EM-Qualifikation Gruppe C: Gelingt Italien der Umbruch ohne Schrammen gegen Serbien & Slowenien?

Der Weltmeister präsentierte sich alles andere als weltmeisterlich in Südafrika und schied in der Vorrunde aus. Cesare Prandelli soll die „Azzurri“ verjüngen, doch wie viel Risiko können sich die Italiener gegen zwei andere Mannschaften aus dem WM-Teilnehmerfeld erlauben?

Der neue Coach der Azzurri: Cesare Prandelli (Getty)
(frd) Rom. Italien will die Reformen vorantreiben, doch Serbien und Slowenien sind auf der Lauer, um dies in der Qualifikation schamlos auszunutzen. Normalerweise findet die EM 2012 ohne Nordirland, Estland und die Färöer statt, doch wer kann die dicke Überraschung landen? Goal.com nimmt die Gruppe unter die Lupe.

ITALIEN

Nach dem blamablen Vorrundenaus bei der WM in Südafrika schrillen beim Europameister von 1968 die Alarmglocken: Zu alt sei das Team, zu festgefahren die Strukturen. Als Heilsbringer hat sich neben Roberto Baggio, Sacchi und Rivera vor allem Cesare Prandelli als Nationaltrainer der Aufgabe gestellt, die „Squadra Azzurra“ zu verjüngen. Als erste und symbolische Maßnahme nominierte der Ex-Fiorentina-Coach Jungnationalspieler Mario Balotelli, wegen dessen Hautfarbe und Benehmen das Land in Vergangenheit oft auf die Barrikaden ging. Auch Amauri und Antonio Cassano spielen ab sofort eine Rolle in Italien, die Zukunft gehört jedoch Kickern wie Keeper Marchetti, Claudio Marchisio, Riccardo Montolivo, Leonardo Bonucci und Marco Motta.

SERBIEN

Während Jugoslawien zweimal Vize-Europameister wurde und Serbien-Montenegro 2000 ins Viertelfinale stieß, wartet das junge Serbien noch auf seine erste EM-Teilnahme, nachdem man 2008 den Sprung in die Alpen verpatzt hatte. Die Reise nach Südafrika hatte sich die Mannschaft von Radomir Antic ganz anders vorgestellt. Als Geheimtipp wurden „die weißen Adler“ gehandelt, doch trotz eines Sieges gegen den Turnierdritten Deutschland verpasste man die zweite Runde. Zu wenig für einen Kader mit internationalem Kaliber. Neben den (Ex-)Bundesligastars Kacar, Tosic, Kuzmanovic, Subotic und Pantelic stehen mit Krasic, Jovanovic, Zigic, Vidic, Ivanovic und Stankovic einige Hochkaräter bei europäischen Topclubs unter Vertrag.



SLOWENIEN

Obwohl den Slowenen der diesjährige WM-Achtelfinaleinzug in allerletzter Minute geraubt wurde, verließ das Team von Matjaz Kek Südafrika erhobenen Hauptes. Das Team konnte die Schmach von 2002 vergessen machen und sein Zukunftspotenzial andeuten. Die erste und einzige EM-Teilnahme datiert schon aus der Zahovic-Ära 2000 zurück, als man gemeinsam mit Ribbecks Deutschland in der Vorrunde ausschied und dass soll das defensivstarke Kollektiv 2012möglichst sogar noch übertreffen. Der Star ist das Team in Slowenien, das mit Brecko, Novakovic und Dedic weiterhin drei Bundesligisten im Kader besitzt. Die Säulen des Teams sind Udinese-Keeper Sami Handanovic, sowie die Mittelfeldmotoren Robert Koren (Kapitän), Valter Birsa und Andraz Kirm. Der 21-jährige Tim Matavz stürmt sehr erfolgreich in der Eredivisie für Groningen und könnte der Star von morgen sein.

