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In Pescara gelingt Italien weder die Revanche für die EURO-Schlappe 2008, noch Holland der erste Sieg über die „Azzurri“ in einem Freundschaftsspiel. Während „Oranje“ die ersten 45 Minuten dank eines starken Eljero Elias dominierte, machte die Lippi-Elf nach dem Seitendruck vor allem mit Giuseppe Rossi mächtig Druck. Tore waren jedoch Fehlanzeige.

Von François DUCHATEAU

Pescara. Im Spiel für die Erdbeben-Opfer in den Abruzzen sahen die Fans im Stadio Adriatico ein torloses Remis.

PERSONAL & TAKTIK


Marcello Lippi verhalf Antonio Candreva zu seinem Debüt in der „Squadra Azzurro“ neben Angelo Palombo, Andrea Pirlo und Mauro Camoranesi im Mittelfeld. Alberto Gilardino und Raffaele Palladino bildeten das Sturmduo. In der Viererkette sollten Gianluca Zambrotta, Fabio Cannavaro, Giorgio Chiellini und Fabio Grosso Gianluigi Buffon die Bälle vom Hals halten, der heute sein 100. Länderspiel feierte.

Neben dem geplanten Experiment mit Robin van Persie als einziger Sturmspitze, fiel vor allem der Name Rafael van der Vaart im Spielbogen auf, da Bondscoach Bert van Marwijk den Bankdrücker von Real Madrid eigentlich nur auf Bewährung nominierte. Durch den Ausfall von unter anderem Wesley Sneijder, war die ehemalige „Rothose“ jedoch die beste Wahl für die Position des Spielmachers, der von Robben-Ersatz Eljero Elia und Dirk Kuyt flankiert wurde. Den Rücken freihalten sollten Nigel de Jong und Rückkehrer Mark van Bommel.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Die Hausherren begannen mit intensivem Pressing und ließen „Oranje“ ihr ruhiges Aufbauspiel nicht aufziehen. Lange hielt die Lippi-Elf dieses effektive Mittel jedoch nicht durch, so dass nach zehn Minuten Holland immer mehr Herr der Partie wurde und Italien ihr kontrolliertes Passspiel aufzwang. Das taktische Experiment mit Robin van Persie als einzige Sturmspitze musste leider nach 14 Minuten abgebrochen werden, nachdem der „Gunner“ von Chiellini hart aber fair im Strafraum abgegrätscht wurde, sich dabei aber schmerzhaft verletzt, so dass Klaas-Jan Huntelaar eingewechselt werden musste.
Im Mittelpunkt stand jedoch ein anderer: Immer wieder wurde Eljero Elia gesucht, der Zambrotta deutlich überforderte und Quelle aller Gefahr war. Nach mehreren Doppelpass-Kombinationen (8., 9., 11.) des Hamburgers, baute der Wirbelwind mit van Bronckhorst einen tollen Angriff auf, spitzelte das Leder zum hereinstürmenden Dirk Kuyt, der voll abzog, doch Pech hatte, dass sich der Ball knapp vom Pfosten wegdrehte. Im Gegensatz zu den dominanten Niederländern hatte die Heimelf spielerisch nichts anzubieten. Der erste Schuss aufs Tor kam von Pallardino in der 27. Minute aus zwanzig Metern, mit dem Stekelenburg jedoch keine allzu großen Probleme hatte.
Danach kamen die Minuten des Raffaele Palladino: Nach gestrecktem Bein von Nigel de Jong gegen den Mann aus Genua, für das der „Citizen“ Gelb sah, hätte die „Squadra Azzura“ fast ein Eigentor erzielt: Nachdem Rafael van der Vaart einen Freistoß von halbrechts in den Strafraum zwirbelte, war es Pechvogel Palladino, der das Leder gefährlich in Richtung Buffon lenkt, der jedoch Herr der Lage ist (36.). Auf der anderen Seite hätte Palladino bei einem anderen Standard sein Team fast in Führung gebracht, als er einen Eckball gefährlich aufs Tor lenkte, der Ball jedoch knapp drüber flog. (41.). Verdient wäre ein Treffer jedoch nicht gewesen: Mit Pfiffen wurde die „Azzurri“ von den Tifosi in die Kabine geschickt, da die Lippi-Elf spielerisch überhaupt nichts zu bieten hatte.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Die Halbzeitansprache muss gesessen haben, denn die Italiener kamen in Durchgang zwei etwas besser aus dem Quark und drängten nun die Niederlande in ihre eigene Hälfte. Direkt nach seiner Einwechslung war Giuseppe Rossi sogar Zeuge der ersten echt herausgespielten Chance der „Azzurri“: Der Mann von Villarreal sucht den Doppelpass, hat jedoch Pech, dass Heitinga den Querpass klärte. Ein „Blauer“ wäre sonst in der Mitte frei gewesen (57.). Italien erhöhte den Druck und kam nach einer misslungenen Elia-Flanke zu einem schönen Überzahl-Konter, bei dem der finale Pass allerdings in den Sand gesetzt wurde (64.).
Außer Unmengen an Auswechslungen passierte zunächst einmal nichts. Dennoch hatte die Lippi-Elf Oranje erfolgreich unter Druck gesetzt und war nun Herr der Lage. Wenn es einmal brenzlig wurde, dann über Giuseppe Rossi, der in der 81. Minute steil geschickt wurde, doch von Gregory van der Wiel erfolgreich an die Seite gedrängt wurde und so den Ball nicht richtig platzieren konnte. Eine Minute später ballerte der Villarreal-Stürmer aus der Distanz aufs Tor, wieder ohne Zählbares. In der 85. Minute bekam Rossi einen weitern Steilpass, doch umkurvte Stekelenburg zu scharf. Zuvor jubelte Italien für einen Moment: Nachdem Cannavaro vom langen Pfosten in die freie Mitte querköpft, ist es der eingewechselte Pazzini, der allerdings ganz klar mit dem Arm den Ball ins Tor befördert. Van Bommel & Co sind außer sich vor Wut – und ihr Reklamieren hat Erfolg: Das zunächst gegebene Tor wurde von Schiedsrichter Circhetta letztendlich doch noch aberkannt.
Erst in der Nachspielzeit kam „Oranje“ noch zu einer Möglichkeit, aber was für einer: Frei konnte Mark van Bommel aufs Tor zulaufen und wollte quer zu Huntelaar abgeben, der nur noch hätte einschieben müssen, doch Zambrotta hatte aufgepasst und klärte.

