Spielbericht Testspiel: Deutschland – Argentinien
Dejà vu: Die deutsche Nationalmannschaft verliert erneut den letzten Härtetest vor einer Weltmeisterschaft und unterliegt Argentinien in München mit 0:1 (0:1). Die Mannschaft von Joachim Löw lässt dabei die Fans rätseln. Denn trotz großer Bemühungen reicht es am Ende nicht zu einem besseren Ergebnis. Die spielerische Qualität war gegen eine solch starke Mannschaft nicht ausreichend, die Truppe war nicht eingespielt und musste deshalb einem taktisch außerordentlich guten Gegner den Sieg überlassen.
Von Dennis WEINACHT
München. Joachim Löw schaute ziemlich düster aus seiner DFB-Jacke, als die deutsche Nationalmannschaft gegen Argentinien die Niederlage mit dem Abpfiff als besiegelt ansehen musste. Seine Mannschaft hatte beim 0:1 (0:1) enttäuscht und nun muss der Bundestrainer Aufbauarbeit leisten.
PERSONAL & TAKTIK
Bei der deutschen Nationalmannschaft gab es in der ersten Mannschaft keine sonderlichen Überraschungen. Lediglich Thomas Müller stand noch in der Startelf. Bei ihm war bis zuletzt nicht klar, ob er den Vorzug vor Toni Kroos erhalten würde. Als einzige Spitze agierte Miroslav Klose. Auch in der Abwehr gab es keine Überraschungen. Philipp Lahm spielte wieder auf der linken Seite und Jerome Boateng durfte dafür auf rechts ran. Auch auf der Gegenseite spielte das prognostizierte Personal. Das hieß auch, dass mit dem flinken Lionel Messi und dem spielstarkenGonzalo Higuain zwei richtig gute Offensivleute auf dem Feld standen.
SPIELVERLAUF: 1. HÄLFTE
Aber darauf sollte sich in der ersten Halbzeit nicht das reine Geschehen fokusieren. Denn bemerkenswert war vor allem, mit welcher ausgesprochen guten Teamleistung die Gäste aufspielten. Sie setzten die taktische Vorgabe des Pressings perfekt um, attackierten die Deutschen schnell. Man konnte der DFB-Mannschaft nicht einmal direkt einen Vorwurf machen, sie versuchte schnell nach vorne zu spielen. Aber Räume boten sich nicht. Die erste dicke Chance hatte deshalb auch Argentinien. Di Maria ließ Boateng und Tasci ganz alt aussehen und stand plötzlich frei vor René Adler, der zuvor scon einmal nach einem langen Ball gerettet hatte (11.). Aber der Schlussmann reagierte in der Szene toll und lenkte den Schuss noch mit den Fingerspitzen an die Latte (38.).
Danach hatten sich offenbar alle schon mit dem Unentschieden zur Pause abgefunden. Aber sie sollten eines besseren belehrt werden. Nach einem tollen langen Ball von Di Maria setzte Per Mertesacker gegen Gonzalo Higuain nicht früh genug zum Angriff an, ließ den Stürmer gewähren. René Adler eilte etwas unsicher aus seinem Tor und ließ sich ebenfalls von dem Stürmer der Gäste verladen. Higuain traf letztlich aus großer Distanz ins leere Tor (45.). Nun führte Argentinien also doch zur Pause. Und unverdient war dieses Ergebnis nicht. Die Gäste standen sehr stark, spielten tolles Pressing und ihre Chancen waren klarer, als die der Deutschen. Aber auch der Mannschaft von Joachim Löw war das Bemühen nicht abzusprechen.
SPIELVERLAUF: 2. HÄLFTE
Aber das blieb auch im zweiten Durchgang zunächst so. Die DFB-Mannschaft war in der Defensivarbeit durchaus ordentlich, aber nach vorne ging nichts. Die offensiven Mittelfeldspieler und Mario Gomez, der zur Pause für Klose gekommen war, blieben blass. Seltene Ausflüge in des Gegners Hälfte blieben Entlastungen, bei weitem aber keine kreativen eigenen Vorstöße. Dafür fehlte es der Mannschaft an Konzentration und Durchschlagskraft im Aufbauspiel. Fußballerisch war das zumeist eher dürftig. Auch nach einer Stunde hatte die Mannschaft von Joachim Löw noch keine Torchance erspielt.
