EM-Qualifikation Gruppe D: Frankreichs Spießrutenlauf gegen Rumänien und Bosnien

Nachdem die Domenech-Elf in Südafrika für skandalöse Schlagzeilen sorgte, steht das Team von Lauten Blanc unter besonderer Beobachtung. Bestrafung und erfolgreiches Arbeiten – ist dies unter einen Hut zu bringen?

Laurent Blanc (France) - (Panoramic)
Paris. Wiedersehen macht Freude. Bereits im Kampf um die WM-Teilnahme begegneten sich Frankreich und Rumänien. Beide Partien endeten remis. Im Rahmen der Qualifikation zur EM 2012 müssen unsere Nachbarn es außerdem mit Bosnien-Herzegowina, Weißrussland, Albanien und Luxemburg aufnehmen. Goal.com nimmt die Gruppe D unter die Lupe:

FRANKREICH

Intrigen, Zwietracht, Streik und Zoff. Das Verhalten, dass die französische Nationalmannschaft in Südafrika an den Tag gelegt hat, war eines zweifachen Europa- (1984, 2000) und einfachen Weltmeisters (1998) unwürdig. Irland hätte nach Henrys Handspiel nur zu gerne ein besseres Bild bei der WM abgegeben. Ex-Nationalspieler Laurent Blanc wurde nun der Rohrstock in die Hand gedrückt, um wieder Zucht und Ordnung in seinen Hahnenhaufen zu bringen, die nominell einen der besten Kader der Welt aufweisen können. Doch was sind Stars und Sternchen Wert, wenn sie keine Einheit bilden wollen? Nach dem WM-Debakel wurden die Leistungsträger Ribery, Evra und Toulalan intern gesperrt, Stinkstiefel Anelka nahm seinen Hut. Kann jemand wie Benzema die Lücke stopfen, die Henry hinterlassen hat? Blanc ist nicht zu beneiden.

RUMÄNIEN

Nachdem die WM-Teilnahme so sträflich verpasst wurde, sehnen sich die Rumänen nach ihrer fünften Europameisterschaftsteilnahme. Der Kader von Răzvan Lucescu beherbergt jedoch nur eine Hand voll Profis, die bei großen Clubs ihr Geld verdienen. Die Kapitänsbinde trägt Cristian Chivu von Triple-Sieger Inter Mailand, den Kasten hütet die kleingewachsene Nummer Zwei des Serie-A-Konkurrenten AS Rom. Aus der Bundesliga kennen wir Ciprian Marica vom VfB Stuttgart, während Ciprian Deac erst jüngst von Felix Magath zum Geheimtipp hochgehoben wurde. Aus der Verteidigung hat man sich mittlerweile mit Cosmin Contra oder Gabriel Tamas Vertraut gemacht, der große Star – Adrian Mutu fehlt in der Liste jedoch wegen seiner Dopingsperre.

BOSNIEN-HERZEGOWINA

Seit 1993 hat Bosnien-Herzegowina eine eigene Nationalmannschaft. Obwohl sich die Mannschaft, die bis 1992 UEFA-technisch zu Jugoslawien gehörte, bisher weder für eine EM noch WM qualifizieren konnte, waren die Balkan-Kicker schon zweimal nah dran: Für die EURO 2004 fehlte nur ein Tor zum Play-Off-Platz, im Vorfeld zur WM 2010 erreichte man diesen zwar, scheiterte jedoch an den Portugiesen um Superstar Cristiano Ronaldo. Doch seit den jüngsten Auftritten hat man Respekt vor dem frechen Team von Safet Susic, das mit Edin Dzeko, Vadad Ibisevic, Sejad Salihovic auf Bundesliga-Power setzt. Hinzu kommen mit Real-Schreck Pjanjic, „Zwetschge“ Misimovic (mittlerweile Galatasaray), Senijad Ibricic und Emir Spahic weitere international anerkannte Kräfte, die jede Mannschaft auseinander nehmen können.



