PES 2011 Vorschau: Aufgeräumte Taktikschlachten

Das Frankfurter Bahnhofsviertel. Hier herrscht reges Treiben. Herren und Damen im noblen Businessdress huschen ebenso durch die überfüllten Gassen, genau wie dunkle Gestalten sich vor einschlägigen Kneipen über Dinge unterhalten, von denen man besser nichts mitbekommt. Ansonsten Leuchtreklame, kitschig blinkende Herzen und Freudenhäuser, wohin das Auge blickt. Normalerweise ist dies kein Ort, an den man sich freiwillig länger aufhält. Am 06 Juli machten wir mit Freuden eine Ausnahme, denn Konami lud eine illustre Journalistenschar ins gemütliche Levis 25 Hours Hotel ein, wo wir neben Burger und Fritten das mit Spannung erwartete Pro Evolution Soccer 2011 anspielen konnten.

Von Giancarlo WENSKE

Frankreich jubelt in PES 2011 (iamgamer.de)

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Aufgeräumte Taktikschlachten


Zunächst stach das neu gestaltete Optionsmenü ins Auge, das aufgeräumt und edel daherkam. Auf den ersten Blick konnten wir die von PES bekannten Modi ausmachen, also Freundschaftsspiele, Turniermodi, Meister-Liga und Become a Legend. Auswählen konnten wir in dieser First Look-Version allerdings nur zwei Menüpunkte, schnelles Match und Copa Santander Libertadores, was der südamerikanischen Champions League entspricht. Das europäische Pendant wird aber selbstverständlich wieder mit von der Partie sein. Wir begaben uns lieber in vertrautes Terrain und begannen mit dem spanischen Klassiker FC Barcelona gegen Real Madrid. Bevor es auf den Platz ging, fiel uns abermals die veränderte Menüführung auf, die es uns nun viel intuitiver erlaubt, Aufstellung und Taktik für das kommende Match festzulegen. Auf dem Screen sieht man ein großes Bild der Mannschaftsaufstellung, in etwa so, wie man es von kurz vor Anpfiff von Fußballübertragungen kennt, sowie ein Mauszeiger mit dem per Drag & Drop die Positionen der Kicker editiert werden. Darüber hinaus fanden wir eine Option zum Erstellen eigener Taktiken. Fußballenthusiasten sollten sich hier eigentlich keine Gedanken machen, war die PES-Reihe doch schon immer für seine vielfältigen strategischen Möglichkeiten bekannt. Die Entwickler nahmen ein paar mehr oder weniger große Änderungen am Gameplay vor, die wir euch nachfolgend näherbringen.

Passen und Schießen
    
Bisher war es in PES relativ leicht einen „blinden“ Pass zu spielen, also auf gutes Glück irgendwohin zu passen und dennoch einen Mitspieler zu erreichen. Weiterhin unterschied man zwischen einem Pass in den Lauf und dem normalen Pass. Während Letzterer stets genau auf den Mannschaftskamerad gespielt und das Spiel somit unnötig verlangsamt wurde, war Ersterer oft unberechenbar, da das Programm entschied, in welchen freien Raum der Pass geht, was bei der Spielerschaft oft Unmut hervorrief, hätte man doch relativ oft den Ball gerne woanders landen gesehen. Pro Evolution Soccer 2011 macht hiermit Schluss. Nun überlassen die Entwickler dem Spieler die volle Entscheidung. Damit einher geht aber, dass man mehr denn je achtgeben muss, wo die Teamkollegen stehen. Das Radar als Werkzeug der Orientierung gewinnt mehr denn je an Bedeutung, um intelligente Zuspiele in die freien Räume zu tätigen. Man kann (muss nicht!) also nun auch normale Pässe, ob hoch oder niedrig, in den freien Raum nach Wahl spielen, sodass der angesprochene Mitspieler ein paar Meter nach vorne rennt.

