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Spanien: Wo ist das südländische Feuer?

Nach dem Auftakt-Debakel muss die spanische Nationalmannschaft schleunigst das Feintunig vornehmen. Die Zeichen der Zeit hat man wohl erkannt - doch es fehlt die Leidenschaft.

KOMMENTAR
Von Stefan Döring

Spaniens WM-Start fiel desaströs aus! An der derben 5:1-Pleite gegen die Niederlande ist Vicente del Bosque nicht unschuldig. Das hochgelobte Tiki Taka scheint am Ende - das erkannte der Titelverteidiger selbst. Die neuen Automatismen greifen (noch) nicht. Besorgniserregender war jedoch das Auftreten, die schwache Defensivleistung. Sergio Ramos und Gerard Pique standen auf sehr wackeligen Beinen.

Gerade Letztgenanntem merkte man an, dass er in den letzten Wochen nur selten trainieren konnte, noch nicht wieder auf dem höchsten Leistungsniveau spielen kann. Del Bosque hätte gut daran getan, Javier Martinez in die Innenverteidigung zu stellen, der in den vergangenen Wochen in einer überragenden Form spielte.

Trotzdem wäre es unfair, die Pleite nur auf den Schultern von Pique zu analysieren, schließlich stimmte das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft nicht. Zu einfach konnten die Niederlande das Mittelfeld durchspielen, um die Offensivleute in Szene zu setzen. Vor allem Arjen Robben war nicht zu halten. Besonders auffällig war, dass die spanische Defensive mit den langen Bällen auf Robin van Persie keineswegs umgehen konnte. Symbolisch ist sicherlich der Ausgleichstreffer zu nennen.

Schwarzer Tag für Casillas

Iker Casillas erwischte ebenfalls nicht seinen besten Tag - wurde allerdings vor dem 1:3 im Fünfmeterraum unfair angegangen, was der Schiedsrichter falsch bewertete. Hinzu kam Pech vor dem zweiten Tor von Robin van Persie. Gleichwohl fehlte es der Seleccion an Feuer, an südländischer Leidenschaft. Sowohl in der Rückwärtsbewegung, als auch in der hochgelobten Offensive.

Dabei waren durchaus gute Ansätze zu erkennen. Immer wieder versuchten es Xavi und Andres Iniesta mit Steilpässen auf Diego Costa. Die kamen jedoch zu selten beim Stürmer an, dem man zudem anmerkte, dass er einige Wochen zum Zugucken gezwungen war. Dennoch zeigte er, was möglich ist. Gerade in der ersten Halbzeit tauchte er regelmäßig im Strafraum auf, konnte die sich bietenden Chancen aber nicht nutzen - die junge niederländische Abwehr war stets zur Stelle. Immerhin holte er den schmeichelhaften Elfmeter heraus, welchen Xabi Alonso verwandelte.

Nach der Führung schien Spanien das Spiel zu kontrollieren. Man schob sich den Ball in bewährter Manier zu. Anders als in den Jahren zuvor nicht um den Strafraum herum, sondern zumeist im Mittelfeld, ehe das schnelle Zuspiel in die Spitze folgte. Wie bei der Riesenchance von David Silva vor dem Ausgleich. Spanien ließ sehr wohl ein Umdenken erkennen, allerdings die Feinabstimmung und Schnelligkeit vermissen.

Keine Panik!

Der Ausgleich van Persies, eine kalte Dusche unmittelbar vor der Pause, erschütterte den unnahbaren Souverän bis ins Mark. Er wirkte angeschlagen, die Präzision fehlte weiterhin, die Körpersprache war besorgniserregend - und Oranje traf. Bei aller berechtigten Kritik darf man nicht den starken, aggressiven Auftritt der Niederländer vergessen. Angeführt von einem überragenden Arjen Robben kickte sich die Mannschaft von Louis van Gaal in einen Rausch. Alles gelang.

Nimmt man diese Dinge zusammen, bleibt hängen, dass die Spanier nicht ihren besten Tag hatten. Spätestens nach dem 1:3 waren sie desillusioniert. Nun alles auf den Prüfstand zu stellen, wäre der falsche Ansatz. Vielmehr muss Del Bosque im Training an den Defensivstrukturen arbeiten. Gegen Chile werden wir jedenfalls eine andere Furia Roja sehen. Eine konzentriertere, hochmotivierte, eine brennende. Andernfalls droht das Aus.

Del Bosque brachte es nach dem Debakel gegenüber SporTV auf den Punkt: "Es gibt keinen Grund für eine Revolution. Wir haben nicht gewonnen, aber wir machen weiter und versuchen das nächste Spiel zu gewinnen." So wie bei der WM 2010, als man der Schweiz unterlag?

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