Ex-Argentinien-Coach Menotti: "Außer Messi sehe ich nichts"

Argentiniens Weltmeister-Trainer von 1978 sieht im DFB-Team den verdienten Titelträger. Seine eigene Landesauswahl kritisiert er hingegen scharf - einzig Messi mache Hoffnung.

Buenos Aires. 1978 führte Cesar Luis Menotti die argentinische Nationalmannschaft zum Weltmeister-Titel im eigenen Land. Vor der Neuauflage des jüngsten WM-Finales am Mittwoch in Düsseldorf (ab 20:45 Uhr im LIVE-Ticker) übte Menotti Kritik an den Leistungen der Albiceleste in Brasilien - trotz des Finaleinzugs: "Was hat diese Mannschaft wirklich geleistet? Praktisch in allen Spielen waren es Messis Aktionen, die die Entscheidung brachten", blickte der 75-Jährige im Interview mit dem Kicker zurück.

Lediglich die Abwehr sei in der Gesamtheit auf einem ansprechenden Niveau gewesen, ansonsten habe Argentinien "so schlecht gespielt wie bei den vergangenen Turnieren." Deutlich besser schnitt in Menottis Bewertung die deutsche Nationalelf ab, die sich seiner Meinung nach verdient die Krone aufsetzen durfte. "Sie waren die konstanteste, reifeste Mannschaft. Deutschland war das beste Team der WM", zollte Menotti der Mannschaft von Joachim Löw Respekt.

Hätte Kroos nicht gehen lassen

Einen Spieler explizit hervor heben will der einstige Weltmeister-Coach zwar nicht. Dennoch hat er seine Vorlieben. So ist für ihn Toni Kroos "seit Jahren einer der besten deutschen Fußballer." Vor allem dessen "Leichtigkeit in der Ballbehandlung und -verarbeitung" imponieren Menotti, der betont: "Ich hätte Toni Kroos nie zu Real gehen lassen."

Ebenso in höchsten Tönen spricht der einst als Rebell geltende Ex-Trainer von Final-Torschütze Mario Götze. "Er ist nicht zu halten, wendig, intelligent, technisch brillant." Daher sei es ihm ein Rätsel, warum Miroslav Klose und nicht Götze im Finale von Rio de Janeiro in der deutschen Startelf stand.

Müller "lebt vom Instinkt"

Weniger begeistert zeigt sich Menotti derweil von Thomas Müller. "Klar, sehr gefährlich, völlig unorthodox", sagt er über den WM-Torschützenkönig von 2010, schränkt jedoch ein: "Aber technisch nicht so begabt, er lebt vom Instinkt."

Erfolgreich ist Müller allerdings allemal. Ob das in Zukunft auch wieder für die argentinische Nationalelf gelten wird, bezweifelt Menotti. "Außer Messi sehe ich nichts, was mir wirklich große Hoffnung macht", gesteht er bezüglich der Titelchancen bei der Copa America im kommenden Jahr.