>>> ZU DEN PES 2011 SCREENSHOTS

Das Spiel wird damit schneller und dynamischer, aber nur sofern man dies will. Das generelle Spieltempo bleibt ähnlich wie bei PES 2010 auf realistischem Niveau. Analog zu den Pässen, dürfen auch Schüsse frei platziert werden, inwiefern das völlig manuell realisierbar ist, bleibt abzuwarten. Auch eine optische Anpassung gab es. So wurde die Leiste, die der Spielerschaft die Stärke der jeweiligen Aktion (Schuss, Pass, Einwurf, etc.) anzeigt, vom unteren Bildschirmrand direkt unter die Spielfigur verlegt. Das ist insofern praktisch und fördert die Übersicht, da man mit den Augen auf dem Spielfeld bleibt. Insgesamt klappte das neue Passsystem schon ganz gut, erfordert jedoch eine gewisse Eingewöhnungszeit, belohnt aber im Gegenzug mit großer spielerischer Freiheit.

Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften

Freunde gepflegter Defensivarbeit freuen sich über das neue Pressing-System. Durch einfaches Drücken und Halten der X-Taste (PS3-Version) schirmt ein Spieler den Ballführenden ab, indem er seitlich nebenher läuft. So versperrt man Räume und schränkt den Gegner in seiner Aktionsfreiheit ein. Ist ein günstiger Moment gekommen, kann man durch Druck der entsprechenden Richtungstaste ein faires Tackle starten, um das runde Leder zu stibitzen. Insgesamt möchte Konami ein zweikampfbetonteres Spiel erschaffen, wo das sogenannte „Jostling“ (engl: anrempeln, Gedränge) festes Spielelement sein soll. Dadurch dürften erbitterte Zweikämpfe um den Ball entstehen. Hoffen wir nur, dass der Schiri dementsprechend angepasst wird und er nicht jede Kleinigkeit pfeift, beziehungsweise von den tatsächlichen Fouls zu unterscheiden vermag.

Der Rest vom Fest

Konami greift in die Trickkiste und gibt dem Spieler ein einfach zu beherrschendes, aber effektives Aktionsrepertoire an die Hand, mit Hilfe dessen man teilweise mehrere Manöver hintereinander ausführt, beispielsweise erst Übersteiger, Körpertäuschung, 360-Grad-Drehung, Schere, usw. Technisch versierte Spieler wie ein Lionel Messi schaffen dies ohne den Ball zu vertändeln. Das Ganze funktioniert durch Drücken von L1 + eine Richtung mit dem rechten Analogstick. Für den zweiten oder auch dritten Trick drückt man im Anschluss gleich in eine andere Richtung.

Je nachdem mit welcher Richtung auf dem rechten Stick man startet, sind alternative Trick-Kombos möglich. Das Studium der entsprechenden Seiten in der Bedienungsanleitung ist also von Vorteil. Wir sind uns aber sicher, dass es wie immer ein umfangreiches Trainingsprogramm geben wird. Erste Andeutungen hierzu, konnten wir vernehmen. Abseits des grünen Platzes hat man sich etwas ganz Neues einfallen lassen, zu dem uns aber nichts weiter erklärt wurde. Fest steht nur, dass man dem Gegner mit Schweinsteiger und Co. in selbst kreierten Stadien das Fürchten lehren darf.


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Grafisch macht der Titel schon eine recht gute Figur, zwar war der Spielablauf in der frühen First Look-Version hier und da noch etwas hakelig, neue und verbesserte Animationen sollen aber zu mehr Realismus und einem butterweichen Spielgefühl beitragen. Die Gesichter der Spieler sind schon sehr schön ausgearbeitet und man erkennt sofort das zugehörige reale Vorbild. Darüber hinaus beleben Fangesänge die Atmosphäre und erzeugen wohliges Fußballfeeling. Ob Pro Evolution Soccer 2011 dieses Jahr die Schlacht gegen den großen Konkurrenten Fifa gewinnt, bleibt noch abzuwarten, dafür war unsere anspielbare Version noch nicht aussagekräftig genug, aber bis zum Herbst bleiben ja noch ein paar Monate Zeit. Die vorgestellten Neuerungen versprechen aber definitiv genügend Pepp, um die leicht angestaubte Marke zu alter Stärke zurückzuführen.  

Eure Meinung: Was erwartet IHR von PES 2011?


 
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