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Matthäus: "Kein Freifahrtschein für Özil"

Matthäus nimmt Özil in die Pflicht und warnt den Offensivmann vor einem Bankplatz. Vom Team und Trainer Löw ist er überzeugt, sein Weltmeister-Tipp ist dennoch nicht die DFB-Elf.

Berlin. Trotz der holprigen Vorbereitung und einiger angeschlagener Spieler im Kader vertraut Ex-Nationalspieler Lothar Matthäus Bundestrainer Joachim Löw und glaubt auch an Bastian Schweinsteiger. Weiter sieht er positive Aspekte im DFB-Team, dennoch tippt der TV-Experte auf Argentinien als kommenden Weltmeister. Mesut Özil nimmt er namentlich in die Pflicht.

"Özil hat keinen Freifahrtschein. Gerade auf seiner Position sind wir hervorragend besetzt. Er muss sich da erst mal durchsetzen. Er könnte der Verlierer werden, wenn man sieht, wie Löw zuletzt spielen ließ. Von ihm erwartet man aber einfach mehr als von anderen", so Matthäus im kicker: "Ich sehe Özil nicht unangetastet." Erst kürzlich hat Goal die Situation von Mesut Özil analysiert.

"Sind immer oben dabei"

Dennoch ist er insgesamt überzeugt vom deutschen Kader, "vor allem wie sie nach vorne spielen. Wir haben nach wie vor die eine oder andere Baustelle. Aber die hatten wir 1990 auch. Wir waren ja auch nicht von Beginn an auf Weltmeisterniveau. Das hat sich dann entwickelt. Viele Spieler sind über sich hinausgewachsen, und das muss auch jetzt der Fall sein, wenn man was gewinnen will."

Immerhin sei Deutschland zuletzt mehrfach nur knapp am Titel vorbeigeschrammt: "2002 im Finale, 2006, 2010 war es knapp. Wir sind immer oben dabei. Aber es kommt bei den Turnieren auch auf das Glück an und wie fit das Team durch ein Turnier kommt."

Sorge um die Fitness

Doch gerade der Fitnessaspekt war zuletzt ein großes Sorgenfeld, da mit Philipp Lahm, Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Sami Khedira mehrere Leistungsträger angeschlagen waren oder noch immer sind. Schweinsteiger etwa lief bereits bei der EM 2012 angeschlagen auf.

"Aus solchen Sachen lernt man. Ist er fit, kann er ein ganz wichtiger Spieler für Löw werden, wenn nicht, dann sollte man besser andere spielen lassen und ihn nicht mit 70 bis 80 Prozent durchs Turnier schleppen", so Matthäus, der zudem aber klar stellte: "Ich glaube, wenn Löw einen Spieler wie Schweinsteiger mitnimmt, dann ist er auch sicher, dass er hundertprozentig fit wird. Löw weiß, was er macht."

Matthäus: "Der Druck ist gesunken"

Trotz aller Hindernisse sieht Matthäus Deutschland zum Auftakt gegen Portugal in der Favoritenrolle: "Deutschland ist für mich Favorit auf den Gruppensieg. Von daher ist ein Sieg Pflicht. Doch die holprige Vorbereitung hat die Erwartungen insgesamt sinken lassen. Das kann nur von Vorteil sein. Der Druck ist gesunken, und doch bin ich überzeugt, dass Deutschland eine gute WM spielt."

Als WM-Favorit sieht der 53-Jährige die DFB-Elf dennoch nicht. "Argentinien, auch wenn ich es Deutschland wünsche", lautet Matthäus' WM-Tipp. Als Geheimfavoriten glaubt er nicht an die hier oft gehandelten Belgier, sondern an drei südamerikanische Teams:"Chile, Uruguay oder Kolumbien sehe ich in so einer Rolle am ehesten, weil sie die Bedingungen am besten kennen."

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