Erst in der Schlussphase wurde es etwas besser. Die erste Chance hatte dann nach 77 (!) Minuten der eingewechselte Cacau, der aus 30 Metern abzog und damit zum ersten Mal Romero im Gehäuse der Gäste richtig forderte. Nun war die deutsche Nationalmannschaft aber etwas besser im Spiel. Zu lange hatte es gedauert, aber noch war ja Zeit. Und mit Toni Kroos war ja zudem ein weiterer spielstarker Kicker nun in der Begegnung. Aber es wirkte eben im Gang nach vorne auch immer wieder so, als seien die neuen Spieler nicht aufeinander abgestimmt. Die Formation war in dieser Besetzung neu und das merkte man auch im Gang nach vorne. Oft fehlte es da noch an der notwendigen Genauigkeit im Zusammenspiel.
Und dabei blieb es bis zum Ende, sodass auch die Fans pfiffen. Cacau hatte etwas Belebung in die Partie gebracht, aber auch er konnte die Wende nicht einleiten. Joachim Löw muss sich fragen, ob dieses taktische System und vor allem auch ob dieses Personal bei der anstehenden Weltmeisterschaft eine Chance auf den Titel haben kann.
SCHLÜSSELSPIELER & -SZENEN
Die vielen kleinen Fehlerchen in der deutschen Defensive sollen hier mal nicht angeführt werden. Die Schlüsselszene war aber sicherlich das 0:1, als Mertesacker und Adler im Zusammenspiel unglücklich wirkten. Als Schlüsselspieler sind deshalb ebenfalls diese beiden Kicker auszumachen. Zudem ganz wichtig: Veron und di Maria. Beide machten im Mittelfeld der Argentinier einen tollen Eindruck und prägten das Spiel. Vor allem Veron verstand es, Räume eng zu machen und seine Mannschaft anzutreiben.
SPIELER DES SPIELS: Juan Sebastian Veron & Angel di Maria
Diese beiden Spieler ergänzen sich im Mittelfeld perfekt. Während Veron toll und abgeklärt dem starken di Maria den Rücken freihält, können die Gegenspieler fast zur Verzweiflung getrieben werden. Toll, wie diese Kicker aufeinander abgestimmt sind. Das könnte im Kampf um den Titel bei der Weltmeisterschaft im Sommer den Unterschied zu anderen Nationen machen. Richtig stark, was die beiden ablieferten gegen Deutschland.
SCHIEDSRICHTER: Martin Atkinson (England) – Note: 7
Abgesehen von einer falschen Abseitsentscheidung zu Beginn der Partie lag er meistens mit seinen Pfiffen richtig. Der Brite hatte das Match absolut im Griff, unterband zu viele harte Zweikämpfe, indem er rechtzeitig auch mal Verwarnungen aussprach. Er wirkte sehr routiniert und sicher und vernachlässigte dabei nie seine Autorität.
Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).
SPIELNOTE: 6.5
Insgesamt war das Spiel über weite Strecken nicht hochklassig, weil dafür die ganz dicken Tormöglichkeiten fehlten. Taktisch war das aber ganz hohe Schule und in wenigen Situationen sah das auch spielerisch ordentlich aus. Leider konnten die Deutschen zu der fußballerischen Qualität dieser Begegnung nicht viel beitragen. Das Match war ordentlich, aber sicherlich noch kein Leckerbissen in Hinblick auf die Weltmeisterschaft.
STATISTIK
Beim Gegentor in der ersten Halbzeit hat die deutsche Nationalmannschaft Gonzalo Higuain fahrlässig frei durchlaufen lassen. Er strafte es direkt ab und traf. Dabei hätte die DFB-Truppe wissen müssen, dass der gefährlich ist. In den aktuellen Castrol Rankings ist er unter den Top 50 europäischen Spielern und belegt mit 769 Punkten den 31. Platz. Er hatte sich zuletzt immer wieder gesteigert und dadurch auch im Ranking ordentlich Punkte gut gemacht. Das war schon richtig gut vom Angreifer!
FAZIT
Im Gegensatz zur argentinischen Auswahl ist die deutsche Nationalmannschaft noch weit von der WM-Form entfernt. Es wird wieder einmal deutlich, dass das Team im Zusammenspiel noch nicht eingestellt ist auf ein solch großes Turnier. Das muss besser werden, auch wenn sich die Mannen von Joachim Löw bemühten. Dennoch reichte es am Ende nicht, um die starken und sehr konsequenten Gäste aus der Reserve zu locken. Es gibt noch viel Arbeit für den Bundestrainer und sein Team!
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