Neuseeland nach dem 0:2 gegen Mexiko: „Ein ermutigender Auftritt“

„Know Your Rivals!“ Unter diesem Motto hat Goal.com vor den Testspielen sein neues WM-Projekt gestartet. Wir haben unser weltweites Netzwerk durch Experten ergänzt, die ihre Nationalteams, Stars und Sternchen kennen wie ihre eigene Westentasche. Lernt also Deutschlands 31 Konkurrenten um die Fußball-Weltkrone besser kennen. Wir machen euch fit für die WM und zum echten Experten!

Von Claas PHILIPP

Michael McGlinchey, New Zealand (Getty Images)
Berlin. Mit einer ersten Reihe an wichtigen Testspielen wirft die WM 2010 jetzt also ihre Schatten voraus. In unserer Rubrik „Know Your Rivals“ kommen nach dem Schlusspfiff erneut die Experten zu Wort. Für Neuseeland beantwortet uns Gordon Glen Watson die wichtigsten Fragen nach dem 0:2 (0:0) gegen Mexiko.  

Welche Eindrücke hast du nach diesem Spiel gewonnen?

Das war ein erkenntnisreicher Test für beide Länder, den die Mexikaner mit einem ungefährdeten 2:0 für sich entscheiden konnten, das Spiel hätte aber auch höher ausfallen können. Die Wechsel zur Halbzeit haben dem Spiel der Mexikaner gut getan, während Neuseeland dem gestiegenen Tempo in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit Tribut zollen musste, als der Unterschied deutlich wurde. Die Spielzeit war wertvoll für Neuseeland und einige Spieler haben die Möglichkeit erhalten, sich für die WM in Südafrika zu empfehlen.

Welche Probleme warten denn noch auf Trainer Ricki Herbert? Was muss jetzt in den Griff gekriegt werden?

Neuseeland musste auf Ryan Nelson (Knieprobleme, 4-6 Wochen Pause) und Ivan Vicelich (gesperrt) verzichten. Herbert versuchte es mit einer neuen defensiven Formation mit Andy Boyens and Ben Sigmund, die in der ersten Halbzeit ordentlich spielten, im zweiten Durchgang aber für eine zehnminütige Phase entscheidend den Faden verloren. Durch das Debüt von Tommy Smith konnte Tony Lochhead weiter vorne spielen. Smith machte seine Sache gut und Lochhead genoss die neuen Freiheiten in der Vorwärtsbewegung. Die Torhüterfrage bleibt ungeklärt, Glenn Moss ist für die ersten beiden Spiele in Südafrika gesperrt durfte aber trotzdem gegen Mexiko ran. Mark Paston ist noch verletzt und die dritte Wahl Jim Bannatyne muss sich noch beweisen. Die Defensive war viel gefordert ohne Nelsen and Vicelich, aber davon abgesehen wirkte das Team gut organisiert, präsentierte sich formstark und kämpfte verbissen - darauf kann man aufbauen. Die Deckung hat bei beiden Gegentoren geschlafen - das wird man sich in Südafrika nicht erlauben dürfen.

Welche Spieler haben möglicherweise ihre Chance auf die WM nun vergrößert?

Tommy Smith hatte ein gutes Debüt links hinten. Seine Leistung wird den Druck auf die in der neuseeländischen Heimatliga spielenden Aaron Scott und James Pritchett erhöhen, im nächsten Testspiel überzeugen zu müssen. Der zweite Debütant Chad Coombes hat sich durch seine Leistungen bei der FIFA Klub-WM mit Auckland City für das Nationalteam empfohlen und seine Kampfbereitschaft stach hervor, aber er verlor den Ball in der Vorwärtsbewegung zu häufig. Letzteres sollte er aber mit steigender Erfahrung abstellen können.

Und wer hat enttäuscht?

Kein Spieler war so schwach, dass man sagen könnte, er hat seine Chancen auf die WM-Nominierung verschlechtert. Jason Hayne ist auf der Bank geblieben und muss seine Chance in einem der nächsten Testspiele nutzen. Ricki Herbert hat einen Kern von 17 bis 18 Spielern, die mehr oder weniger die erste Wahl sind, dahinter gibt es in Neuseeland nicht viele Spieler, die sich aufdrängen könnten.

Wie steht es mit dem Gegner: Wie beurteilst du die Leistung von Mexiko?

Mexiko Leistung in der ersten Halbzeit war nicht gerade beeindruckend. Jonathon dos Santos Schuss an die Latte war technisch stark, aber die Mexikaner haben es versäumt, den entscheidenden Stoß zu setzen und vor der Pause in Führung zu gehen. Die Konterstärke der Mittelamerikaner ist toll anzuschauen, sie haben eine technisch starke, junge Mannschaft. Der 37-jährige Blanco ist immer noch sehr effektiv und ein Leader. Mexiko war hinten kaum gefordert, deshalb ist es schwer zu sagen, wie das gegen einen stärkeren Gegner aussehen würde. Mexiko hat vorne viele Optionen, deshalb kann man davon ausgehen, dass sie in Südafrika was reißen können. Sie waren der perfekte Gegner für Neuseeland, da ihr Spielstil dem von Gruppengegner Paraguay sehr ähnlich ist.

Der Countdown läuft. Es sind keine 100 Tage mehr bis zur Weltmeisterschaft. Ist die Vorfreude gestiegen?

Auf eine komische Art und Weise ist das 0:2 ermutigend, da Neuseeland es in der ersten Halbzeit geschafft hat, den Laden sauber zu halten und sich in der zweiten Halbzeit trotz allem als Einheit präsentiert hat. Ob man mit Paraguay mithalten kann, wird sich allerdings erst bei den nächsten Tests zeigen. Mit Ryan Nelsen steht die Defensive sicherer als man es gegen Mexiko gesehen hat. Wenn Neuseeland auf der gezeigten Leistung aufbauend sich noch weiter verstärken kann, ist hinsichtlich des Paraguay-Spiels vielleicht was drin. Aber dann muss man nach vorne mehr zeigen. Die WM-Spiele gegen Italien und die Slowakei werden nicht viel einfacher. Wie man es auch dreht, Neuseeland wird es in Südafrika schwer haben und das Projekt WM ist ohnehin eine große Aufgabe. Ich glaube, man hat bisher das Beste daraus gemacht.

Was gibt es sonst noch zu sagen?

Motherwell-Mittelfeldspieler Michael McGlinchey konnte nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit überzeugen und es bleibt abzuwarten, ob er auch mal von Beginn ran darf. Er zeigt großen Einsatz und hat das Auge für den richtigen Pass, zudem zeigte er in den zwanzig Minuten Spielzeit eine gute Ballbehandlung. Coach Ricki Herbert wird einige der Nationalspieler im entscheidenden A-League-Ausscheidungsspiel seines Klubs Wellington Phoenix gegen die Newcastle Jets einsetzen, und es wird sicherlich die Frage aufkommen, ob er gegen Mexiko nicht mehr hätte wechseln können. Das Team wird erst einen Tag vor dem Spiel gegen die Jets zuhause ankommen - man wird sehen, ob das zur Regeneration reicht...




 
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