"St. Gottmar" Hitzfeld: Zwei Gegner beim Kampf ums Achtelfinale

Frankreich ist durch in der Gruppe E. Die Schweiz, Honduras und Ecuador streiten sich noch um den zweiten Platz. Ottmar Hitzfeld und die Eidgenossen müssen siegen.

Manaus/Rio de Janeiro. Rein theoretisch könnte Ottmar Hitzfeld am Donnerstag bereits Rentner sein und gleich vor dem Hotel in Manaus einen der sehr beliebten Dschungel-Trips buchen. Ohne Zeitlimit - befreit von allen Pflichten. Ottmar als Hobby-Tarzan sozusagen.

Doch an den drohenden Ruhestand verschwendet der 65-jährige Hitzfeld vor dem "Alles-oder-Nichts"-Spiel seiner Schweizer im brasilianischen Regenwald am Mittwoch gegen Honduras (22.00 Uhr MESZ) keinen Gedanken. "Ich habe noch gar nicht überlegt, dass es mein letztes Spiel sein könnte", sagte der Lörracher und gab sich zuversichtlich: "Ich gehe davon aus, dass es nicht mein letztes ist. Wir werden gewinnen."

Eidgenossen brauchen Sieg

Ihr dritter Achtelfinal-Einzug bei einer WM seit 1994 ist allerdings nur bei einem deutlichen Sieg der Eidgenossen sicher. Ansonsten ist das Hitzfeld-Team auf gleichzeitige Schützenhilfe der bereits vorzeitig für die K.o.-Runde qualifizierten Franzosen gegen Ecuador angewiesen. Die Ecuadorianer könnten sich aber auch eine Niederlage leisten - wenn Honduras gegen die Schweiz gewinnt und nicht vier Tore aufholt. Weshalb Honduras auch die schlechtesten Chancen hat, noch das Achtelfinale zu erreichen.

Mit einem Ausscheiden will sich Ecuador erst gar nicht beschäftigen. Stürmer Jefferson Montero sagt selbstbewusst: "Frankreich ist nicht unschlagbar." Aber: La Tricolor macht sich Gedanken, wie sie Frankreichs Starstürmer Benzema in den Griff bekommen sollen. "In Manndeckung werden wir ihn nicht nehmen", sagte Trainer Reinaldo Rueda. Angriff sei die beste Verteidigung, meinte er, schließlich hat sein bester Angreifer Enner Valencia genau so oft getroffen wie Benzema (drei Tore). "Er ist ein Geschenk Gottes", sagte Rueda über den 24-Jährigen.

Einstweilen brennt die Schweizer "Nati" jedenfalls brennt nach dem 2:5-Debakel gegen "Les Bleus" am vergangenen Freitag auf Wiedergutmachung. "Jetzt müssen wir Charakter zeigen und ein großes Spiel zeigen. Es gilt, bei dem Klima dort den inneren Schweinehund zu überwinden", sagte Bayern Münchens Profi Xherdan Shaqiri, während sein Kollege Blerim Dzemaili versprach: "Unser Ziel ist es, Hitzfeld einen guten Abschluss zu bereiten."

Heftige Kritik aus der Heimat

"Sankt Gottmar", wie er einst in der Alpenrepublik voller Bewunderung genannt wurde, spürt derzeit allerdings mächtigen Gegenwind. Einige Schweizer Medien ("Das ist Fußball aus der Vergangenheit") lassen kein gutes Haar an den Entscheidungen von Hitzfeld, der mit sieben Bundesliga-Titeln und zwei Champions-League-Siegen hinter Udo Lattek der erfolgreichste deutsche Klubcoach ist.

Die Aargauer Zeitung lästerte, die Mannschaft sei "das Abbild" ihres Trainers. Sie spiele "ohne Feuer und Leidenschaft. Ängstlich. Nervös. Nie überraschend, frei von Tempo." Hitzfeld wird vorgeworfen, stur auf das "4-2-3-1"-System zu setzen. Plan B? Fehlanzeige.

Auch die Formschwäche einiger Leistungsträger wird dem ehemaligen Münchner und Dortmunder Meistertrainer angelastet. Mittelfeld-Dribbler Shaqiri allerdings wehrte sich gegen die Kritik an seiner Person. "Man darf nicht erwarten, dass ich die Spiele alleine entscheide", sagte der 22-Jährige.

Vielleicht bringt Shaqiri am Mittwoch die Tatsache Glück, dass er vor vier Jahren ausgerechnet gegen Honduras sein WM-Debüt gegeben hatte. Damals war die Schweiz gegen die Mittelamerikaner allerdings nicht über eine Nullnummer hinausgekommen - und verpasste in Südafrika letztlich den Sprung ins Achtelfinale.