „FIFA 11“.
Die Stimme aus dem Ruhrpott
Neben der Möglichkeit eigene Lieder in „FIFA 11“ einzubauen, gibt es natürlich wieder einen offiziellen Soundtrack, der mit einer Vielzahl von Songs für Abwechslung sorgen soll. Dies gelingt auch, nur muss man sich in diesem Jahr wieder die Frage stellen, warum „NHL 11“ mal wieder diesbezüglich deutlich die Nase vorn hat. Es ist sicherlich Geschmackssache, aber wieso gerade Fußballfans seichter Pop um die Ohren dröhnt, bleibt wohl ein unerklärliches Mysterium der Videospielgeschichte, das selbst die X-Akten verblassen lässt. Vom Soundtrack einmal abgesehen, bietet das Game aber auch im akustischen Bereich Neuerungen. Im neusten Teil sollen Sportkommentatoren Manfred „Manni“ Breuckmann und Frank Buschmann für echtes TV-Feeling sorgen. Dabei ist vor allem „die Stimme aus dem Ruhrpott“ mit seinen Floskeln für so manchen Schmunzler gut. Eigentlich eine klasse Kombination, würden denn die Aussagen auch zum Spielgeschehen passen, was leider nicht immer der Fall ist. Es passiert nicht selten, dass wir uns beispielsweise mit schnellen Pässen den Weg zum gegnerischen Tor bahnen, das Kommentatorenduo aber lieber von einem Solo über die Hälfte des Platzes spricht. Hoffentlich wird dieser Umstand noch durch ein Update korrigiert, da hierbei Teile der Atmosphäre unnötigerweise verloren gehen.
Wie im Fernsehen
Die optische Präsentation hingegen ist fast optimal. Die Stadien sind noch einen Tick detaillierter als im Vorgänger, die Kamerafahrten erinnern immer mehr an eine echte Fußballübertragung und die Animationen sind über jeden Zweifel erhaben.
Alles wirkt runder, authentischer – einfach realistischer. Wo uns im letzten Jahr noch ab und an Haken in den Bewegungsabläufen störten, lassen jetzt butterweiche Übergänge sowie abwechslungsreichere Animationen oft die Grenze zwischen Realität und virtuellem Spielspaß verschwinden.
Auch das Menü, das in der vergangenen Version mit Punkten nur so voll geknallt war, wirkt jetzt wesentlich aufgeräumter und stilisierter. Eigentlich ein rundum perfektes Schauspiel, wären da nicht die Zuschauer im Stadion. Diese Couch-Potatoes sitzen selbst dann emotionslos da, wenn wenige Meter vor ihnen ein Tor fällt. Sehr schade und ein echter Kritikpunkt, der im nächsten Teil unbedingt ausgemerzt werden sollte.
FAZIT
EA Sports hat es wirklich geschafft, mich zu überraschen. Binnen eines Jahres wurden fast alle Kritikpunkte des Vorgängers beseitigt und das waren nicht wenige. Ob es nun die neuen Hauptfeatures wie „Personality +“ oder die 360-Grad-Steuerung sind, oder aber Kleinigkeiten, wie überarbeitete Animationen oder kleine Detaileinblendungen im Spielverlauf. „FIFA 11“ wirkt so realistisch wie kein anderes Fußballspiel! Die Grafik war eh schon gut, wurde aber dennoch überarbeitet. Die Steuerung ist für Anfänger nicht schwerer, dafür aber für Profis umso fordernder geworden. Und dank des neuen Karrieremodus und den vielen Möglichkeiten der Individualisierung, bietet dieses Spiel mehr Langzeitmotivation, als ein Jahresurlaub fressen könnte.
Besonders hervorheben muss man zudem die Tatsache, dass die Entwickler wirklich das Feedback der Fans beachtet haben. Die Anzahl der Wiederholungen, was gerade bei Onlinespielern ein großer Kritikpunkt war, wurde stark reduziert, dafür kamen kleine Zwischenstatistiken im Spielverlauf hinzu. Die Anzahl der Leistungen für seinen Pro-Spieler wurde nochmals erhöht und verhindert, dass bereits wenige Tage nach Release perfekte Fußballer die Server überfluten. Auch das etwas chaotische Menü wurde komplett überarbeitet, überzeugt durch seinen Minimalismus und bietet mit der Freunde-Anzeigentafel ein wirklich praktisches Feature.
Die Liste an positiven Punkten könnte man fast unendlich lang weiterführen, aber dies erspare ich euch. Ich stürze mich nun wieder aufs Fußballfeld und gratuliere „FIFA 11“ zur Meisterschaft.
So muss Fußball sein!
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FIFA 11 ist seit dem 30. September für PlayStation (Hier bestellen!), Xbox 360 (Hier bestellen!), Nintendo Wii (Hier bestellen!), PC (Hier bestellen!), PlayStation 2, PSP, iPhone und Ipod Touch erhältlich. Für Nintendo DS erscheint das Spiel am 8. Oktober.
POSITIV
- „Personality +“ sorgt für Spieltiefe
- Präsentation wie im TV
- Karrieremodus sorgt für Langzeitmotivation
- klasse Grafik
- butterweiche Animationen
- für Profis fordernder geworden
- für Anfänger leicht zu erlernen
- umfangreicher Onlinemodus
- eigene Lieder und Fangesänge möglich
- mehr kreative Freiheiten
- tolle Ballphysik
- mehr Dynamik auf dem Platz
- neues Kommentatoren-Duo
- authentische Stadionatmosphäre
- Kommentare passen oft nicht
- Soundtrack Geschmackssache
- Ball auf Schnee schlecht sichtbar
- Zuschauer emotionslos
WERTUNGENGrafik: 91
Sound: 88
Gameplay: 92
Gesamt: 91 (Xbox 360/PS3)
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