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Jose Mourinho und Pep Guardiola waren einmal Freunde. Doch die Rivalität zwischen Real und Barcelona zerstörte das. Mit neuen Klubs treffen die beiden nun wieder aufeinander.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Jose Mourinho rannte auf den Rasen. Er suchte Pep Guardiola, fand ihn, umarmte ihn und für Sekunden standen die beiden Männer beieinander und genossen einen emotionalen Moment. Der FC Barcelona hatte gerade Paris Saint-Germain mit einem Tor Vorsprung besiegt und den Europapokal der Pokalsieger 1997 gewonnen. Guardiola war Mittelfeldspieler, Mourinho der Assistent von Bobby Robson. Es waren andere Zeiten damals.

Gemeinsame Leidenschaft für Taktik

Pep und Jose hatten ein gutes Verhältnis während ihrer gemeinsamen Zeit beim katalanischen Klub. Guardiola, schon immer ein akribischer Analytiker des Spiels, sprach während der Trainingseinheiten immer wieder mit dem Portugiesen über taktische Angelegenheiten. Es entwickelte sich eine Verbundenheit. Beide teilten nicht nur eine brennende Leidenschaft für den Fußball, sondern auch einen enormen Wissensdurst und den Willen zum Wettkampf. Später wurden sie dann erbitterte Rivalen.

FLIEGENDE GIFTPFEILE


"Die Konkurrenz zwischen zwei Klubs mit denselben hohen Zielen ist sehr stark. Manchmal ging es allerdings über das Sportliche hinaus und es gab Momente, in denen Jose den Bogen überspannt hat."

- Miguel Angel Nadal
Der gegenseitige Respekt sollte jedoch zunächst noch eine Weile anhalten. Zumindest bis zum Rückspiel im Halbfinale der Champions League 2010 zwischen Inter Mailand und Barca. Damals lobte Guardiola in der Pressekonferenz vor dem Match: "Wenn ich gewusst hätte, welche großartiger Trainer er wird, dann hätte ich dem Klub geraten, ihn zu behalten."

Ein Jahr später war Mourinho als Trainer Real Madrids nach Spanien zurückgekehrt und ein bemerkenswerter Wettkampf begann. Der Respekt war indes auch im Januar 2011 noch vorhanden. Beide saßen bei der Zeremonie für den Ballon d'Or nebeneinander und Guardiola witzelte: "Wir haben uns unterhalten. Wir sprachen über die Gala, den Pianisten, der wirklich gut war, und wir haben um die Armlehne gekämpft. Sonst nichts."

Allerdings war das Verhältnis da schon nicht mehr völlig intakt und bis zum Ende der Saison war es so kaputt, dass es nicht mehr zu reparieren war.

Barca und Real trafen binnen 17 Tagen am Ende der Saison 2010/11 viermal aufeinander. Nach dem zweiten dieser Duelle schüttete Mourinho so richtig Öl ins Feuer. Auslöser war ein ironischer Kommentar Guardiolas zu einer vermeintlichen Abseitsstellung Pedros und der angeblich "überragenden" Sehfähigkeit des Linienrichters. Barca wurde dadurch ein Treffer im Finale um die Copa del Rey verwehrt und Cristiano Ronaldo besorgte anschließend in der Verlängerung per Kopf den Sieg für Real.

"Eine neue Ära hat begonnen", verkündete Mourinho. "Nun gibt es eine neue Gruppe (von Trainern), zu der einzig er gehört, die Schiedsrichter für das Treffen richtiger Entscheidungen kritisieren..."

"Welches ist Deine Kamera, Jose?"

Wenige Tage später trafen sich beide Teams erneut im Halbfinale der Champions League und Guardiola antwortete mit einer Wutrede. "Welches ist Deine Kamera, Jose", fragte er in den picke-packe vollen Presseraum des "Santiago Bernabeu". "Wahrscheinlich sind sie das alle", antwortete er selbst. Er fügte hinzu, er wolle mit Mourinho nicht über die Medien streiten. "Er ist darin der verdammte Boss, der verdammte Mann. Er kann seinen eigenen Titel dafür haben."

