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ELF Horrorverletzungen: Ewald Lienen (2)
Verletzungen gehören (leider) zum Fußball, so viel ist klar. Meist sind es nur kleine Blessuren, die die Spieler außer Gefecht setzen. Doch in manchen Fällen kommt es ganz dicke und die Akteure fallen monatelang aus oder müssen sogar um die Fortsetzung ihrer Karriere bangen. In unserem beliebten Ranking „ELF“ erinnern wir an die schlimmsten Verletzungen der letzten Jahre. Dieses Mal schauen wir auf ein Foul, das den „Übeltäter“ bis heute belastet.
Von Dennis WEINACHT
Berlin. Es ist ein Foul, das wohl aus geschichtlicher Sicht in Deutschland kaum zu überbieten ist. Denn bis heute zieht die Verletzung von Ewald Lienen, die er sich am 14. August 1981 zugezogen hatte, weite Kreise. Was war passiert? Bei der Partie zwischen Arminia Bielefeld und dem SV Werder Bremen sprang Norbert Siegmann im Dress der Hanseaten seinen Gegenspieler Ewald Lienen böse an. Der Gefoulte zog sich dabei eine 25 cm lange Risswunde am Oberschenkel zu. Damals war sogar der Knochen zu sehen. Kurios fast schon: Lienen sprang mit dieser Wunde noch an die Außenlinie und ging auf Werder-Trainer Otto Rehhagel los, der Siegmann zum Foulen angestiftet haben soll.
Lienens Wunden heilten schnell
Wie schon erwähnt: Bis heute zieht das ganze noch seine Kreise, auch wenn der Heilungsprozess von Lienen recht schnell verlief. Bereits vier Wochen später stand er wieder auf dem Fußballplatz. Siegmann hingegen kämpft bis heute gegen seinen schlechten Ruf: „Ich war gebrandmarkt als der Ober-Treter, obwohl ich in meiner ganzen Karriere keine einzige Rote Karte gesehen habe. Ich habe Ewald jahrelang nicht mehr persönlich getroffen.“ Dennoch will sich Siegmann nicht einer brutalen Absicht in dieser Situation bezichtigen lassen: „Nachdem ich mir tausendmal selbst diese Fragen gestellt hatte, habe ich für mich eine klare Linie gefunden: Es war keine Absicht. Es war zu 90 Prozent ein Unfall, eigentlich war es ein Allerweltsfoul – nennen wir es Schicksal.“
Das Video: Norbert Siegmann führt Ewald Lienen eine 25 cm lange klaffende Wunde zu
Verärgert sei er heute auch nicht mehr wegen dieser Situation, es habe ihn sogar im Gespräch gehalten: „Die ganze Sache hat sich gedreht. Damals war ich der böse Täter, und habe mich lange weggeduckt und wollte davon nichts mehr hören und nichts mehr sehen. Heute nennen mich einige Leute sogar Legende, da zucke ich dann immer zusammen. Den Namen Siegmann kennt heute kaum noch einer, aber wenn das Gespräch auf dieses Foul kommt, dann sagen alle: ach, du bist das?“ Und noch etwas machte die Situation damals legendär: Ewald Lienen versuchte juristisch gegen Rehhagel vorzugehen, weil dieser das Foul gefordert haben soll. Aber es kam damals nicht zu einem gerichtlichen Streit. Lienen scheiterte neben dem Fußballplatz.
Buch ist geplant
Und so erklärte Siegmann später sogar, dass er bald schon ein Projekt starten möchte: „Vor einigen Wochen haben wir telefoniert. Ich will ein Buch mit ihm über die Sache schreiben. Er hat mir zugesagt, seine Unterlagen dafür zur Verfügung zu stellen. Wir haben grob ein Treffen vereinbart.“ Bisher habe nur der Mangel an Zeit dieses Projekt verhindert. Heute ist Siegmann im Übrigen Buddhist, der nach allen Regeln der Kunst lebt: „Meditieren. Dreimal die Woche mache ich das. Um 6.30 Uhr geht’s los. Wir sind 20 Leute. Aber das ist mehr eine dynamische Meditation. Dazu gehören Atmen, Springen, Tanzen, Stille und Emotion. Dann ist man frisch für den Tag.“ Seine sportliche Karriere musste Siegmann bereits 1986 beenden – verletzungsbedingt!
Eure Meinung: Wie ordnet Ihr dieses Foul aus heutiger Sicht ein? Kann man Siegmann da eine Absicht unterstellen oder war es einfach nur ein Unfall? Und wie wertet Ihr die Rolle von Otto Rehhagel, dem von Lienen einiges vorgeworfen wurde?
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