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Goldener Ball: Selbst Maradona kritisiert Ehrung für Messi, auch Blatter überrascht

Die Verleihung des "Goldenen Balls" sorgte stellenweise für Unverständnis. Selbst Diego Maradona hält die Auszeichnung für ungerechtfertigt.

Rio de Janeiro. Diego Maradona attackierte die FIFA, sogar Joseph S. Blatter wunderte sich, und Lionel Messi war das Prozedere ganz offensichtlich peinlich. Kaum hatte der als bester Spieler des WM-Turniers ausgezeichnete Argentinier das Podium auf der Ehrentribüne des Maracana-Stadions verlassen, legte er die goldene Trophäe ganz schnell beiseite. Der viermalige Weltfußballer ahnte da wohl schon, was am nächsten Tag über ihn hereinbrechen würde.

Im Internet löste die Auszeichnung von "La Pulga" mit dem Goldenen Ball einen wahren Shitstorm aus. Und selbst Diego Maradona kritisierte die Entscheidung der FIFA scharf. "Wenn diese Marktschreier wollen, dass er etwas gewinnt, was er eigentlich nicht verdient hat, ist es ungerecht", sagte der Weltmeister von 1986 in Richtung der Technical Study Group der FIFA, die die Auswahl vorgenommen hatte: "Es ist nicht richtig, wenn jemand etwas gewinnt nur aufgrund irgendeines Marketingplans."

Blatter: "Ich war etwas überrascht"

Dass selbst FIFA-Boss Blatter behutsam, aber doch deutlich von den Experten im eigenen Haus abrückte, sprach Bände: "Soll ich die Wahrheit sagen? Ich war etwas überrascht über die Wahl Messis", sagte Blatter auf seiner Bilanz-Pressekonferenz am Montag, bevor er schnell hinzufügte: "Aber seine Tore waren entscheidend."

Messi hatte in der Abstimmung unter anderem den deutschen Weltmeister Thomas Müller und Oranje-Star Arjen Robben hinter sich gelassen. Auch die ebenfalls nominierten Mats Hummels, Philipp Lahm und Toni Kroos gingen trotz grandioser Leistungen während des WM-Turniers am späten Sonntagabend leer aus.

Im Social Web fielen die Reaktionen auf die Wahl des Superstars heftig aus. "Messi soll der beste WM-Spieler gewesen sein? Oh, mein Gott. Es war nicht einmal unter den besten Vier seines Teams", postete ein User bei Twitter und nannte Abräumer Javier Mascherano sowie die Verteidiger Pablo Zabaleta, Marcos Rojo und Ezequiel Garay als seine Favoriten.

Heftige Reaktionen und Unverständnis allerorten

Einige schrieben wahlweise von einer "verwirrenden Entscheidung", "einem nutzlosen" Messi, der bei der WM "nichts für Argentinien geleistet" habe, oder nannten die Auswahl einen "Witz". Andere gingen mit ihren Kommentaren wie "Fuck Messi!" weit unter die Gürtellinie. Selbst der US-TV-Gigant NBC legte sich via Kurznachrichtendienst fest: "Das macht keinen Sinn."

In der Tat überzeugten die "Albiceleste" in den sieben WM-Spielen eher durch ihre tadellose Defensivarbeit als durch glanzvolle Darbietungen ihres Offensivkünstlers vom FC Barcelona. Seine vier Turniertreffer erzielte Messi allesamt in der Vorrunde. Als es in den K.o.-Spielen drauf ankam, war es in erster Linie der argentinische Abwehrbeton, der den Traum vom dritten WM-Titel am Leben hielt. 443 Minuten blieben die Südamerikaner in der zweiten Turnierphase ohne Gegentor, ehe Mario Götze das argentinische Bollwerk im Endspiel von Rio knackte.

Kein Wunder, dass die Wahl zum besten WM-Spieler bei Messi keinerlei positive Emotionen auslöste. "Der Goldene Ball zählt in diesem Moment nicht viel für mich. Ich wollte nur den WM-Pokal in die Höhe heben", sagte Argentiniens "Messias" tieftraurig, nachdem er mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck vorbeigetrottet war.

Selbst die aufmunternden Worte seines Trainers Alejandro Sabella, der ihn als "fundamentalen Faktor" würdigte, konnte Messis Miene nicht aufhellen. Viel lieber wäre er bei seiner dritten WM-Teilnahme endlich zum entscheidenden Faktor geworden. Doch dieses Szenario blieb Messi auch diesmal verwehrt.

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