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Jamaikas Nationaltrainer sprach im Rahmen der Nominierung für den 'Deutschen Fussball-Botschafter' über leidvolle Erfahrungen und den Weltrekord-Sprinter als mögliche Verstärkung.

Kingston. Kamerun, Thailand, nun Karibik: Winfried Schäfer ist als Fußball-Fachmann in den letzten Jahren viel herumgekommen und war bereits in vier von sechs Kontinentalverbänden als Cheftrainer tätig. Für sein jahrelanges, weltweites Engagement in den 'Entwicklungsländern' wurde er im November für den 'Deutschen Fussball-Botschafter' 2014 nominiert.

Der 63-Jährige ist neben Katars Nationaltrainerin der Frauen, Monika Staab, sowie Klaus Stärk, Direktor des namibischen Fussballverbandes, einer von drei Nominierten. Der Gewinner wird im Mai kommenden Jahres bekannt gegeben. Im Rahmen seiner Nominierung sprach er über Erfahrungen im Ausland und Usain Bolt als Verstärkung für die jamaikanische Nationalmannschaft.

Herr Schäfer, nach einer langen erfolgreichen Zeit in Deutschland, gingen Sie 2001 ins Ausland, um dort Kameruns Nationalmannschaft zu trainieren. Mit welchem Gefühl starteten Sie damals?

Schäfer: Mit Vorfreude und der Frage: „Was muss ich tun, um die Mannschaft zu gewinnen?“ Meine ersten Erfahrungen mit Afrikanern hatte ich bereits beim KSC und durch einen Freund meines Sohnes. Wir hatten einen Spieler aus Ghana im Team.

Mit dem Gewinn der Afrika-Meisterschaft 2002 setzten Sie das erste Ausrufezeichen Ihrer Auslandskarriere. War es für Sie persönlich der größte Erfolg?

Schäfer: Das Besondere liegt darin, dass der Patriotismus in Afrika so stark und das ganze Land mit Stolz erfüllt ist. Persönlich war es nach der unerfreulichen Zeit bei Tennis Borussia Berlin natürlich Balsam für die Seele, weil es gezeigt hat, dass mein Weg zum Erfolg führen kann. Mein größter Erfolg war aber der Aufbau des KSC. Damals war der Verein quasi Bankrott, ich führte ihn über elf Jahre hinweg zu großen Leistungen. Zahlreiche Spieler wie Kahn, Scholl, Kreuzer, Sternkopf oder Nowotny gingen daraus hervor. Allerdings auch verbunden mit der Enttäuschung, dass ein Mann unsere gemeinsame Aufbauarbeit kaputt machen konnte.

Sie arbeiteten bereits in Kamerun, Thailand, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Aserbaidschan und nun in Jamaika. In welcher Kultur ist die Herausforderung, den Fußball voranzubringen am schwersten?

Schäfer: Ganz klar in Thailand. Dort haben nicht alle an einem Strang gezogen, sondern zwei Gruppen ihre unterschiedlichen Interessen verfolgt. Das war sehr schade und machte die Arbeit extrem schwierig.

Derzeit trainieren Sie die Nationalmannschaft aus Jamaika. Hochveranlagte Spieler wie Raheem Sterling oder Daniel Sturridge hätten die Berechtigung gehabt, für die Nationalmannschaft aufzulaufen, entschieden sich aber für England. Ergreifen Sie in Zukunft bestimmte Maßnahmen, um solche Spieler anzuwerben?

Schäfer: Der Präsident des Verbandes Captain Burrell hat es versucht. Solche Talente haben die Hoffnung, für England aufzulaufen. Darum muss Jamaika sich attraktiv machen, damit Wille und Emotion entsteht für das Land der Großväter zu spielen. Einige Jamaikaner hatten in England nur ein Länderspiel, dann war die Nationalmannschaftskarriere beendet – aber für uns waren sie nicht mehr spielberechtigt.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Reggae Boyz in den nächsten Jahren?

Schäfer: Gut - aber nur, wenn die Umsetzung stimmt. Beispielsweise muss zunächst die Trainerausbildung forciert werden und der Nationaltrainer sollte seine Spieler alle 14 Tage für mindestens drei Tage trainieren dürfen. Vor Ort muss intensive Arbeit geleistet werden und auch die Sponsorensuche muss vorangetrieben werden. Dann wird die Qualität besser, werden die Spieler besser.



Welches einschneidende Ereignis im Ausland bleibt Ihnen in Erinnerung?

Schäfer: Leider ein trauriges: der Tod von Marc-Vivien Foe, der nicht nur ein hervorragender Fußballer, sondern auch eine große Persönlichkeit war. Das ist mir sehr nahe gegangen. Ansonsten die Meisterschaft mit Al Ahli Dubai, da wir den besten Spieler (Karemi, Asiens Fußballer des Jahres) abgegeben mussten und trotzdem Meister wurden. Als wir zwischenzeitlich auf dem zehnten Platz waren hat der Präsident angerufen und gesagt: "Kein Problem, dann versuchen wir es nächsten Jahr." Dieses volle Vertrauen und der Rückhalt erinnern mich an die Gladbacher Schule, das macht große Mannschaften aus.

Usain Bolt kokettiert immer wieder mit einer Fußball-Karriere nach seiner aktiven Zeit als Leichtathlet. Haben Sie ihn schon mal getroffen?

Schäfer: Ja, aber wir haben nur einmal kurz über Bastian Schweinsteiger geredet. Ich werde ihn aber darauf mal ansprechen und ihn nominieren, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Er soll sich zu den Reggae Boyz bekennen (lacht) – mit seiner Siegermentalität wäre er für jedes Team eine Bereicherung.

Asafa Powell, ehemaliger Leichtathletik-Weltrekordler, wollte selbst einmal Fußballer werden. Was können Ihre Jungs von einem solchen Leichtathleten lernen?

Schäfer: Alle großen Leichtathleten bringen die Disziplin und Einsicht mit, hart und auch allein zu trainieren. Im Fußball ist es ähnlich: Alle Großen sind groß, weil sie einfach mehr trainiert haben. Reines Talent reicht nicht mehr. Ein Thomas Häßler und viele Spieler aus dem großen Fohlen-Team wie etwa Rainer Bonhof oder Berti Vogts, haben schon damals allein trainiert,um sich noch zu verbessern,

Morgen im zweiten Teil des Interviews mit 'Winnie' Schäfer: Wie sich die Bundesliga verändert hat und was er über den Ballon d'Or denkt!

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