ESTLAND

Während die Sowjetunion ein Schwergewicht der EM-Geschichte war, konnte Estland seit seiner Unabhängigkeit 1991 sich noch nie für ein großes Turnier qualifizieren. Dabei konnten sich die Kicker aus dem Baltikum über die Jahre steigern. Verlor man bei der ersten EM-Quali 1996 noch 1:7 gegen Kroatien, so schafften die Esten bereits 2006 fast den Sprung zur WM in Deutschland, nachdem bereits 2004 immerhin acht Punkte erlangt wurden. Zu den größten Erfolgen des Landes zählt ein 0:0 gegen die Türkei während der WM-Qualifikation 2010, emotionaler wird jedoch das 1:1 2006 gegen das große Russland in Erinnerung gehalten. Die Kicker im Kader von Tarmo Rüütli spielen verteilt in ganz Europa, legendär ist Ex-Roda-Stürmer Andres Oper, der gleichzeitig mit 36 Teffern Rekordtorschütze ist.  

NORDIRLAND

Obwohl Nordirland immer noch auf seine erste EM-Teilnahme wartet, haben die Insel-Kicker bereits EM-Geschichte geschrieben, indem sie 1984 Deutschland die erste Heimniederlage in einem Qualifikationswettbewerb zufügten. Auch konnte Stürmer David Healy den Rekord von Davor Suker brechen und 13 Tore während einer Qualifikationscampagne erzielen. Am meisten Gewicht hatte jedoch sein Treffer zum 1:0 gegen England 2006. Im Vorfeld zur WM 2010 ließen die Nordiren Polen hinter sich und waren nur einen Punkt schlechter als Tschechien. Der große Coup wird der Truppe von Nigel Worthington jedoch kaum zugetraut. Die meisten Akteure verdienen zwar auf der Insel ihr Geld, aber mit Kalibern wie Johny Evans (ManUnited), Chris Baird, Aaron Hughes (beide Fulham) ist auch schon das Höchste der Gefühle erreicht.

FÄRÖER

Viele dürften die Färöer noch gedanklich mit zwei Beinahe-Blamagen der DFB-Elf unter Rudi Völler in Erinnerung haben (zu dem es auch eine Gedenkbriefmarke gab), als Bobic und Klose 2003 erst in der 89. und 90. Minute die Ehre des dreimaligen Weltmeisters bewahrt hatten. „Gegen einen solchen Gegner kann man nicht glänzen, da geht es nur mit der Brechstange“, sprach der Nationaltrainer nach Abpfiff. Ein Motto, das teilweise noch heute gilt. Die Inselkicker, die neben England, Wales, Schottland und Nordirland trotz fehlender staatlicher Souveränität (die Insel gehört offiziell zu Dänemark) Mitglied der UEFA sein dürfen, für einige internationale Überraschungen sorgen können, aber an einer EM- oder WM-Teilnahme war bis heute nicht zu denken. Die meisten Nationalspieler verdienen in der heimischen Liga ihr Geld, Ausnahmen kicken in Dänemark oder in den unteren Klassen Großbritanniens.

GOAL.COM PROGNOSE

Mit Cesare Prandelli wurde der wohl richtige Trainer zur richtigen Zeit in Italien verpflichetet. Allerdings verläuft so ein Umbruch selten ohne Kratzer. Der Ex-Florentiner muss eine Balance zwischen neuen Strukturen und Ergebnisfußball finden, denn vor allem Serbien hat nominell einen starken Kader. Doch auch hier gilt: Werden Vidic und Co ihr volles Potenzial ausschöpfen können? In Südafrika ist dies nicht gelungen. Beide Mannschaften müssen den Anspruch haben, sich für die EM 2012 zu qualifizieren, jedes andere Ergebnis wäre eine bittere Überraschung. Doch Vorsicht: Auch an Slowenien kann man sich an die Zähne ausbeißen. Vollen Einsatz versprechen vor allem die Nordiren, gegen Estland und die Färöer zählt aber ebenso nichts anderes als ein Sieg.

Eure Meinung: Wer setzt sich in der Gruppe C am Ende durch?



 
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