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DFB-Team bei der WM: Falsche Neun oder Stürmer-Opa?

Falsche Neun oder richtiger Stürmer? Eine knappe Woche vor dem ersten Gruppenspiel hat sich Bundestrainer Joachim Löw noch nicht festgelegt.

Santo Andre. In der Wohngemeinschaft Löw wird tagtäglich am Masterplan für die WM getüftelt. Der Bundestrainer und sein Assistent Hansi Flick wägen knapp eine Woche vor dem Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft am 16. Juni in Salvador gegen Portugal vor allem das Für und Wider der verschiedenen Offensiv-Systeme ab, mit denen Weltfußballer Cristiano Ronaldo und Co. in die Knie gezwungen werden sollen.

Die Kardinalfrage für den Bundestrainer lautet: Falsche Neun oder Stürmer-Opa? Bei der WM-Generalprobe gegen Armenien (6:1) wurden vier Treffer von den sogenannten falschen Neunern André Schürrle, Lukas Podolski und Mario Götze (2) erzielt, dagegen nur einer von Deutschlands einzigem nominellen Stürmer Miroslav Klose. Der Italien-Legionär hob als Alleinvertreter seiner Zunft am Montag das "Durchschnittsalter" im deutschen Angriff auf 36 Jahre an.

Er werde die Diskussion über stürmende Mittelfeldspieler und rotierende Spitzen nicht mit nach Brasilien nehmen, hat Löw barsch entschieden. Doch die Debatte über den Königsweg der DFB-Auswahl zum vierten WM-Titel hat Löw auch bis ins herrlich gelegene Quartier am Atlantik verfolgt.

Özil und Podolski wohl nicht in vorderster Front

Zu den Kandidaten für eine falsche Neun gesellen sich neben Götze, Schürrle und Podolski noch Thomas Müller und theoretisch auch Mesut Özil, auch der verletzte Pechvogel Marco Reus wäre eine Option gewesen. Dass Özil oder der in den beiden Länderspielen gegen Kamerun (2:2) und Armenien herausragende Podolski in vorderster Front spielen, ist aber nicht zu erwarten. "Das schließe ich nahezu aus", sagte Löw frühzeitig.

Der 54-Jährige hofft vielmehr darauf, dass Klose bei seiner vierten WM-Teilnahme nach längerer Verletzungspause doch noch rechtzeitig die Kurve bekommt und an seine Leistungen früherer Turniere anknüpfen kann. Klose habe bewiesen, "dass er auf den Punkt fit ist". Auch Thomas Müller ist sicher, "dass Miro sein Ding macht. Vor ihm muss man den Hut ziehen. Wenn er fit ist, kann er jeder Mannschaft helfen".

"Ich will immer spielen", sagte DFB-Rekordtorjäger Klose, der bei der WM die Bestmarke des Brasilianers Ronaldo (15 WM-Tore) knacken will. 14 WM-Treffer hat der Altmeister und WM-Torschützenkönig von 2006 bislang auf seinem Konto. Als Klose-Vertreter käme wie gegen Kamerun in erster Linie Müller in Frage, der dem Ideal des Mittelstürmers am ehesten gerecht wird. Kein Geringerer als "Kaiser" Franz Beckenbauer hat sich im Übrigen für Müller, WM-Torschützenkönig von 2010, als Stoßstürmer bei der WM ausgesprochen.

Die Mischung macht's

Löw, der bei der WM 2010 in Südafrika in Klose, Mario Gomez, Cacau und Stefan Kießling immerhin vier echte Angreifer dabei hatte, spricht seit Tagen von einer "richtigen Mischung" für die Offensive.

Schürrle beteuerte am Dienstag, dass es von Löw noch keinen Hinweis darauf gebe, mit welchem System man gegen Portugal operieren wolle. "Wir studieren verschiedenen Systeme ein. Aber wir wissen wirklich noch nicht, wie wir spielen werden." Die allgemeine Annahme, dass südamerikanische Teams einen Vorteil bei dieser WM hätten, teilt er indes nicht: "Ich glaube nicht, dass die südamerikanischen Teams einen so großen Vorteil haben", so der Chelsea-Angreifer am Dienstag auf der Pressekonferenz im deutschen Lager in Santo Andre. "Es ist ja nicht so, dass die Spieler der jede Woche unter diesen Bedingungen antreten müssen. Die meisten spielen in Europa."

Wie genau Löw den Sturm dann letztlich zusammenmischt, werde erst kurz vor dem ersten Gruppenspiel entschieden. "Wir müssen kreativ denken. Unser Trainer hat gute Wege gefunden, auch ohne den klassischem Stürmer erfolgreich zu sein", sagte Teammanager und Ex-Torjäger Oliver Bierhoff. Ihm als ehemaligen "klassischen zentralen Stürmer" täte es aber weh zu sehen, dass diese Position in der Liga überwiegend von Ausländern besetzt sei.

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