Guardiola behielt das bessere Ende für sich, denn Barca warf Madrid aus der Königsklasse. Noch vor dem Rückspiel hatte allerdings Mourinho weitere Giftpfeile abgeschossen: "Guardiola hat nur eine Champions Leagu gewonnen. Das wäre mir peinlich. Ich schämte mich, wenn ich sie nach dem 'Skandal an der Stamford Bridge' gewonnen hätte. Und wenn er sie in diesem Jahr gewinnt, dann wird es nach dem 'Skandal von Bernabeu' sein."

Pep war von diesen Worten merklich getroffen. Immerhin hatten die beiden Männer vier Jahre lang zusammengearbeitet. Und Guardiola war nun zunehmend genervt von den wiederkehrenden Fragen nach Mourinho. Immer wieder sollte er sich zu dessen Kommentaren äußern und das missfiel ihm zusehends. Die Seufzer nahmen zu und die Frustration wuchs.

Mourinho stichelt weiter

Mourinho besiegte Barca in La Liga 2011/12, ehe der katalanische Coach sich dazu entschied, ein Jahr Pause zu machen. Er kommentierte: "Es ist sein Leben. Aber für mich ist es undenkbar, ein Sabbatjahr einzulegen. Er ist jünger als ich und ich bin nicht müde."


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Nun, vor dem Aufeinandertreffen der beiden beim Match um den Europäischen Supercup, sagte der Portugiese am Mittwoch: "Jupp Heynckes' Team war das beste Europas. Jetzt haben sie einen neuen Trainer und neue Spieler und ich bin nicht sicher, dass sie noch immer so gut sind."

Der ehemalige spanische Nationalspieler Miguel Angel Nadal hat in Barcelona an der Seite von Pep Guardiola gespielt und er hat auch Mourinho als Trainer im Camp Nou erlebt. Er erinnert sich noch an bessere Zeiten zwischen ihnen. "Die beiden hatten eine gute Beziehung", sagte Nadal Goal. "Guardiola war immer an taktischen Dingen interessiert. Vielleicht lag das an seiner Position auf dem Feld. Er verfügte über große Qualität und er wollte immer dazulernen. Er sprach gerne mit den Trainern und die beiden verstanden sich gut."

Was ist also passiert? Nadal meint: "Ich weiß nicht, ob das Verhältnis irreparabel ist. Zu einer bestimmten Zeit war es sicher sehr zerrüttet. Die Rivalität zwischen Barca und Madrid spielt eine große Rolle. Mourinho ist ein Trainer, der sich in der Presse sehr wohl fühlt. Und die Konkurrenz zwischen zwei Klubs mit denselben hohen Zielen ist sehr stark. Manchmal ging es allerdings über das Sportliche hinaus und es gab Momente, in denen Jose den Bogen überspannt hat."

Ist Pep ein Schauspieler?

Mourinho hat seinerseits einmal behauptet, hinter Guardiola stecke mehr, als er in der Öffentlichkeit präsentiere: "Es gibt Leute, die verkaufen ein anderes Image als ich es tue. Aber im Grunde sind wir alle gleich." Pep antwortete: "Falls das stimmt, dann muss ich mir über mein Benehmen Gedanken machen."

Das charistmatische Bild des Katalanen in der Öffentlichkeit ist in der Tat ein anderes, als jenes des feurigen Hitzkopfs, der er einst auf dem Platz war. Mourinho gefällt das nicht. Miguel Angel Nadal glaubt: "Jeder liefert das Image, das er gerne abgeben möchte. Beide kennen sich persönlich. Es ist möglich, dass Guardiolas Image oder sein "Produkt" Mourinho auf die Nerven geht."

Eine große Liebe wird es zwischen den beiden Startrainern gewiss nicht mehr. Auch wenn sie im Grunde nicht komplett verschieden sind, so Nadal: "Das Wichtigste ist doch, dass sie beide zwei Liebhaber des Fußballs sind."

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