WEIßRUSSLAND

Erst seit 1992, nach dem Zerfall der Sowjetunion, werden in Weißrussland Länderspieler unter eigener Fahne ausgetragen. Auf große Erfolge kann das Land in Osteuropa kaum verweisen. Die Qualifikation zu großen Turnieren beendet man entweder auf Platz Vier oder Fünf, lediglich im Vorfeld zur WM in Asien 2002 sprang einmal ein dritter Rang samt zwei Unentschieden gegen Italien heraus. Heute erinnert man sich noch an einen Heimsieg gegen die Niederlande vor der EM 1996. Seit 2007 sitzt Bernd Stange an der Seitenlinie der Weißrussen, die bis auf Aliaksandr Hleb keinen wirklichen Hochkaräter vorstellen können. Rekordnationalspieler ist Alysandr Kulchy mit über achtzig Einsätzen.

ALBANIEN

Auch wenn die Vita des albanischen Fußballs alles andere als mit Erfolg gekrönt ist, genießt der Ballsport im Land einen hohen Stellenwert. Dabei hatte die Nationalmannschaft 1934 eine Einladung bekommen, um an der Weltmeisterschaft in Italien teilzunehmen, doch wegen organisatorischer Schwierigkeit musste „Kuq e Zintje“ („Rot und Schwarz“) leider passen. Bis auf eine U-21-EM-Teilnahme 1984 konnte sich das Land für kein großes Turnier qualifizieren. Schwer vorstellbar, dass dies Nationaltrainer Josip Kuze, Nachfolger von Arie Haan, mit dem Kader gelingt: Kult-Kicker Ervin Skela ist als Vizekapitän immer noch aktiv, Kapllani kennt man aus Augsburg, Bogdani ist mit Cesena in die Serie A aufgestiegen, Lorik Cana verdient bei Galatasaray seine Brötchen. Hannovers Altin Lala wurde zuletzt nicht mehr berücksichtigt.

LUXEMBURG

Die Leistungen Luxemburgs in den Fußballgeschichtsbüchern sind nicht größer als das Land selbst. Trotz kleinerer Hochs 1964 und 1995, brachte der Zwergenstaat das Kunststück zustande zwischen 1995 und 2007 kein Spiel zu gewinnen. FIFA-Rang 195 war die Folge. Die Siege gegen Gambia und Weißrussland waren zwar keine große Nummer, doch am 10. September 2008 sorgten die Benelux-Kicker für eine Riesensensation, in dem sie Ottmar Hitzfelds „Eidgenossen“ drei Punkte stibitzen – auswärts. Seit 2010 schwingt Trainer Luc Holtz das Zepter und tritt damit das Erbe von Guy Hellers an, mit dem es wieder aufwärts ging im Verband. Im Sommer beendete Rekordnationalspieler Jeff Strasser seiner Karriere, der einst beim FC Kaiserslautern kickte. Nach ruhmreichen Nachfolgern sucht man vergebens.

GOAL.COM-PROGNOSE

Die französische Nationalmannschaft beherbergt etliche internationale Topprofis, die Laurent Blanc nun endlich zu einer Einheit formen muss. Dann ist bei „Les Bleus“ so einiges drin. Doch wie wird die Unruhe und die vielen internen Sperren nach der WM verdaut? Mit Bosnien wartet ein äußerst ungemütlicher Gegner, der am Ende nicht nur die Rumänen hinter sich lassen könnte, sondern sogar auch die Blanc-Elf, sollte diese nicht schleunigst die Kurve kratzen. Luxemburg, Albanien, Weißrussland sind nun Kanonenfutter für die Großen.

Eure Meinung: Frankreich, Bosnien, Rumänien – welche beiden Teams landen auf Platz Eins und Zwei? Wie bekommt Blanc den Umbruch hin?



 
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