ELF WM-Favoriten in Südafrika – Platz 5: Niederlande

Mit einem im wahrsten Sinne des Wortes handfesten Skandal endete die WM-Qualifikation in Europa. Frankreichs „Handballer“ schummelten sich gegen Irland nach Südafrika und lösten als vorletzte von 32 Mannschaften das WM-Ticket. Die Fahrkarte Nummer 32 schließlich ging an Uruguay. Und somit stehen sie fest, die Teams, die im Sommer 2010 Fußball-Geschichte schreiben wollen. Doch wer sind nach aktuellem Stand der Dinge die Favoriten? Dieser Frage ging die Goal.com-Redaktion auf die Spur. Wir präsentieren unser beliebtes Ranking in einer neuen Folge: ELF Favoriten auf die WM-Krone 2010.

Celebration Netherlands after 1-0, Netherlands - Norway (Foto ANP)
Von François DUCHATEAU

Ranking: ELF WM-Favoriten in Südafrika (Übersicht)

Amsterdam.
„Same procedure as every year?“ Vor jedem großen Turnier werden die Niederländer wegen ihres schönen Fußballs in den Himmel gelobt. Anders als die Deutschen beispielsweise, scheitern unsere Nachbarn meist wegen ihrer eigenen Nerven gerade dann, wenn es drauf ankommt (Stichwort Elfmeterschießen...), was man jüngst bei der Euro 2008 erneut demonstriert bekam. „Oranje“ überstand die „Todesgruppe“ nach souveränen Siegen gegen Weltmeister Italien, Vize-Weltmeister Frankreich und Rumänien, die eine der besten Qualifikationen in ganz Europa abgelegt hatten, und zeigte Traumfußball am Fließband. Als es dann jedoch gegen Russland wieder einmal um die Wurst ging, tappte man in die clevere Falle von Guus Hiddink und erlag letztendlich der Leidenschaft der Zaren-Kicker – aus der Traum.

Die 1970er: Zweimal im Finale unterlegen gegen den Gastgeber

2010 soll nun alles anders werden. Noch nie wurde Holland Weltmeister, auch wenn man in den Siebziger Jahren zweimal als Favorit kurz davor stand. Das Endspiel 1974 gegen Deutschland bleibt legendär. Die BRD war quasi noch nicht am Ball, da gab der Referee bereits Elfmeter gegen das Austragungsland. Beim Duell zweier größter Mannschaften in der Geschichte des Fußballs hatte bekanntlich die Beckenbauer-Truppe die Nase vorn im Vergleich zur Cruijff-„Elftal“. Vier Jahre später stand man wieder gegen den Gastgeber im Finale, der damals Argentinien hieß und sich in der Verlägerung mit 3:1 durchsetzte. Bitter für die Orangefarbenen: In der letzten Minute der regulären Spielzeit traf man nur den Pfosten beim Stand von 1:1. Er stands Hollands größtem Triumph im Weg.

Das Elfer-Trauma

Auch 1998 war der Europameister von 1988 (der bisher einzige und
größte Erfolg des Königreiches) dem Titel ganz nah. Nachdem Dennis
Bergkamp Argentinien nach einem Traumpass von Frank de Boer Last
Minute aus der K.O.-Runde schmiss, scheiterte man in einem wundschönen wie packenden Fight gegen Brasilien im Halbfinale. Beim Spiel um Platz 3 gegen Kroatien war die Motivation fort, denn wieder verhinderte ein Elfmeterschießen den großen Coup. Ein Trauma, das von 1992 bis 2004 halten sollte: Bei der EM 1992 hieß die Endstation Dänemark im Halbfinale, EM 1996 Frankreich im Viertelfinale (Clarence Seedorf versagte) und 2000 beim Halbfinale gegen Italien im eigenen Land. 2002 musste man das Spektakel in Japan und Südkorea bekanntlich vor dem Fernseher betrachten, denn ein gewisser Louis van Gaal schaffte es überhaupt nicht ein Starensemble aus Edwin van der Sar, den de Boer-Brüdern, Patrick Kluivert, Marc Overmars, Clarence Seedorf, Edgar Davids, Ruud van Nistelrooij, Phillip Cocu oder Michael Reiziger zu einer Einheit zu verschwören. „Ohne Holland fahr’n wir zur WM“, schallte es durch Deutschland. Immerhin konnte man bei der EM 2004 das Penalty-Trauma im Viertelfinale gegen Schweden beenden, scheiterte im Halbfinale dann – wie auch im Achtelfinale bei der WM 2006 in Deutschland – gegen Portugal.

Van Marwijk: Nicht nur schön, sondern auch effizient

Für 2010 hat sich die Niederlande vorgenommen nicht noch einmal in
Schönheit zu sterben. Schön anzusehen ist ihr Fußball allerdings immer
noch, nur hat „Bondscoach“ Bert van Marwijk „Oranje“ kaltschnäuziger
und effektiver gemacht. Acht Siege in achte Qualifikationsmatches
sprechen eine deutliche Sprache. Es ist schon kurios: Obwohl die
Abwehr als einzige Schwachstelle im Team des Weltranglistendritten
betrachtet wird, stellte Holland mit nur zwei Gegentoren die beste
Defensive der WM-Qualifikation. Im Tor feierte Rekordnationalspieler
Edwin van der Sar übrigens ein Kurz-Comeback für zwei Partien, da
etliche andere Torhüter verletzt waren. Mittlerweile überlegt der
Schlussmann von Manchester United, ob er nicht, genauso wie Ruud van
Nistelrooijm einen Rücktritt vom Rücktritt macht und seiner Karriere
in Südafrika die Krone setzt – mit dem WM-Pokal in der Hand.

Ranking: ELF WM-Favoriten in Südafrika (Übersicht)

Was meint ihr: Gelingt Oranje endlich der große Coup in Südafrika?


 
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