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Adieu Nimmerland: "Peter Pan" Balotelli soll erwachsen werden

Italiens neuer Nationaltrainer stellt den Teamgeist in den Vordergrund und sendete ein klares Signal an Balotelli: Der talentierte Stürmer muss endlich erwachsen werden.

KOMMENTAR
Von Mark Doyle

Bari. Zwei Tage, bevor Antonio Conte erstmals als Trainer der italienischen Nationalmannschaft einen Kader nominierte, hatte der 45-Jährige über das Verhältnis des Einzelnen und der Gruppe philosphiert und Einblicke in sein Verständnis von Mannschaftssport gegeben: "Der Mann zählt mehr als der Spieler. Ich habe mich immer auf Männer verlassen." Für Mario Balotelli, den Peter Pan des italienischen Fußballs, kam das einer Absage gleich.

Für Schlagzeilen sorgte die Nichtberücksichtigung des Stürmers dennoch, als der 27-Mann-Kader für das Freundschaftsspiel am Donnerstag gegen die Niederlande sowie den anstehenden Auftakt in die EM-Qualifikation gegen Norwegen bekannt gegeben wurde. Schließlich ist seit geraumer Zeit alles, was Balotelli tut, in Italien eine Nachricht wert. Er ist ein Traum für die Journalisten und zugleich ein Albtraum für jeden Trainer.

Jose Mourinho stempelte den inzwischen 24-Jährigen während seine Zeit bei Inter Mailand einst als "untrainierbar" ab. Nicht weniger aussagekräftig ist die Tatsache, dass Pippo Inzhaghi, neuer Trainer des AC Mailand angesichts des Abschieds von Balotelli in Richtung Liverpool völlig entspannt blieb und argumentierte, dass man den Verlust an Talent mit neuem Teamgeist wettmachen könne.

Conte: "Man muss sich den Platz verdienen"

ITALIENS STURM-OPTIONEN
Spieler
Balotelli
Quagliarella
Osvaldo
Destro
El Shaarawy
Giovinco
Immobile
Zaza
Spiele
33
25
14
5
10
17
4
0
Tore
13
7
4
1
1
1
0
0

Contes Vorgänger Cesare Prandelli akzeptierte, dass Balotelli auf und neben dem Platz eine Belastung darstellte, solange das Können des Angreifers überwog. So schaffte es der frühere Trainer der Squadra Azzurra, Italiens Problemkind zu einigen Höchstleistungen, darunter der starke Auftritt im EM-Halbfinale 2012 gegen Deutschland, zu motivieren.

Am Ende ließ aber auch Balotelli den 57-Jährigen bei der WM in Brasilien im Stich und avancierte einmal mehr zur umstrittenen Personalie. Antonio Conte hat mit der Nichtberücksichtigung des Stürmers deutlich gemacht, dass der Teamgedanke im Vordergrund steht. "Man mag Talent haben, aber wenn man sich nicht in den Dienst der Mannschaft stellt, interessiert mich das nicht", verdeutlichte der Fußballlehrer diese Strategie.

Juventus Turins einstiger Erfolgscoach betonte, dass jeder um seinen Platz im Team kämpfen müsse; vergangene Erfolge und Verdienste seien da ohne Bedeutung. "Ich verteile keine Geschenke und das habe ich auch den Jungs gesagt", erklärte Conte: "Niemand wird ausgeschlossen, aber man muss sich eine Nominierung verdienen."

Wie reagiert Balotelli auf die Nichtberücksichtigung?

Allerdings steht dieses Leistungsprinzip schon jetzt auf dem Prüfstand. Zum Kader für die anstehenden Länderspiele gehören auch Sebastian Giovinco und Fabio Quagliarella, der den verletzten Pablo Osvaldo ersetzt. Zusammen erzielten diese drei Angreifer in der Vorsaison vier Tore in der Serie A. Zum Vergleich: Balotelli traf 14 Mal. Anders als der 24-Jährige spielten Giovinco, Quagliarella und Osvaldo in vergangenen Spielzeit unter Conte bei Juventus Turin, wenngleich sie nicht zum Stammpersonal gehörten.

Umso eindeutiger ist die Nominierung der drei Stürmer als Signal an Balotelli zu werten. Italiens Nationaltrainer macht klar, dass er lieber drei Spieler mitnimmt, die sich bei Juventus unter ihm keinen Stammplatz erkämpfen konnten, als den 24-Jährigen. Bleibt die Frage, ob der Angreifer vom FC Liverpool auf dieses Signal mit der üblichen Launenhaftigkeit reagiert. Oder ob er es nimmt wie ein Mann. Nur dann hat Balotelli die Chance, Conte von einem Comeback für Italien zu überzeugen.

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