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DFB-Gegner Portugal: Konterstärke und Konteranfälligkeit

Die erste WM-Partie der DFB-Auswahl ist bereits ein Schlüsselspiel. Portugals Offensivstärke birgt Gefahren für die Deutschen.

Am ersten Spieltag der Gruppe G trifft die deutsche Auswahl auf Paulo Bentos Mannschaft. Die Portugiesen könnten gerade durch ihre Konterstärke sehr unangenehm für Löws Team werden, das für einen guten Turnierverlauf am besten drei Punkte zu Beginn benötigt.

Der uneingeschränkte Superstar bei den Iberern ist Cristiano Ronaldo. Wie bei Real Madrid spielt der 29-Jährige auch im Nationalteam nominell als Linksaußen, aber in der Realität agiert er meist als Halbstürmer im Zentrum. Die Spielanalage der Deutschen könnte Ronaldo wie dem gesamten portugiesischen Team in die Karten spielen.

Stärke: Konterfokus über CR7

Denn Löw möchte eine dominante Mannschaft mit viel Ballzirkulation sehen. Die DFB-Elf trägt das Spielgerät in vielen Phasen durch das Mittelfeld und final ins letzte Drittel. Allerdings wirkten die Deutschen stets anfällig bei Kontern. Sie gehen selten ins Abwehrpressing über, sondern ziehen sich mit der Viererkette weit zurück und verteidigen am und im eigenen Strafraum.

Die angebliche personelle Besetzung mit Jerome Boateng und Benedikt Höwedes auf den Außenverteidigerpositionen spricht sogleich dafür. Portugal hingegen kommt vor allem zu Torchancen, wenn sie den Ball erobern und vertikal nach vorn passen können. Ronaldo zockt dabei oft im offensiven Zentrum und arbeitet nur phasenweise nach hinten mit oder Hugo Almeida sichert seine defensive Inaktivität ab.

Kommt Ronaldo einmal ins Tempodribbling, ist er nur schwer zu stoppen und seine Abschlüsse mit beiden Füßen können immer zu Toren führen. Selbiges gilt auch für das Pendant Nani, der allerdings eher auf isolierte Dribblings an der Außenbahn fokussiert ist und sich ansonsten beim Einrücken in Richtung Strafraum nicht selten in toten Zonen verliert.

Schwäche: Ballbesitzspiel

Trotz des personell stark besetzten Mittelfelds hat Portugal teils Probleme, kontrolliert ins Angriffsdrittel zu gelangen. Die beiden Außenstürmer rücken, wie erwähnt, recht früh ins Zentrum, wodurch beide Außenverteidiger einerseits auf den Flügeln isoliert sind und andererseits dazu neigen weit aufzurücken. Im offensiven Zentrum ist die Aufteilung zwischen den drei vordersten Akteure häufig kontraproduktiv für Zuspiele. Sie stehen zu stark horizontal in einer Linie ohne notwendige Staffelung,

Gelangt der Ball zu Linksverteidiger Fabio Coentrao oder Rechtsverteidiger Joao Pereira können sie schnell unter Druck geraten, weil einfache Kombinationen mit den nominellen Vordermännern, die nach innen zogen, nicht mehr möglich sind. Es folgen oftmals entweder ungefährliche Halbfeldflanken oder aber sie verlieren den Ball bereits auf dem Flügel und der Raum hinter ihnen ist durch das starke Aufrücken bereits weit geöffnet.

In diesem Punkt liegt hauptsächlich die Konteranfälligkeit. Bekommen die aufgerückten Achter nicht sofort Zugriff, weil sie zu weit wegstehen, kann der Gegner die Portugiesen im Umschaltspiel sehr schnell und auch recht simpel ausspielen.

Schlüssel: Nutzung der defensiven Instabilität

Eine weitere signifikante Schwachstelle der Portugiesen ist die defensive Stabilität im Allgemeinen. Sie tendieren zwischen hohem 4-3-3-Pressing und einer etwas zurückgezogenen Formation mit einer Viererkette hinter Ronaldo oder Almeida. Gerade der Star von Real Madrid verursacht manchmal Lücken auf der linken Seite. Er deckt bis zur Mittellinie seinen direkten Gegenspieler noch ab, bleibt dann aber oftmals stehen und spekuliert auf eine Möglichkeit im eigenen Konterspiel.

Dadurch kann der Rechtsverteidiger, im deutschen Fall wohl Boateng, recht frei nach vorn laufen. Bliebe zudem Thomas Müller auf der Seite und würde nicht sofort nach innen kippen, könnte Coentrao in erhebliche Schwierigkeiten geraten. Zuweilen nimmt Portugals Mittelstürmer den weiten Weg auf die Außenbahn in Kauf.

Andernfalls würde wohl Raul Meireles zur Unterstützung Coentraos auf die linke Seite rücken, wodurch wiederum Freiraum für die deutschen Sechser entstünde. In jedem Fall wäre es ein Dominoeffekt, den die DFB-Elf nutzen muss, wenn sie die Möglichkeit dazu hat.

Selbiges gilt, wenn Bentos Team sehr hoch den Spielaufbau attackiert. Kann man sich beispielsweise über Mats Hummels aus diesen Situationen befreien, gibt es für die deutsche Schaltzentrale jede Menge Platz zwischen den Linien der Iberer.

Fazit

Für Portugal spricht im Duell mit der deutschen Mannschaft eindeutig die Konterstärke. Löws Truppe ist in solchen Situationen anfällig, die Viererkette nur unzureichend aggressiv. In der Strafraumverteidigung treffen Hummels, Mertesacker und Co. auf die Durchschlagskraft von Ronaldo, Nani und Almeida.

Im Gegenzug ist der Mangel an defensiver Kompaktheit ein guter Hebel für Deutschlands Passmaschine in gefährliche Zonen vorzustoßen und durch kluge Verlagerungen in Portugals Zentrum Lücken aufzureißen.

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