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Prämienstreit, Trainerdiskussion, Bombenanschläge: Unruhe im Lager der Nigerianer

Prämienstreit, Trainerdiskussion und Bombenanschläge in der Heimat: Nigerias Vorbereitung auf das Achtelfinale gegen Frankreich steht unter keinem guten Stern.

Campinas/Porto Alegre. Streikpotenzial auch bei den Super Eagles: Als wäre die WM-Achtelfinal-Aufgabe gegen Ex-Weltmeister Frankreich nicht schon kompliziert genug, erschwert ein schwelender Prämienstreit Nigerias Vorbereitung auf die Partie am Montag.

Vor dem wichtigsten Duell der jüngeren Verbandsgeschichte herrscht Unruhe im Lager der Westafrikaner - die ausstehenden Zahlungen sind dabei aber längst nicht das Einzige, das die Konzentration der Nigerianer stört.

"Das Geld ist nur für die Gruppenphase gezahlt worden, für die zweite Runde muss er mehr holen", wird ein Verbandsoffizieller im Internetportal kickoffnigeria.com zitiert. Er, das ist Verbands-Generalsekretär Musa Amadu, der angeblich schon in die Heimat geflogen ist, um das zusätzlich benötigte Kleingeld zu besorgen. Im Raum stehen 30.000 Dollar pro Spieler.

Afrikanische Teams mit Geldsorgen

Ärger um Prämienzahlungen hatte es zuvor auch bei den WM-Teilnehmern Kamerun und Ghana gegeben. Dass es die Kicker des Afrikameisters Nigeria mit ihrer Forderung ernst meinen, hatten sie bereits am Donnerstag verdeutlicht. Das geplante Training im Lager in Campinas wurde kurzerhand gestrichen, "zur Schonung", wie der Verbandssprecher erklärte. Trainer Stephen Keshi ging sogar soweit, die Schuld - mal wieder - auf die Medien abzuwälzen.

"Ich verstehe ja, dass sich manche Menschen einmischen wollen", sagte der sichtlich genervte Coach, "aber es wäre schön, wenn sie uns in Ruhe arbeiten lassen würden. Die ständig verbreiteten Mitteilungen sind schädlich und stören nur unsere Vorbereitung."

Dabei besitzt Keshi selbst ebenfalls einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der wenig förderlichen Situation beim Olympiasieger von 1996. Weil er Nigerias Star Victor Moses in den letzten beiden Gruppenspielen gegen Bosnien-Herzegowina (1:0) und Argentinien (2:3) nicht eingesetzt hatte, spekulierten die Medien über einen handfesten Streit zwischen Spieler und Trainer. Keshi wusste die Gerüchte nicht eindeutig zu dementieren, wandte sich mit merkwürdigen Aussagen heraus. Zum wiederholten Male.

WM und dann "Goodbye Nigeria"?

Denn vor wenigen Tagen hatte er auch bei der Diskussion um seine Zukunft ein klares Bekenntnis zu seiner jetzigen Mannschaft vermissen lassen. "Es existieren einige Interessenten", gab Keshi zu, als er auf einen möglichen Wechsel nach der WM angesprochen worden war. "Südafrika ist einer davon. Mehr möchte ich dazu nicht sagen."

Keshi besitzt eigentlich noch bis zum 31. Dezember 2015 ein gültiges Arbeitspapier bei den Nigerianern. Vielleicht quält ihn in diesen Tagen ja auch die angespannte Situation in der gebeutelten Heimat so sehr, dass er nur selten einen klaren Gedanken fassen kann.

Team durch Anschläge gebeutelt

"Wie groß müssen Siege im Fußball sein, um diese Leben aufzuwiegen?", fragte Keshi nach den jüngsten Schreckensnachrichten aus Nigeria. Ein Bombenanschlag mit mindestens 21 Toten und 17 Verletzten hatte am Mittwoch die Hauptstadt Abuja erschüttert - möglicherweise ein weiterer Akt der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram.

Immerhin: Trotz Prämienstreit, Trainerdiskussion und Bombenanschlägen tun das die Super Eagles in Brasilien derzeit richtig gut. Die Chancen gegen Frankreich scheinen gering, die Zuversicht ist aber groß. "Ich glaube, das französische Spiel liegt uns. Wir können das Viertelfinale erreichen", sagte der ehemalige Auswahlspieler Nwankwo Kanu. Der Gegner wäre dann übrigens Deutschland oder Algerien... 

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