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Max Kruse: Vom "Testosteron-Rapper" zum Nationalspieler

Es grenzt beinahe an ein Wunder, dass aus Kruse doch noch ein Nationalspieler wurde. In der jüngeren Vergangenheit wurde er von "MC Max" zum wahren Gladbacher Glücksgriff.

Stockholm. Am Montag wurde er in Stockholm auf ein Podium gesetzt. Da dies einen Tag vor dem letzten WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden war, gilt als sehr wahrscheinlich: Max Kruse wird am Dienstagabend (20.45 Uhr) in der Anfangsformation stehen.

Es wird sein fünfter Einsatz sein - und womöglich nicht der letzte. Dass er es überhaupt so weit gebracht hat, grenzt allerdings fast an ein Wunder. Von seinem ehemaligen Trainer Holger Stanislawski ist Kruse mal als "Vollpfosten" tituliert worden, Zeitungen mit großen Buchstaben tauften ihn "Maserati-Max".

Und dann war da ein Facebook-Video, in dem er als "halb nackter und über Sexpraktiken mit Prostituierten stammelnder Testosteron-Rapper" (Die Welt) "MC Max" auftrat - es hätte ihn fast die Karriere gekostet. Im ziemlich reifen Alter von 25 Jahren ist er dennoch zum Nationalspieler geworden.

Löw von Kruse "sehr angetan"

Auf der Reise in die USA im Sommer bestritt Kruse die ersten beiden Länderspiele in der A-Nationalelf - er schoss ein Tor selbst und legte zwei auf. Er gilt als Angreifer für die Zukunft - im Bundestrainer hat er einen Fan.

Joachim Löw erklärt bei jeder Gelegenheit, er sei "von Kruse sehr angetan. Weil er ein schlauer, raffinierter Spieler ist, der immer anspielbar ist, sehr gute Wege macht und sehr gut im Abschluss ist." Stefan Kießling ist nur eine Notlösung auf Abruf, klar ist. Angreifer Nummer drei hinter den derzeit verletzten Miroslav Klose und Mario Gomez ist Kruse.

Jener Kruse, der vor gut eineinhalb Jahren noch in der 2. Liga spielte. Jener Kruse, der zugibt: Wenn ihm damals, vor anderthalb Jahren, jemand gesagt hätte, dass er mal Nationalspieler in der A-Auswahl werde, "dann hätte ich gelacht". Und wohl nicht nur er.

"...oder eben nur Durchschnitt"

Kruse hat immerhin 24 Spiele für deutsche U-Mannschaften bestritten, dass er es mit Verspätung sogar zu Löw geschafft hat, kam allerdings überraschend. Es ist das Ergebnis von harter Arbeit - und vor allem einer wichtigen Einsicht.

"Irgendwann kam bei mir der Punkt, an dem ich mein Leben umstellen musste, wenn es was werden sollte mit der Karriere." Er habe, gesteht er, nicht die letzte Professionalität an den Tag gelegt. Zapfenstreich war für Kruse oft ein Fremdwort - das Umdenken, sagt er, habe erst eingesetzt, als vor gut drei Jahren Sohn Lauro-Maxim auf die Welt gekommen war:

"Irgendwann habe ich mir gesagt, dass es entweder steil nach oben geht oder dass ich auf Dauer eben nur Durchschnitt bleibe." Er spielte eine starke Saison bei St. Pauli und eine noch stärkere in der vergangenen Spielzeit beim SC Freiburg: 34 Einsätze, elf Treffer, acht Torvorlagen.

Starke Bilanz in dieser Saison

Kruse macht seit Saisonbeginn, seit er für eher läppische 2,5 Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach gewechselt ist, da weiter, wo er in Freiburg aufgehört hat - acht Spiele, fünf Tore, fünf Vorlagen. Und er fällt praktisch auch nicht mehr unangenehm auf.

In Gladbach, das weiß er, steht er mehr im Fokus als bislang - bei der Nationalmannschaft ist das erst recht so. Und so benimmt sich Kruse wie jener Musterprofi, der er mittlerweile zu sein scheint.

Nur diesen Maserati Granturismo im Carmouflage-Look, den gönnt er sich nach wie vor. Das Auto gefalle ihm nun mal. Basta! Und ein Kindersitz passe auch rein.

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