SPIELER DES SPIELS – Eljero Elia & Giuseppe Rossi

Der HSV-Wirbelwind war nicht zu bremsen. In Durchgang eins war er Ursprung aller Gefahr. Selbiges gilt allerdings für Giuseppe Rossi in der zweiten Halbzeit: Hier war der Villarreal-Stürmer an allen gefährlichen Szenen außer dem Handtor beteiligt. Beide Kicker machten Eigenwerbung für einen Stammplatz

SCHIEDSRICHTER: Claudio Circhetta (Schweiz)  - Note 6

Verpfiff zwar das Spiel nicht, lag mit seinem Team aber bei einigen Abseitsentscheidungen in Durchgang eins daneben, die auf beiden Seiten gute Chancen erstickten. Erkannt zum Glück das Handtor kurz vor Schluss doch noch ab.

Das Goal.com-Notensystem

SPIELNOTE - 5

Das Spiel in der Goal.com-Statistik

FAZIT

Weder Holland, noch Italien sind bisher so auf WM-Temperatur, um über volle neunzig Minuten zu überzeugen. Gehörte die erste Halbzeit ganz klar „Oranje“ mit einem starken Eljero Elia, machte die Lippi-Elf nach dem Seitenwechsel konstant Druck und hätte über einen überzeugenden Rossi die Führung erzielen können. Unterm Strich geht das Remis allerdings in Ordnung, da jede Elf eine Halbzeit dominierte. Zu tun gibt es dennoch reichlich für beide Verbandstrainer.

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