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Wenn der Bundestrainer am Mittwoch nach rund 20-stündiger Reise im malerischen Costa do Sauipe ankommt, wird er kaum einen Blick für die Schönheiten Brasiliens übrig haben.

Costa do Sauipe. Joachim Löw fiebert der Weltmeisterschaft entgegen. Den Bundestrainer hat nicht nur ob der anstehenden Auslosung der Vorrundengruppen am Freitag (17.00 Uhr MEZ) im brasilianischen Badeort an der Atlantikküste längst das WM-Fieber gepackt.

Schon vor der 90-minütigen Mega-Show im noblen "Resort Costa do Sauipe" und gut ein halbes Jahr vor Turnierbeginn (12. Juni bis 13. Juli 2014) richtet Löw angesichts der besonderen Umstände in Brasilien einen Appell an seine Stars.

"Wer beginnt, mit diesen Dingen zu hadern und zu lamentieren, der hat schon verloren, der vergeudet zu viel Energie. Wir wissen, dass es Unwägbarkeiten geben wird, aber mit diesen werden wir leben müssen", betonte er.

Begebenheiten müssen angenommen werden

Die Spieler um Kapitän Philipp Lahm müssten sich allein auf Fußball fokussieren, unterstrich der Bundestrainer, "und alles andere komplett ausblenden. Die Uhren ticken dort anders. Da ist es laut, da ist es heiß. Aber wer Weltmeister werden will, muss das alles verdrängen. Ich bin mir aber sicher, dass wir das bewältigen."

Seit seinem Besuch im Sommer beim Confed Cup beschäftigen den 53-Jährigen die besonderen Begebenheiten im Gastgeberland, in dem "eine Urkraft" herrsche, "eine Energie für Fußball, die ich so noch nicht erlebt habe".

Das Klima sei zudem speziell. "Die Bedingungen können ständig wechseln, die Luftfeuchtigkeit kann extrem hoch sein. Die Reisezeiten, die Entfernungen, die Organisation sind ganz anders als in Europa", sagte Löw nach seinen ersten Erfahrungen.

Großereignis im Herzen des Fußballs

Die Vorfreude auf die WM ist bei ihm dennoch spürbar. "Ich bin auf jeden Fall mit großer Freude in Brasilien. Das ist das Fußball-Land schlechthin. Diese Begeisterung, diese Intensität habe ich so noch nie erlebt. Das wird eine sehr emotionale WM werden", betonte er.

Am Dienstag machte sich der DFB-Coach von München aus über Sao Paulo ins rund 11.500 Flugkilometer entfernte Salvador da Bahia aufmachen. Die letzte Etappe ins 75 Kilometer entfernte Costa do Sauipe wollte die DFB-Delegation, der neben Löw noch dessen Assistent Hansi Flick, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, Generalsekretär Helmut Sandrock und Teammanager Oliver Bierhoff angehören, mit dem Auto bewältigen.

Die beschwerliche Anreise bot genügend Zeit, um auch noch einmal mögliche Konstellationen für die Auslosung umfassend durchzugehen. Doch Löw macht sich keine Sorgen, auch wenn eine Hammergruppe mit möglichen Gegnern wie Italien, den Niederlanden oder Portugal droht. "Nein, schlaflose Nächte bereitet mir das nicht. Jede Nation muss schon in der Gruppenphase mit gewissen Hindernissen rechnen. Das Niveau ist unglaublich hoch", sagte er gelassen. Nach der Einteilung der Lostöpfe am Dienstag ist aber auch eine vergleichsweise leichte Vorrunde mit Bosnien-Herzegowina, Algerien und Honduras möglich.

Für den Titel "muss alles passen"

Nach der weltweit beachteten Zeremonie sollen dann endlich auch die Planungen in Bezug auf das Basis-Quartier in Brasilien und die WM-Vorbereitung abgeschlossen werden. Löw und Co. werden noch einmal die beiden möglichen Quartiere in Salvador und Sao Paulo in Augenschein nehmen. Die Entscheidung sei davon abhängig, "wo spielen wir, wie sind die Anstoßzeiten?", sagte der Bundestrainer: "Wir spielen mehrere Möglichkeiten durch und werden uns dann in Ruhe entscheiden." Bis zum 18. Dezember läuft die FIFA-Frist.

Gedankenspiele gibt es bei Löw angesichts einiger verletzter Nationalspieler (Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Ilkay Gündogan, Lukas Podolski, Mario Gomez) aber auch in Bezug auf seinen WM-Kader. Noch mache er sich keine große Sorgen, "aber ich hoffe natürlich inständig, dass unsere Leistungsträger nicht verletzt sind. Das ist schon eine wichtige Voraussetzung, wenn man die WM gewinnen will. Es ist das allerschwierigste überhaupt, Weltmeister zu werden. Da muss alles passen, gerade in Brasilien."

Trotz aller Unwägbarkeiten hat der Bundestrainer genaue Vorstellungen von seinem 112. Länderspiel. "Natürlich wäre es ein Traum, wenn dieses in Rio stattfinden würde. Und wenn wir dann schon im Finale stehen, dann wollen wir es natürlich auch gewinnen. Aber bis dahin ist es noch ein sehr, sehr weiter Weg."

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